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Album der Woche: This Is Lorelei – The Singer in My Band

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Hinter This Is Lorelei steckt Nate Amos, der seit 2012 unter diesem Namen Musik veröffentlicht. Heute lebt der Songwriter in New York und hat über die Jahre Dutzende selbst produzierte Alben und EPs auf Bandcamp hochgeladen. Stilistisch ließ er dabei kaum etwas aus: experimentelle Elektronik, Noise, Indie-Rock, Folk und Country tauchen in seiner Diskografie immer wieder auf. Parallel ist Amos eine Hälfte des Duos Water From Your Eyes, das er gemeinsam mit Rachel Brown gründete und mit dem er sich in den vergangenen Jahren einen Namen im experimentellen Indie-Pop gemacht hat.

This Is Lorelei: Vom DIY-Projekt zum eigenen Sound

This Is Lorelei blieb dagegen lange eher ein Geheimtipp. Das änderte sich spätestens 2024 mit „Box for Buddy, Box for Star“, auf dem seine Musik deutlich direkter und songorientierter wurde. Songs daraus wurden später unter anderem von MJ Lenderman, Hayley Williams, Jeff Tweedy und Cameron Winter gecovert. Nach dem 2025 erschienenen „Holo Boy“ folgt nun mit „The Singer in My Band“ ein Album, das seine Entwicklung vom rastlosen DIY-Musiker zum immer fokussierteren Songwriter besonders deutlich macht und auf dem Amos hörbar immer mehr zu seinem ganz eigenen Sound findet.

„The Singer in My Band“: Geschichten von unterwegs

„The Singer in My Band“ ist eine Art Road-Record: Viele der Ideen entstanden unterwegs, zwischen Konzerten, auf der Rückbank von Vans und an immer neuen Orten. Statt ausschließlich aus der eigenen Perspektive zu erzählen, baut Nate Amos daraus kleine Geschichten und Figuren, in denen sich Erlebtes und Erfundenes vermischen. Das Album führt Namen wie Billy, Sarah oder Buddy ein, die immer wieder in den Texten auftauchen.

Musikalisch hat sich Amos im Vergleich zu früheren This-Is-Lorelei-Veröffentlichungen hörbar weiterentwickelt, kehrt aber gleichzeitig ein Stück weit zu seinen Wurzeln zurück. Verspielte Gitarren, Banjos, warme Harmonien und laufende Basslines rücken Folk, Country und Americana stärker in den Mittelpunkt.

Amos wuchs selbst mit amerikanischer Volksmusik auf, sein Vater Bob Amos ist Musiker und prägte früh sein Verständnis von Melodien und Harmonien. Auf dem Titelsong ist Bob sogar am Banjo zu hören. Statt daraus eine nostalgische Country-Platte zu machen, verbindet Amos diese Einflüsse aber mit seinem eigenen Indie-Pop-Verständnis – und macht „The Singer in My Band“ damit zu seiner bisher wohl geschlossensten Version von This Is Lorelei.

Figuren zwischen Realität und Fiktion

„Billy Came Back“ zeigt, wie Nate Amos auf dem Album mit Figuren arbeitet, die irgendwo zwischen echten Begegnungen und erfundenen Charakteren liegen. Billy ist ein Musiker, auf den offenbar nicht immer Verlass ist – wenn er aber auftaucht und singt, zieht er alle mit. Hinter der kleinen Geschichte steckt damit auch eine größere Idee über Musik: Ein guter Song allein reicht Amos nicht, entscheidend ist die Hingabe, mit der er gespielt wird. Musikalisch verpackt er das in einen treibenden, gleichzeitig leicht melancholischen Americana-Sound, bei dem auch seine Schwester Sarah Amos im Hintergrund zu hören ist.

Im Titelsong wird der Name des Albums dann fast beiläufig erklärt. In „The Singer in My Band“ trifft Amos auf eine Frau, die mit einem Koffer voller Kristalle und einer Pistole unterwegs ist, und die er offenbar für seine Band gewinnen will. Sie lehnt ab und macht ihm sinngemäß klar, dass er selbst singen müsse: „Wish I could love, I’d love to help / But hell, I don’t belong to Texas, you’re gonna have to sing yourself.“ Was zunächst wie eine weitere skurrile Szene aus dem Roadmovie des Albums wirkt, lässt sich auch als Kommentar auf Amos’ eigene Rolle lesen: Nach Jahren, in denen This Is Lorelei vor allem ein Ort für spontane Ideen und musikalische Experimente war, steht er hier plötzlich deutlicher selbst im Mittelpunkt.

„The Singer in My Band“ ist ein Album, auf dem Nate Amos sich als This Is Lorelei weiterentwickelt, zugleich aber auf seine Wurzeln zurückblickt. Zudem zeigt es erneut, dass Amos musikalisch so einiges drauf hat, von Indie über Folk, bis hin zu Country. Sowohl die Art des Storytellings, dem man anmerkt, dass das Album unterwegs entstanden ist, als auch die verspielte Mischung aus Folk, Country und Indie wirken nicht nur eigenständig, sondern machen auch großen Spaß beim Hören.

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