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Album der Woche: Cameron Winter – Live at Carnegie Hall

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Spätestens seit „Getting Killed“ sind Geese, und damit deren Frontmann Cameron Winter, vielen ein Begriff. Aber auch dessen Solo-Werke erlangten nach und nach Aufmerksamkeit und sind besonders von Kritiker:innen hochgelobt. Auf „Live at Carnegie Hall“ zeigt Cameron Winter jetzt, wie beweglich sein Solo- Material ist: Allein am Flügel sitzend zieht Winter vertraute Stücke auseinander, verschiebt ihre Schwerpunkte und lässt so zusammen mit drei bisher unveröffentlichten Songs ein facettenreiches und einzigartiges Live-Album entstehen.

Wir bekommen auf „Live at Carnegie Hall“ den ausverkauften Solo-Auftritt von Cameron Winter in der New Yorker Carnegie Hall am 11. Dezember 2025 zu hören. Mit nur 23 Jahren ist Cameron Winter unter den jüngsten Solo-Künstler:innen, die je in dieser legendären Spielstätte auftreten durften. Vor ihm spielten unter anderem Bob Dylan und Joan Baez in einem ähnlichen Alter in der Carnegie Hall.

„Live at Carnegie Hall“: Bekannte und neue Songs

Wenn man sich Cameron Winters Solo-Diskografie anschaut, merkt man, dass da abseits vom Debütalbum „Heavy Metal“ lediglich zwei Singles zu finden sind. Mit drei ganz neuen Songs schafft er es trotzdem, aus „Live at Carnegie Hall“ eine völlig neue Album-Erfahrung zu kreieren. Das liegt natürlich auch am stark veränderten Arrangement. Denn Solo-Auftritt bedeutet in diesem Fall wirklich Solo: Das Einzige, was neben Cameron Winter auf der prunkvollen Bühne steht, ist ein Steinway & Sons Flügel, an dem er sich selbst begleitet. Die Album- und Single-Versionen seiner Songs waren im Vergleich deutlich umfangreicher instrumentiert.

Die Reduziertheit macht möglich, dass Cameron Winter seiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Er lässt Akkorde stehen, setzt neue Akzente und spielt mit Dynamiken. In „The Rolling Stones“ lässt er eine knappe halbe Minute lang eine einzelne Note immer wieder anklingen. Winter hat hier die Möglichkeit, seine Songs so aufzuführen, wie er möchte, ohne dass eine Band oder ein Produzent ihn „zurückhält“. Er scheint viel zu improvisieren, aber gleichzeitig fühlt sich alles so an, als müssten die Songs genau so sein, wie Cameron Winter sie in der Carnegie Hall spielt.

Der Eröffnungssong „It All Fell in the River“

Einer der zuvor unveröffentlichten Songs und gleichzeitig der Eröffnungssong von Konzert und Album heißt „It All Fell in the River“. Auch hier spielt Cameron Winter mit Dynamik und Tempo, lässt das Stück aber trotzdem so klingen, dass es einer ausgearbeitet Komposition in nichts nachsteht. Die Zeilen sind wie von Cameron Winter gewohnt surreal und impressionistisch: „I’m remembering when what fell in the river / Once fell on my head.“ Viele Zeilen wirken erstmal etwas komisch und es scheint stets eine gewisse Ironie mitzuschwingen, wie hier: „And I didn’t oooh then / But I’m ooohing now.“ Trotzdem sind – und das gilt nicht nur für „It All Fell in the River“ – Winters Lyrics einzigartig und irgendwie treffend, auch wenn sie oft nicht eindeutig sind.

„If You Turn Back Now“: Ein Highlight

„If You Turn Back Now“ war ebenfalls unveröffentlicht und ist – auch wenn alle drei großartig sind – das Highlight unter den neuen Songs, wahrscheinlich sogar ein Highlight unter allen Cameron-Winter-Songs. Er beginnt wie ein klassischer Break-Up-Song: „If you turn back now / I might call out your name / if you turn back now / I might just turn away.“ Dann wechselt Winter aber zu chaotischen Bildern und religiösen Anspielungen: „The Devil is real and he’s living in heaven. / The Devil will love you to death if you let him.“ Obwohl Winter sich selbst als agnostisch bezeichnet, sind diese immer wieder Teil seiner Songs.

Cameron Winter zeigt auf „Live at Carnegie Hall“ wie viel er aus einem überschaubaren Solo-Werk nur mit seiner Stimme und einem Flügel rausholen kann. Das ganze Konzert wurde übrigens von Paul Thomas Anderson verfilmt.

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