Album der Woche: Drake – ICEMAN
Reine Musikveröffentlichungen waren die Alben von Drake noch nie. Oft gehen sie auch über Statusmeldung und Momentaufnahme hinaus und wollen eine Einordnung seiner Position im Rap- und Popgeschäft sein. Auf „ICEMAN“ trifft das besonders zu. Das neunte Studioalbum des kanadischen Rappers erschien am 15. Mai 2026 – und nicht allein: Zeitgleich veröffentlichte Drake auch „MAID OF HONOUR“ und „HABIBTI“. Drei Projekte, drei unterschiedliche Sounds: „HABIBTI“ schließt eher an seine R&B-Seite an, „MAID OF HONOUR“ ist cluborientierter, „ICEMAN“ das raplastigste der drei Alben.
Opulenter Rollout für das Release-Herzstück
Für viele ist „ICEMAN“ das zentrale Stück des Album-Trios. Der Rollout war entsprechend groß inszeniert. Drake teasete das Album zunächst über mehrere Livestreams unter dem Titel „Iceman: Episode“. Außerdem fuhr er mit einem gebrandeten Truck durch Toronto und arbeitete mit kryptischen Hinweisen rund um das Thema „Eis“. Als weiterer Streich wurde in Downtown Toronto ein riesiger Eisblock aufgestellt, in dem das Release-Datum versteckt war. Zuletzt „vereiste“ Drake sogar den CN Tower – zumindest optisch – mit Hilfe einer opulenten Lichtshow. Auch der Titel wurde vorab auf verschiedene Arten gedeutet: als Verweis auf Drakes icy Schmuck, auf Sportfiguren mit dem Spitznamen „Iceman“ oder auf die Marvel-Figur Bobby Drake.
Drake schießt nicht nur gegen Kendrick
Inhaltlich verhandelt Drake auf „ICEMAN“ fast überpräsent verschiedenste Konflikten der vergangenen Monate und Jahre. Die Lead-Single „What Did I Miss?“ macht früh klar, dass Drake sich damit beschäftigt, wer in den Auseinandersetzungen der letzten Jahre auf wessen Seite stand. Zentral bleibt dabei natürlich der Beef mit Kendrick Lamar und die Nachwirkung von „Not Like Us“. Einzelne Zeilen werden hier als Anspielungen auf DeMar DeRozan und LeBron James gelesen. Beide stehen aus Drakes Sicht offenbar nicht klar genug zu ihm.
Neben persönlichen Fehden spielt auch Drakes komplizierte Beziehung zur Universal Music Group eine Rolle. Drake hatte das Label im Januar 2025 im Zusammenhang mit Kendrick Lamars Track „Not Like Us“ verklagt. Drake wirft UMG-CEO Lucian Grainge vor, „Not Like Us“ unterstützt und damit seine Musik und Marke bewusst geschwächt zu haben. Dass nun drei Alben gleichzeitig und weiterhin über Republic Records unter dem UMG-Dach erschienen sind, führte schnell zu Spekulationen über seine vertragliche Situation. Wie viele Alben Drake dem Label noch schuldet, ist öffentlich nicht bekannt. Jetzt wird diskutiert, ob Drake mit „HABIBTI“ und „MAID OF HONOUR“ zwei Throwaway-Alben veröffentlicht hat, um dem Vertrag schneller zu erfüllen. In „Janice STFU“ und „Make Them Pay“ deutet er jedenfalls subtil an, sich aus bestehenden Strukturen lösen zu wollen.
„ICEMAN“: Weniger Schnickschnack – Mehr Rap
Musikalisch setzt „ICEMAN“ stärker auf klassischen Rap als auf markante Pop-Hooks, mit denen Drake viele seiner größten Erfolge feierte. Songs wie „Make Them Pay“, „National Treasures“, „Make Them Remember“ und „Firm Friends“ rücken Bars, Beat-Switches und direkte Ansagen in den Vordergrund. Die Gästeliste auf dem 69 Minuten langen Album bleibt recht übersichtlich: Future, Molly Santana und 21 Savage sind die offiziell genannten Features. Produktionstechnisch ist „ICEMAN“ dagegen ziemlich breit aufgestellt. Auf der 18 Titel zählenden Tracklist finden sich unter anderem Namen wie Boi-1da, Oz, Tay Keith, 40, Conductor Williams, Ovrkast, Southside und Wheezy. Und auch an den Samples hat Drake nicht gespart. Zum Beispiel findet Lykke Lis größter Hit „I Follow Rivers“ von 2011 seinen Weg in den Track „Janice STFU.“
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