Album der Woche: Tommy Richman – WORLDS APART*
„GOODBYE BEATTY NEVADA“ steht auf dem rostigen Billboard zwischen einsamen Kakteen, weit und breit nichts als Wüste und natürlich der abgefahrene Highway. Jede/jeder Gamer:in ab 2004 wusste spätestens jetzt, wo die Reise hingeht: „SAN ANDREAS“. Im Musikvideo zur Single ploppt jetzt auch die ikonische Geldanzeige auf und Tommy macht im Verlaufe des Tracks seinem Künstler-Nachnamen alle Ehre! Und auch wenn der Track eigentlich als verkapptes Liebeslied daher kommt, verleiten die Dr. Dre-igen Synths, die laidback Drums und der sonnige Flow einfach dazu, die nächste Tanke auszurauben oder mit dem BMX mal bei der Grove Street nach dem Rechten zu sehen.
In der zweite Single „BOTHER ME“ ist dann Konrastprogramm angesagt – zu mindestens visuell. Regengeräusche, Donner … würden wir nicht gleich zu Beginn das Washington Monument sehen, hätte uns hier auch problemlos Dido aus Eminems „Stan“ begrüßen können. Stattdessen gehts für Tommy Richman mit Labelboss Brent Faiyaz an die East Coast. Kurz vor seinem Debütalbum „COYOTE“ war Tommy 2023 bei dessen Independent-Label ISO Supremacy gesigned. Dass die beiden auch kreativ hervorragend zusammen funktionieren, deutete sich schon auf Faiyaz‘ Album „Larger Than Life“ an. Auf „BOTHER ME“ bekommen wir jetzt die nächste Herzschmerz-R&B-Hymne.
Tommy Richman: „Ich bin nicht ausschließlich ein Hip-Hop Künstler.“
Auch die restlichen sechs Songs auf „WORLDS APART*“ scheinen auf Genregrenzen zu verzichten. Egal ob Club-Sound („STUCK IN MY HEAD“), „WEST COAST“ oder feinstem Trap à la Soulja Boy („ACTIN UP“) – Tommy Richman beweist mit dem Tape ein ums andere Mal, warum wir die Mischung aus Hip-Hop, R&B und seiner unverwechselbar souligen Stimme seit „MILLION DOLLAR BABY“ nicht mehr vergessen. Obendrein ist die EP auch ein doppelter Mittelfinger an alle Zweifler, die ihn aufgrund dieses Tweets noch Ende 2024 kritisierten:
„WORLDS APART*“: Von San Andreas bis Vice City
Zum Schluss wäre da noch der Track „MORTAL SCRIFICE“. Während Tommy – zugegeben etwas pathetisch – seiner verflossenen Liebe hinterher jammert, beziehen wir die Lyrics um im Bild zu bleiben einfach mal frech auf die Entwickler:innen im Rockstar-Team: „Can we make it to the finish line (And figure this all out) / I don’t know, anymore (Hey) / And I don’t want to have no patience (Hey) / Can we go back to basics?“. Und während die Arpeggios an den Palmen vorbeisurren und die Synths im Neonlicht flackern, kann man sich fast ein bisschen vorstellen, als fahre man schon durchs neue Vice City.
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