Album der Woche: MAJAN – Wenn nichts von nichts kommt, woher komm‘ ich dann?
Überraschend, aber wahr: Ein Blick auf Majans offizielle Diskografie zeigt, dass der Schorndorfer inzwischen schon seit sechs Jahren fleißig am Mukke machen ist. 2019 tauchte er zum ersten Mal auf dem von Jugglerz und Killian & Jo produzierten Track „Nie da“ auf. Nur wenige Monate später folgte dann direkt der erste große Meilenstein: Ein gemeinsames Feature mit Cro! Die folgenden Jahre sollten durchzogen von Ups und Downs, von EP-Releases und Sommerhits, der Veröffentlichung seines Debütalbums „Skits“ und unzähligen Kollbos sein. Und obwohl Majan damit bereits auf eine stabile Diskografie zurückblicken kann, steht er mit dem Release seines neuen Albums „Wenn nichts von nichts kommt, woher komm‘ ich dann?“ vor seinem bisher größten Projekt.
Gesamtkunstwerk „Wenn nichts von nichts kommt, woher komm‘ ich dann?“
Schon im Vorfeld war klar: „Wenn nichts von nichts kommt, woher komm‘ ich dann“ ist mehr als ein Album. Es ist eine Art Gesamtkunstwerk, in dem Majan uns mit der Liebe zum Detail einen Einblick in sein Innerstes gewehrt und die Frage beantwortet: „Was war bei ihm eigentlich so los in den letzten Jahren?“
Bereits im Dezember 2024 kündigte der Rapper und Sänger via Instagram an, was uns 2025 erwarten sollte: „Neues Album. Eine Serie. Vier Episoden + die größte Tour meines Lebens.“ Mit dieser vierteiligen (und übrigens auch sehr unterhaltsamen) Soap, die mit jeder Singleauskopplung um eine Folge ergänzt wurde, war Majan dann auch auf seiner ersten kleinen Kino-Tour! Doch was erwartet uns jetzt eigentlich außerhalb des Kino-Sessels?
Mit Majan einmal nach Hause und wieder zurück
Majan spannt auf „Wenn nichts von nichts kommt, woher komm‘ ich dann?“ den Bogen zwischen seiner Heimat Schorndorf und seinem Leben in Berlin. Er lässt die Jahre Revue passieren und besinnt sich darauf, wo er herkommt und was aus ihm geworden ist. Dabei wagt er nicht nur (wie in der Serie beschrieben) eine örtliche Reise zurück in die Heimat, sondern auch eine Reise zurück zu sich selbst.
Einer, der Majan auf einem der eher nachdenklicheren Momenten des Albums unterstützt, ist Trettmann. Er ist neben $oho Bani einer der einzigen beiden Feature-Gäste. In „100.000“ lassen er und Majan ganz besondere Momente ihres Lebens vor dem inneren Auge vorbeiziehen und stellen fest: Die Zeit vergeht wie im Flug. Ein Umstand, dem sich Majan auch in seinem Song „Arm in Arm“ bewusst wird. Es ist ein sehnsuchtsvoller Track über Zusammenhalt und die Vorfreunde auf ein Wiedersehen, den Majan seinen Geschwistern widmet.
Majan glaubt längst nicht mehr an ein Happy End zu zweit 🙁
Doch auch die Liebe kommt auf „Wenn nichts von nichts kommt, woher komm‘ ich dann?“ nicht zu kurz. Doch egal ob auf „Rauchen gehen“, „Atlantik/One More Time“ oder „Die letzte Bahn“: Majan bleibt zumindest auf dieser Platte ein „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ verwehrt – oder wie er es sagt: „Ich glaub längst nicht mehr an ein Happy End zu zweit“ („Die letzte Bahn“).
Konzeptalbum ohne musikalisches Konzept?
Und obwohl „Wenn nichts von nichts kommt, woher komm‘ ich dann?“ inhaltlich in die Kategorie Konzeptalbum passt, hat sich Majan sound- und genretechnisch auf jeden Fall ausgetobt. Epische E-Gitarren („Wenn nichts von nichts kommt“), smoothe R&B Beats („Love Anthem“), Live-Chöre („Woher komm‘ ich dann“), zuckenden Synths („Erfolg ist kein Glück“), verträumte Akkustik-Gitarren („100.000“) und selbst ein Retro-Serien-Intro („Show Theme“) – all das findet neben Majans unverwechselbarer, emotionsgeladener Stimme seinen Platz auf dem Album und sorgt für ein abwechslungsreiches Hörerlebnis. Für das „Nate Dogg Skit“ – benannt nach dem amerikanischen R&B-Sänger – wechselt Majan sogar unerwartet ins Englische.
Umrahmt wird das ganze Album übrigens von den zwei (!) titelgebenden Tracks „Wenn nichts von nichts kommt“ und „Woher komm‘ ich dann“. Auf ganz unterschiedliche Art und Weise blickt Majan in den beiden Tracks auf sein Leben und seine Karriere zurück. Doch trotz Unsicherheiten, Überforderung und Selbstzweifeln, die immer wieder während des Verlaufs des Albums durchblicken, scheint sich Majan seiner Zukunft als Musiker zum Glück weiter sehr sicher zu sein und beendet das Album mit folgenden Zeilen: „Jetzt liegt Geld auf meiner Bank und mein Baby in einem Arm / Doch keinen Grund für Chilln denn diese Reise fängt gerad‘ erst an“ – das wollten wir hören!
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