Album der Woche: Döll – weg vom Weg
Döll weiß wie kein anderer, was es heißt, vom Weg abzukommen und wieder zu ihm zu finden. Nun widmet er dieser Königsdisziplin sogar ein ganzes Album: „weg vom Weg“. Es ist sein insgesamt sechstes, das vierte solo und mit Sicherheit eines der wichtigsten. „Hinter meinem Rücken flüstern Stimmen / „Ich schwör, der kriegt sich nicht mehr hin“ / Ihr habt ein riesiges Problem, seitdem ich nüchtern bin / die letzten zwei Platten haben nicht gezählt / bei „Chips“ war ich zu oft auf Natz / und bei „Nackt“ hat es mir gefehlt“, rappt Döll auf dem Opener. Seine Abrechnung ist schonungslos, mit den Whack MCs der Szene, aber vor allem mit sich selbst.
Seit Döll in den 2010ern in die Szene geplatzt ist, ist viel Zeit vergangen und er schreibt und performt hier mit dem Hunger von einem, dem bewusst ist, dass die Halbwertszeit einer Musikkarriere dieser Tage kürzer als je zuvor ist. Die „15 minutes of fame“ sind eher ein Wimpernschlag, aber Döll hat was zu sagen. In „Gedanken“ macht er sich selbst und allen anderen Mut, „Wie es war“ ist ein schmerzhaftes Herum-pulen in den Tiefen der eigenen Vergangenheit und „Wieder hier“ ist ein nicht weniger aufwühlender Blick in den Stuhlkreis bei der Gruppentherapie. Spielsucht, Depression, Absturz, Aufrappeln, neu starten, immer wieder. Was Döll auftischt ist harter Tobak, aber nie Mitleids erregend. Hier rappt einer, der viel erlebt, aber nie die Worte veloren hat, um davon zu erzählen.
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