Album der Woche: frytz – Zeit Teilen
Man vergisst schnell, dass Frytz erst 2023 seine erste eigene Single veröffentlicht hat. Denn seitdem ist viel passiert: Mit „unter meiner Haut, Pt. 1 & Pt. 2“ und „Backup ’25“ hat der Wahlkölner bereits zwei Alben veröffentlicht und mehr als 120 Shows gespielt. Zuvor arbeitete Jonas Hipper als Produzent für andere Künstler:innen, inzwischen stehen seine eigenen Geschichten im Mittelpunkt. Auf seinem dritten Album „Zeit Teilen“ richtet er den Blick auf die Menschen, die ihn bei all der Bewegung begleiten – und auf diejenigen, die nicht dabei sein können.
Was wirklich wichtig ist: „Zeit Teilen“
„Zeit Teilen“ meint die Momente, die man gerne gemeinsam erlebt hätte – oder noch erleben will. Erinnerungen an vergangene Beziehungen treffen auf den Wunsch, den Menschen im eigenen Leben wieder näherzukommen. „Ich hab langsam gemerkt, was wirklich für mich zählt: Diese Zeit auch zu genießen – und zwar zusammen mit Menschen, die mir wichtig sind“, erklärt Frytz. Der Albumtitel lässt sich also als Einladung verstehen, zwischen Zukunftsplänen und Alltag bewusster wahrzunehmen, mit wem man gerade zusammen ist – und wer einem fehlt.
frytz: Bekannter Stil, vielfältige Umsetzung
Musikalisch bliebt Frytz auf „Zeit Teilen“ seinem Stil weitestgehend treu, ohne sich zu sehr zu wiederholen. Häufig erzeugen die Vocals eine eher melancholische Stimmung, während der Beat weiter nach vorne treibt oder melodische Gitarren den Vibe anheben. Das Album lässt sich dabei nicht in eine Genre-Schublade stecken. Teile des Albums lehnen eher Richtung Pop, während luftige Beats manchen Songs einen starken House-Einschlag verleihen. Hip-Hop-Elemente dürfen bei Frytz natürlich auch nicht fehlen.
Der Song „Yokohama“ ist hingegen eher von Drum and Bass inspiriert: Tiefe Synths und ein treibender Beat geben der Sehnsucht Bewegung. Die japanische Hafenstadt wird dabei zum konkreten Ziel der erhofften Zweisamkeit: „Komm, wir fahren nach Yokohama / machen Dinge so wie damals.“ Zwei Menschen, die sich längst verloren haben, wollen noch einmal an ihre frühere Nähe anknüpfen. Für 24 Stunden sollen die Fragen Pause haben, die zwischen ihnen stehen.
Zu viele Gefühle fürs Freunde bleiben
Ein schneller, aber zurückhaltender Beat und atmosphärische, melodische Gitarren verleihen „Freunde bleiben?“ einen optimistischen Klang. Frytz und Kayla Shyx wechseln sich im Gesang ab, bevor ihre Stimmen zusammenfinden – während sie textlich lieber auf Abstand bleiben. Zwischen vertrauter Freundschaft und längst ausgemalten Reisen zu zweit steht die Angst, mit einem Geständnis das zu verlieren, was man schon hat. „Besser nichts anzufang’n / Dann ist kein Ende absehbar“, lautet ihre vorsichtige Absicherung. Dass die Gefühle längst über Freundschaft hinausgehen, lässt sich allerdings kaum überhören.
Auch in der gleichnamigen Doku beschäftigt Frytz die Frage, wie wertvoll gemeinsame Zeit ist. Was als Tourfilm begann, wurde während der Dreharbeiten persönlicher: Während er Konzerte spielte, durchlebte sein Bruder zu Hause eine schwere Phase seiner ME/CFS-Erkrankung. So erzählt „ZEIT TEILEN“ auch davon, wie nah die Euphorie auf der Bühne und die Sorge um einen geliebten Menschen beieinanderliegen können. Mit „Zeit Teilen“ hält frytz fest, wie schön und kompliziert Nähe sein kann. Ab dem 21. November nimmt er die Songs mit auf Tour – und schafft neue Gelegenheiten für gemeinsame Erinnerungen.
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