Antje Schomaker gibt Einblicke in das Tourbiz, über die wir nachdenken sollten
Vor gut einer Woche hat Antje Schomaker ihre für Herbst geplante Tour abgesagt. Auf Instagram postete sie, dass man beschlossen habe, „diese Tour nicht zu spielen und die Zeit zu nutzen, um meine neuen Songs fertig zu machen und im nächsten Jahr mit einem neuen Album zurückzukommen.“ Weiter hieß es in der Caption: „Die genauen Gründe möchte ich nicht nennen, um mich und mein Umfeld zu schützen, aber viele andere Künstler*innen sagen gerade ihre Touren und Konzerte aus gesundheitlichen (physisch, aber auch psychisch), strukturellen oder finanziellen Gründen ab, bei mir sieht es ähnlich aus.“ Sie steht mit einer Absage wie dieser alles andere als allein da. Selbst Tocotronic haben ihre „Nie wieder Krieg“-Tour in das nächste Jahr geschoben, weil der Ticketvorverkauf zu mau war, um einigermaßen sicher planen zu können. Auch dem vor allem in England gefeierten Musiker SOHN erging es ähnlich – er musste aus gleichen Gründen seine UK-Tour absagen. Die Ursachen dafür sind natürlich ein bunter Strauß – oder eher ein unangenehm riechender, faulig-schwarzer. Vielen Menschen ist angesichts der Weltlage – Krieg, Energie-Krise, Inflation – nicht unbedingt nach Konzerten zumute, auch die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten dürfte eine große Rolle spielen. Und natürlich hatten viele auch noch den kompletten Kühlschrank oder die halbe Pinnwand voller Tickets von verschobenen Konzerten. Man kann also wirklich niemandem einen Vorwurf machen, wenn Künstler:innen diesen Schritt gehen müssen – auch wenn man als Fan dann erst einmal enttäuscht ist.
„Vielleicht helfen einfach mal ein paar Insights …“
Auch Antje Schomaker erreichte Enttäuschung dieser Art. Und sie hat nun doch die Gründe für die Tourabsage ein wenig genauer genannt. So schrieb sie auf ihrem Instagram-Profil: „Ich bekomme sehr sehr viel Liebe von euch, aber ich dachte, vielleicht helfen einfach mal ein paar Insights, um die Lage der Künstler*innen gerade ein bisschen besser zu verstehen.“ Weiter heißt es: „Ich hab das Gefühl, dass viele von euch nicht wissen, welche Kosten hinter so einem Tourkonzert stecken, deshalb hier mal ein kleiner Einblick: Ein Konzert zu spielen kostet für eine*n Solo-Künstler*in in mittlerer Größe ca. 2000-3000€ denn es müssen Bandmitglieder, Ton & Lichtmensch, Tourmanager*in, Tourbus, Benzin, Hotel und Verpflegung bezahlt werden. Wächst die Crew, wachsen natürlich auch die Kosten! Eine Tour mit 10 Terminen kostet also ca. 30.000€, Offdays (Tage ohne Konzert) & Proben werden auch bezahlt. Wer denkt, dass der gesamte Ticketbetrag an die Künstler*innen geht, liegt leider falsch, die Hälfte geht in den meisten Fällen an die Veranstaltungsstätte, ein paar € Vorverkaufsgebühr gehen an die Ticketplattform, 15-20% an die Booking- Agentur, die für die Bands die Tour bucht. Jetzt werden die oben aufgelisteten Kosten bezahlt, vom Rest der übrig bleibt, bekommt das Management 20% und das, was dann am Ende noch da ist, bekommen die Künstler*innen.“
Ein gutes Konzert ist kein Eskapismus – sondern Selfcare
Es ist richtig und wichtig, dass Künstler:innen so offen die Karten auf den Tisch legen. Was ein mutiger Schritt ist, denn natürlich trifft eine solche Entscheidung den Stolz und das Selbstverständnis einer jeden Künstlerin und eines jeden Künstlers. Aber auch uns sollten diese Informationen zu denken geben: Zwar sieht die Konzertwelt bei Instagram oder bei TikTok manchmal noch ziemlich lebhaft aus und auch die großen Events des Jahres waren häufig ausverkauft – aber gerade die Künstler:innen im Indie-Bereich und vor allem Newcomer:innen haben es gerade nun wirklich nicht leicht. Während der Pandemie war es ihnen nicht möglich zu touren und danach wurden sie in ein immer noch unruhiges Marktfeld geworfen und konkurrierten mit zig verschobenen Konzerten und den Shows der ganz großen Acts, die natürlich auch den Sommer genutzt haben, um endlich mal wieder Geld in die Kassen zu spielen. Auch die zahlreichen Posts zum Thema mentale Gesundheit bzw. Erschöpfung (wir schrieben hier drüber) zeigen sehr deutlich, dass etwas im Argen ist. Natürlich nicht nur bei Künstler:innen – völlig klar. Trotzdem sollten wir als Fans in den nächsten Monaten ein wenig Geduld mitbringen, sollte mal wieder jemand eine Tour verschieben müssen. Und wir sollten vielleicht auch wieder mehr wertschätzen, was wir alle an Musiker:innen wie Antje und alle anderen, die auf unsere Website passieren, haben. Klar, die Welt ist gerade noch ein wenig verrückter und abgefuckter, als sie eh schon war. Aber was hilft da manchmal besser, als mit Gleichgesinnten vor einer Bühne zu stehen, und diese ganze Scheiße für eine Weile zu vergessen? Das ist kein Eskapismus – das ist Selfcare.
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