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Album der Woche: Brutalismus 3000 – Harmony

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2018 auf Tinder kennengelernt, 2020 eine Band gegründet und eine halbe Dekade später fester Bestandteil der Line-ups von Boiler Room, Berghain oder Coachella: Brutalismus 3000 leben den Traum eines jeden Kreuzberger DJs. Das Berliner Duo aus Produzent Theo Zeitner und Sängerin Victoria Vassiliki Daldas kombiniert frühen Gabber, Hardstyle, Punk und Wave auf eine audiovisuelle Art und Weise, die oft kopiert, aber selten erreicht wurde.

Harmony: Zweites erstes Album

Nach dem viralen Durchbruch mit „Satan Was A Babyboomer“ und dem Debütalbum „ULTRAKUNST“ erscheint mit „Harmony“ nun eine Platte, die laut Zeitner fast wie ein zweites Debüt funktioniert. Denn damit hätten sie sich zum ersten Mal wirklich als Band gefunden – Harmony eben. Der Titel „Harmony“ war anfangs eher als Gegenentwurf zu toxischer Positivität gemeint, Brutalismus wollten die rosarote Brille von der Welt reißen. In der Entstehung ist daraus aber etwas anderes geworden: Immernoch düster und stellenweise wütend, aber teils auch softer und unprätentiös emotional. Begraben unter Trap-Drums, Reverse Bass, Gabber-Kicks, Metal-Gitarren und sägenden Synths scheint so immer wieder Melancholie hindurch.

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Musikalisch setzt „Harmony“ auf Vielfältigkeit, mit dem typisch eigenwilligen Stil als stabilem Unterbau. Songs wie „Garland“ oder „You Were Never Really Here But I Miss Ya“ bringen Rave-Energie, „A Milli“ übersetzt Lil Waynes Klassiker in den eigenen Sound und „I Bring My Gun To The Function“ bekommt durch das Boys Noize-Feature einen klaren Club-Sound. Dazu kommen ein Spoken-Word-Beitrag von Anya Taylor-Joy auf „Morning Is For The Happy“ und „Friends At The Pigshed“ mit Underworld, das im Vergleich zum restlichen Album fast hell und euphorisch wirkt.

Brutalismus 3000 im Stream of Consciousness

Zusammengehalten wird das Album vor allem von Daldas’ imposanter Stimme. Sie schreit, singt und chantet und kreiert so gewohnt verzerrte Hooks, die Gefühle von Paranoia, Sehnsucht und Aggression erkennen lassen. Viele Textzeilen entstanden aus fragmentartigen Handyotizen und bei gemeinsamen Sessions am Küchentisch, bei denen die beiden ihren Gedankenfluss festhielten. Dadurch wirkt „Harmony“ wie eine natürliche, fast wie eine körperliche Reaktion auf eine Umwelt, die immer unsicherer und rauer scheint. Bei einer Listening-Session im Berliner Studio1111 haben Zeitner und Daldas ihr neues Album zwischen Szenekids und Musiknerds am Releasetag zum ersten Mal live performt, bevor sie es diesen Sommer auf Festivalbühnen weltweit zum Besten geben werden.

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