Album der Woche: Fred again.. & LATIN MAFIA – 9 months & 50 hours
„Wir machen ein Mixtape und bleiben hier bis es fertig ist“. Unter dieser Prämisse starteten Fred again.. und Latin Mafia in der vergangenen Woche einen YouTube-Livestream, in dem sie für Zuschauer:innen den kreativen Prozess bei der Fertigstellung des neuen Mixtapes komplett offenlegten.
„9 months & 50 hours“ volle Transparenz
In einem rund 50 Stündigen Livestream – daher der Titel des Mixtapes – aus einem Studio in Mexiko City vollendeten Fred again.. und Latin Mafia das gemeinsame Mixtape. Von den Live-Aufnahmen, über die Kommunikation zwischen den Musiker:innen, bis hin zu Schlafpausen konnte dort alles öffentlich mitverfolgt werden. Im Anschluss spielten sie das fertige Album in einer ausgebuchten Live-Show.
Das Tape entstand allerdings nicht von Grund auf während dieses Streams. Fred erklärte, dass beide Parteien bereits seit mehreren Jahren immer wieder Ideen ausgetauscht hätten. Dabei habe sich schnell herausgestellt, dass die einzelnen Stücke wie Bestandteile derselben musikalischen Welt klangen. Deshalb entschieden sie sich, aus dem Material ein gemeinsames zusammenhängendes Projekt zu machen.
Fred again.. & LATIN MAFIA: Ein Perfect-Match?
Fred again.. ist längst dafür bekannt, elektronische Musik aus Sprachaufnahmen, persönlichen Momenten und unerwarteten Kollaborationen zusammenzusetzen. Der britische Produzent, Singer-Songwriter und Multiinstrumentalist wird immer wieder für seine Kreativität und Innovation gelobt und gewann für seine Werke etliche Preise.
Mit Latin Mafia trifft er nun auf ein ähnlich spannendes Projekt. Das mexikanische Trio besteht aus den Brüdern Mike, Milton und Emilio de la Rosa, wobei Mike produziert und Milton und Emilio die Stimmen der Gruppe bilden. Während der Pandemie begannen sie, gemeinsam aufgenommene Videos ins Netz zu stellen, veröffentlichten ihre Musik zunächst komplett unabhängig und entwickelten zwischen Pop, R&B, Trap, Reggaeton und elektronischen Einflüssen einen Sound, der sich nur schwer auf ein Genre festlegen lässt. 2024 folgten der Vertrag bei Rimas Entertainment und das Debütalbum „Todos los días todo el día“.
Fred again.. und Latin Mafia sind also Künstler, die ihre Songs weniger als sauber abgeschlossene Studioprodukte wirken lassen, sondern eher wie Momentaufnahmen, bei denen der gemeinsame Entstehungsprozess hörbar bleiben darf. „9 months & 50 hours“ und der dazugehörige Livestream sind das perfekte Beispiel dafür.
Der Vorläufer „under the fabric“
Unmittelbar vor der finalen Produktionssession veröffentlichten beide Parteien den 35-minütigen Film „under the fabric (Mexico City, 11th December 2025)“. Er zeigt eine spontane Studiosession, die am 11. Dezember 2025 wenige Stunden vor einem gemeinsamen USB002-Auftritt aufgenommen wurde. Gefilmt wurde in nur einer Einstellung unter einer Installation aus großen, schwebenden Stoffbahnen des niederländischen Künstlers Boris Acket.
Zu hören waren dort bereits unfertige Versionen mehrerer Stücke, die teils im Livestream wieder aufgegriffen und weiterentwickelt wurden. Wofür die neun Monate im Titel stehen ist nicht ganz klar, allerdings markieren sie grob die vergangene Zeit seit dieser Studiosession.
Weniger klassischer Clubsound, dafür mehr Persönlichkeit
Aber nicht nur der Entstehungsprozess ist einzigartig. Auch musikalisch suchen die 14 Tracks ihresgleichen. Im Zentrum stehen die spanischen, häufig weich, brüchig oder im Falsett gesungenen Stimmen von Milton und Emilio, die Fred again.. und Mike de la Rosa mit dynamischen Synthesizerflächen, Vocal-Loops, tiefen Bässen und reduzierten House- und UK-Garage-Rhythmen umgeben.
Einige Songs bleiben beinahe atmosphärisch und skizzenhaft, andere öffnen sich plötzlich in euphorische, deutlich tanzbarere Passagen. Dadurch fühlt sich das Projekt eher wie eine zusammenhängende Studiosession an als eine Sammlung klar voneinander getrennter Singles. Gerade beim aktuellen Hype von KI-Musik fühlt es sich gut an, die Musiker:innen hinter den Kulissen beobachten zu können und die Produktion mitzuverfolgen. Fred again.. und Latin Mafia liefern mit „9 months & 50 hours“ nicht nur authentische elektronische Musik, sondern zeigen auch, wie der Schaffensprozess Teil des Werks werden kann.
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