Album der Woche: Pashanim – 2000
Seitdem Pashanim in den vergangenen Jahren immer wieder mit Single-Erfolgen und spannenden Tapes auf sich aufmerksam machte, war die Vorfreude auf ein mögliches Debütalbum groß. Ohne Zweifel prägte er in den letzten Jahren das Rap- und Pop-Geschehen dieses Landes, setzte mit musikalischen und visuellen Styles neue Standards. Jetzt, fünf Jahre nachdem er mit „Mehringdamm laufen“ seine ersten Schritte machte, ist es endlich so weit. Von einem Debüt zu sprechen, fühlt sich allerdings falsch an, denn Pashanim ist seit dem Beginn seiner Karriere zu einem der wichtigsten Rapper und Tastemaker Deutschlands geworden. Doch von vorn.
„Hier ist man schon früh erwachsen“
Pashanim wird im Jahr 2000 in Berlin geboren. Wer Can ist und wann er zu Pashanim geworden ist, erzählt er im gleichnamigen Song – und das von Anfang an bis heute. Von Ausfahrten mit dem Dreirad in Kreuzberg übers Ticken in der Schule bis hin zu ausverkauften Tourneen. „2000“ ist ein ehrlicher und tiefer Einblick in Pashanims Leben. Zwischen Straße, Musikbranche und Familie.
In eben solchen Songs wie „2000“ wird deutlich, warum Pashanims Debütalbum ein Ereignis ist. Er erzählt Geschichten vom Aufwachsen in Berlin, nur dass es eben keine Geschichten sind, sondern seine Realität – und diese Realität ist und war häufig hart. In Songs wie „Bis hierher liefs noch ganz gut“, „1. Mai“ und „Intro“ erzählt Pashanim von diesen Erfahrungen. Sorgen um Geld, die er als Kind erleben musste, und das Ticken aus Notwendigkeit: „20 Gramm auf Klassenfahrt, ich hab nicht mal geraucht, doch ich wär nicht mal mitgefahren, hätte ich nichts verkauft“. Das alles ist für Pashanim aber nicht nur ein Thema der Vergangenheit. In „1. Mai“ heißt es zum Beispiel: „Kennst du das, wenn du zu Hause kein zu Hause hast / Kennst du das, wenn du vom Blaulicht keine Pause hast“.
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Zwischen Straße und Studio
Die meisten Tracks auf Pashanims Debütalbum ziehen einen Faden von früher bis heute und von den harten Zeiten zum Erfolg. Teure Autos, Scheine und Musik gehören dabei genauso zu Pashas Realität, wie die Härte Berlins. „Damals klingelte mein Nokia A&Rs riefen an / Ich dachte, es wären Kunden und sagte ‚nenn mich am Handy nicht Can‘“, erzählt Pashanim in „Florenz“. Seitdem hat sich viel in seinem Leben geändert. Allem voraus erreicht seine Musik mehrere Millionen Menschen, wofür er sich auf „2000“ auch immer wieder dankbar zeigt. Denn trotz Streamingzahlen und Klicks bleibt Pashanim seinen Leuten und seiner Gegend treu.
Gesellschaftspolitik
Zwischen Highlife und Straßenromantik bringt Pashanim auch immer wieder Themen wie Rassismus, Armut und Migration in seinen Songs unter. Geschickt schafft er es dabei die Waage zu halten. Statt große Parolen zu schwingen, setzt er auf ein oder zwei Zeilen, die dann aber richtig sitzen und weit mehr Einblick in seine persönliche Verbindung zu den Themen bieten, als es stumpfe Parolen je könnten. „Beste Gegend, 61, bei Freund klingeln, kann er raus? Aber immer schlechte Laune, seh’n wir Axel-Springer-Haus“.
Musikalisch treu
Auch wenn viele Songs auf „2000“ schwer wiegen, schafft es Pashanim, die nötige Leichtigkeit für einen Sommerhit auf dem Album unterzubringen, ohne dabei aber die Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit seiner Themen und Erfahrungen zu vernachlässigen. Bei den Beats bleibt Pashanim größtenteils den melodischen Sounds von Stickle treu, es gibt aber auch ein paar Ausnahmen. Auf „2007 Skit“ zeigt er über einem Beat von der Neuköllner Straßenikone Hasan.K, das er auch anders kann.
Das, was Pashanim sich in den letzten paar Jahren aufgebaut hat, zahlt sich jetzt aus. Mit „2000“ etabliert er sich endgültig, als einer von den ganz großen – mit einem eindrucksvollen Debütalbum.
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