Apache 207: Mit „Thunfisch und Weinbrand“ erscheint drittes Albumkapitel
Apache 207 bleibt zugleich fortschrittlich und doch nostalgisch. Soundtechnisch schon in der Zukunft des Raps angekommen, setzt er gleichzeitig auf den Charme der 80er – und vereint das Beste aus beiden Welten in seinem „2080ies“ Stil.
Single – bzw. Albumreleases hat Apache 207 durchgespielt und schnell erkannt, dass der Zauber einer neuen Platte durch Streaming so gut wie verflogen ist. Warum also nicht ein Album in vier Häppchen herausbringen und immer genau soviel liefern, dass Fans und Hörer:innen für den Moment befriedigt sind, aber immer noch gespannt auf die nächsten Veröffentlichungen bleiben?
Genau das tut Apache mit seinem neuen Longplayer „2sad2disco“ und released heute das dritte Kapitel des Albums. Wie seine Vorgängertrios um „2sad2disco“ und „Vodka// Lamborghini Doors“ besteht das Bundle auch diesmal aus drei Singles und einem aufwendig gestalteten Musikvideo.
Apache 207 – Thunfisch & Weinbrand
Das Kapitel beginnt mit dem Song „Thunfisch & Weinbrand“, dessen Titel auf die Anfänge und Herkunft des Rappers anspielt, an dem statt Lamborghini und teuren Uhren an manchen Tagen nicht mehr drinn war, als diese beiden Lebensmittel.
Auch das Video, das im Übrigen gemeinsam mit den Clips aus den anderen Kapiteln einen Kurzfilm ergeben wird, spielt auf diese Zeit im Leben von Apache an. Bereits mit dem kurzen Pianoeinspieler des Vorgängers „Vodka“ schlägt die Stimmung im dritten Part von Party in Melancholie um und schildert die Vergangenheit des Rappers: „Ich komm‘ von Thunfisch und Weinbrand / Von Blockjungs verurteilt zum Scheitern / Zu tausend Fans steh’n vor der Einfahrt“
Melancholische Stimmung und Product Placement im dritten Kapitel
Das ist an sich erstmal nicht untypisch, doch wird es hier durch die neue Note der Einsamkeit ergänzt, die Apache 207 aufgrund seines immensen Erfolgs oft fühlt. Besonderes während des Bruchs mitten im Song, wo der stetige Beat kurz für einen Klavierpart weichen muss, gibt der Rapper tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt. Diese wird auch durch die abstrakte Szene im Musikvideo unterstrichen, wo er ganz alleine inmitten von Menschen steht, die aber alle nicht wirklich mit ihm interagieren. Ein guter Geschäftsmann bleibt Apache 207 bei all dem trotzdem: In den letzten Sekunden, in dem ihm eine neue Lederjacke per Drohne geliefert wird, gibt’s ein Product Placement eines Lieferdienstes, das er sich teuer bezahlt haben lassen wird. Was er so abruft, weiß man ja schon aus seinen Adidas-Lines in „Angst“.
Auch die beiden anderen Songs „Rhythm of the Night“ und „Schrei“ sind eher nachdenklich gestimmt. So fängt „Rhythm of the Night“ genau diese Melancholie ein, die man verspürt, wenn die Lichter bereits an und die Party vorbei ist, der Zauber der Nacht und die besondere Verbindung zu einer gerade erst kennengelernten Person aber dafür umso präsenter ist. „Schrei“ hingegen ist auf dem Boden der Realität geblieben und thematisiert den Punkt wenn eine Beziehung nicht mehr zu retten ist und man sich gegenseitig nur noch anschreit, ohne zu verstehen was der:die andere überhaupt will.
Nicht mehr lange bis „2sad2disco“
Nach der Party auf „Vodka“ wird es also im dritten Kapitel um einiges ruhiger, aber dafür nicht weniger Apache 207 – denn der unverkennbar außergewöhnliche Stil des Rappers zieht sich durch die bisherigen Kapitel wie ein roter Faden. Bleibt nur abzuwarten, was der vierte und letzte Part von „2sad2disco“ bringt – aber wenn man den Releaseyrhytmus der vergangenen Kapitel betrachtet, kann es nicht mehr allzu lange dauern.
Bis dahin lohnt es sich vielleicht, die bisherigen Musikvideos noch einmal genauer anzuschauen, denn Apache 207 schreibt geheimnisvoll auf Instagram: „Nur für den, der genau hinsieht wird sich der Kreis am Ende schließen“.
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