Album der Woche: Lola Young – I’m Only F**cking Myself
Lola Young trägt das Herz auf der Zunge – das ist nicht erst in ihren jüngsten Veröffentlichungen so, sondern gilt schon seit Tracks wie „Messy“, einem DER Hits aus dem vergangenen Jahr, oder „Chill Out“ aus 2023 zu den Markenzeichen der britischen Sängerin. Und doch legt ihr gerade veröffentlichtes Album „I’m Only F**cking Myself“ nochmal eine Schippe drauf, was intime Gedanken, rohe Emotionen und (leider auch) ungesunde Gewohnheiten angeht.
Mit Einflüssen aus New Wave und Soul liefert Lola Young auf dem Album einen Pop-Entwurf, der massentauglich ist, ohne an Kante einzubüßen, was sich vor allem durch die rauchige, gerne mit Amy Winehouse verglichene Stimme der Britin erklären lassen dürfte. 14 Songs nimmt sie sich Zeit, um einen Ist-Stand ihres turbulenten Inneren zu zeichnen – sowohl in epischen Pop-Hymnen als auch durch herzzerreißende Balladen.
Ein holpriger Weg zur Selbstermächtigung
Zu letzten zählt unter anderem der Albumtrack „who f**cking cares“, der die Sängerin in einer Downphase einfängt, wie sie wohl jede:r kennt. Lines wie „Am I happy? / Truth is I don’t really know what that means anymore“ oder „Nowadays, I don’t really go outside / I don’t even like the way I look“ gehen tief und erzeugen in Kombination mit der für Lolas Verhältnisse fast schon gebrechlichen Stimme einen besonders verletzlichen Moment.
Zu den offensichtlichen Hits von „I’m Only F**cking Myself“ zählt neben den bereits vorab veröffentlichten Singles wie „D3aler“ oder „One Thing“ vor allem der Albumtrack „Not Like That Anymore“, in dem Lola Young von Drogenkonsum und selbstzerstörerischem Verhalten erzählt.
Bei all den schwerwiegenden Themen stellt sich neben dem offensichtlichen Meisterwerk, das die Sängerin (mal wieder) geschaffen hat, die Frage, wie es Lola Young denn eigentlich geht? In einem rührenden Post erklärt sie: „Ich bin jetzt seit 6 Monaten nüchtern und viel glücklicher. Ich sehe meinen Ex nicht mehr, bin viel weniger wütend und mein Leben ist besser.“
Ungeschönt, wütend und selbstzerstörerisch sind die Worte, die das dritte Album von Lola Young wohl am besten beschreiben. Mit kompromissloser Ehrlichkeit erzählt die Britin von Themen, von denen viele bewusst die Finger lassen – und genau das ist es, was „I’m Only F**cking Myself“ so besonders macht.
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