Album der Woche: Fred again.. – ten days
Mit „ten days“ wendet sich der britische DJ Fred again.. einem intimeren, aber nicht weniger beeindruckenden Sound zu, der den roten Faden, der sich bisher durch seine „Actual Life“-Albumreihe zog, weiterführt. Der Fokus wird auf seinem vierten Album nämlich auf das musikalische Storytelling seiner Kunst gesetzt, während die Clubtauglichkeit etwas zur Seite weicht. Introspektiv und gleichzeitig doch euphorisch öffnet sich Fred Gibson dabei seinem Publikum auf eine sehr nahbare Weise, die trotz der Star bestückten Feature-Liste nichts an ihrer Wirkung einbüßt.
Eine Wand der Erinnerungen
Auf „ten days“ fokussiert sich der britische DJ und Producer aber nicht auf die großen Erlebnisse, sondern auf intime, zwischenmenschliche Momente. Auf Instagram erklärt der Musiker seine Motivation hinter dem Albumkonzept: „Es sind zehn Lieder, die von zehn Tagen handeln. Im letzten Jahr gab es viele große, verrückte Dinge, aber im Grunde handelt es sich um kleine, ruhige, intime Momente. Einige davon sind die intensivsten Glücksgefühle, die ich je empfunden habe, und einige sind die andere Seite der Dinge.“
Das Album bietet mit jeden der zehn Songs eine Pre- bzw. Interlude, die auf die Stimmung des folgenden Tracks vorbereitet. Kaleidoskopisch fliegen dabei diese Eindrücke von kleinen Momentaufnahmen durch die Zeit. Ob Snippets von Sprachnachrichten, dem rhythmischen Geräuschs eines Autoblinkers in einer regnerischen Nacht, Chöre eines Live-Publikums oder Geschnatter unter Freund:innen. Tagebuchartig erzählt Fred von den großen Gefühlen hinter kleinen Momenten. Schon die offizielle Website des Albums bereitet mit seiner Pinnwand von Schnappschüssen auf Freds nostalgischen Rückblick vor.
Intimität und Euphorie
Fred lässt freudigen Momenten wie auf „fear less“, mit dem britischen R&B-Sänger Sampha als Feature, genauso viel Raum zum Entwickeln, wie auch den Momente des Selbstzweifels, wie im Song „just stand there“ mit einem Sample der irischen Singer-Songwriterin SOAK. Selbst wenn EDM-Gigant Skrillex als Producer agiert, wird der gemeinsame Track nicht von 2010er Dubstep-Einflüssen übernommen, sondern von Fred wie Skrillex effektiv und komplex bespielt. Auch im Track „places to be“ geht die Collab mit Soul-Star Anderson .Paak perfekt auf. Trotz der elektronischen Glückseligkeit trägt das Stück eine unterschwellige Bedrücktheit in sich, als ob man bei einer Houseparty so langsam den Entschluss fasst zu gehen.
Auch vor Genregrenzen macht Fred wieder einmal keinen Halt. Ob Einflüsse von House, R&B, Rave, Ambient, Garage oder Jungle, Fred macht sich alle Musikrichtungen geradezu zu Werkzeugen und manipuliert diese um seine Emotionen in ihrer Komplexität darzustellen. Dabei setzt er außerdem auch einen Fokus auf die Inkorporation von akustischen Momenten. Diese Praxis hat er bereits letztes Jahr bei seinem Tiny Desk Konzert beeindruckend zur Schau gestellt.
Ein Jahr später kann man hier wohl die musikalischen Anfänge von „ten days“ beobachten. Denn genauso wie die Re-Interpretationen seiner eigenen Songs bei Tiny Desk neue emotionale Ebenen in seiner Musik betonen, kondensierte sich dieser musikalische Ansatz auf „ten days“ und demonstriert Fred again.. als tiefgängigen Musik-Allrounder.
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