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Album der Woche: LOTTE findet auf „Lotte“ zu sich selbst

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Bei einem selbstbetitelten Album erwartet man irgendwie immer etwas besonderes. Vor allem wenn es sich um den eigenen Vornamen handelt, muss es persönlich werden. Und genau das ist „Lotte“ von Lotte auch. 

Seit ihrem Debüt „Querfeldein“ von 2017 hat Lotte sich einen festen Platz im deutschsprachigen Pop erspielt. Es folgten „Glück“ und 2022 das sehr persönliche „WORAN HÄLTST DU DICH FEST, WENN ALLES ZERBRICHT?“. Danach aber wollte die deutsche Singer-Songwriterin nicht einfach direkt in den nächsten Album-Tour-Album-Zyklus springen. Nach einer dreijährigen Suche nach einer neuen musikalischen Richtung erfindet sie sich auf ihrem vierten Album neu. 

Lotte: Drei Jahre Pause und die Suche nach sich selbst

Acht Quadratmeter Lagerraum am Rand von Berlin, vollgestellt mit Umzugskartons. Dazwischen steckt praktisch alles, was Lotte besitzt. Eine eigene Wohnung gibt es gerade nicht, stattdessen schläft sie bei Freund:innen, reist von Stadt zu Stadt und versucht herauszufinden, wie ein Leben aussehen könnte, das wirklich zu ihr passt. Der Titel des Albums, wirkt deshalb weniger wie eine klassische Selbstbetitelung sondern als eine Bestandsaufnahme: Wer bin ich eigentlich, wenn ich die Vorstellungen davon loslasse, wie mein Leben und meine Musik aussehen sollten?

Der Weg zum neuen Sound

Der geradlinige Deutschpop früherer Veröffentlichungen rückt in den Hintergrund, stattdessen schweben die zwölf Songs durch psychedelischen Dreampop, warme Gitarren, analoge Sounds und Anklänge an die 60er- und 70er-Jahre, hin und wieder scheint eine verzerrte Gitarre durch. Produziert wurde das Album von Jules Apollinaire, der unter anderem mit Suki Waterhouse und Blossoms gearbeitet hat. Die Aufnahmen entstanden analog in London, wo Lotte während der Sessions teilweise direkt im Studio lebte. 

Thematisch entfernt sich Lotte grundsätzlich nicht all zu weit von ihren bisherigen Werken. Ein Love-Song jagt den nächsten, dazwischen Sehnsucht und ein bisschen Party. Trotzdem wiederholt sie sich nicht, und im Vergleich zu früheren Texten wirken die „Lotte“-Lyrics deutlich frischer, persönlicher und nahbarer.

„double cheesy nachos“ beispielsweise sucht die große Liebe nicht in großen Gesten, sondern ganz bewusst im Alltag. Händchenhalten im Supermarkt, zusammen auf der Couch liegen, im Auto einschlafen oder eben Double-Cheesy-Nachos nach einem harten Tag. Lotte macht aus kleinen, fast beiläufigen Momenten ein ziemlich konkretes Bild von Nähe: „Ich will nicht mehr als das und nichts anderes. / Will deine Hand im Supermarkt, wenn du Schlange stehst.“ Gerade dadurch wirkt der Song besonders persönlich und zeigt, dass Sehnsucht manchmal vor allem bedeutet, den ganz normalen Alltag mit jemandem teilen zu wollen.

In Songs wie „heute hier und morgen weiter“, „wildes Kind“ oder „wenn du tanzen willst“ greift Lotte genau die Themen auf, die auch das Album als ganzes und den Prozess dahinter widerspiegeln: Bewegung, Freiheit und die Möglichkeit, eingefahrene Vorstellungen hinter sich zu lassen.

Obwohl das Album insgesamt sehr erfrischend wirkt, kommt durch den analogen Dreampop-Sound häufig ein nostalgischer Vibe auf. So zum Beispiel im Song „Jenny“. Durch eine zunächst zurückhaltende Gitarre, und ein Arrangement, das zwischen stillen Momenten und breit aufgestellten Instrumentals wechselt, entsteht verbunden mit den atmosphärischen Vocals von Lotte eine ganz besondere, fast melancholische Stimmung. Inhaltlich ist es kein klassischer Love-Song, zumindest kein romantischer. Er dreht sich eher um eine platonische Liebe zu einer Person, und den Wunsch, so zu sein wie sie: „Jenny, Ich will so sein wie du / Ich weiß nicht mal, warum, aber ich find‘ dich gut.“

„Lotte“: Ein Album mit Persönlichkeit

Lotte macht spürbar, dass sie sich weiterentwickelt hat und versucht nicht, einen bisherigen Erfolg zu reproduzieren oder sich möglichst effizient in eine neue Ära zu überführen. Man hört einfach, dass sie hier nicht vorhatte, ein Album voller Radiohits zu schreiben, sondern über längere Zeit hinweg persönliche Erfahrungen und Gefühle in den Songs verarbeitet hat.

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