DIFFUS

„Keine Angst” von Danger Dan ist ein Antifa-Manifest – das ZDF verbietet den Auftritt

Posted in: News

Die neue Single „Keine Angst“ von Danger Dan lässt sich als ein regelrechtes Antifa-Manifest lesen: Anstatt bei allgemeinen Appellen und vagen antifaschistischen Parolen zu bleiben, skizziert er eine politische Strategie sich lokal und anonym organisieren, Veranstaltungen zu finanzieren, rechte Netzwerke zu recherchieren, Informationen zu sammeln und Neonazis in ihrem gesellschaftlichen Umfeld öffentlich zu machen. Weil er Polizei und Staat nicht als verlässliche Verbündete betrachtet, fordert er zum Selbstschutz und zur Vorbereitung auf direkte Konfrontationen auf. Aus Haltung wird so eine konkrete Handlungsanleitung.

Auf Instagram haben Danger Dan und sein Kreativpartner und Pianist Igor Levit nun kurz vor dem Single-Release auch noch ein Statement gepostet, das es in sich hat: „Immer Ärger mit dem ZDF, dieses Mal haben sie uns ernsthaft rausgeschmissen. Aber der Reihe nach…“.

Danger Dan kritisiert das ZDF

Die Veröffentlichung seiner neusten Single „Keine Angst“ scheint aktuell von einem Konflikt mit dem ZDF überschattet. Passiert sein soll folgendes: Danger Dan wurde kurz vor der Aufzeichnung einer Performance im ZDF ein Auftrittsverbot erteilt. Grund dafür, schreibt er, sei das Veto einer ZDF-Intendanz gewesen. Er teilt außerdem die Vermutung das sich die Verantwortlichen an dem antifaschistischen Lied gestört hätten, das er im Rahmen der Satire-Sendung „Die Anstalt” performen wollte.

Kritisiert wird zudem, dass es nie eine offizielle schriftliche Begründung für die Ausladung gegeben haben soll. Auf Instagram formulieren es Danger Dan und Igor Levit wie folgt: „Das Lied, das wir spielen wollten, lag dem ZDF schon seit Wochen vor, und auch der hauseigene Justiziar hatte unseren Informationen nach schon grünes Licht gegeben. Auch von Seiten der Sendung „Die Anstalt” gab es Proteste gegen unsere Ausladung, sie hatten sogar ihre ganze Sendung umgeschrieben, um das Lied einzuweben und werden in der Ausgabe am kommenden Dienstag darauf eingehen.“

Nicht der erste Konflikt mit dem Sender

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal das Danger Dan und Igor Levit sich in einem Konflikt mit dem ZDF befinden. Schon rund um die Performance seines Songs „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ im Jahr 2021 soll es hinter den Kulissen Ärger mit dem Sender gegeben haben. Danger Dan erwähnt außerdem: „Jan [Böhmermann] hat später in seinem Podcast erzählt, dass es der einzige Moment in seinem Leben war, in dem er jemanden anschreien musste.“

An Danger Dans neuer Single gibt es jedoch ebenfalls Kritik. In einem Spiegel-Interview wird Beispielsweise hinterfragt, ob der Song auch „als eine Anleitung zur Radikalisierung verstanden werden“ kann. Das Statement der beiden Artists wiederum geht in eine ganz andere Richtung: „Es ist ok, nicht bei allem einer Meinung zu sein, auch wir beide haben in unserer Freundschaft manchmal unterschiedliche Ansichten, wir diskutieren und debattieren und nehmen uns dann wieder in den Arm.“ Ihre Hauptkritik richte sich jedoch an den autoritären Eingriff einer ZDF-Intendanz, die „antifaschistisches Liedgut verbietet und eine Begründung verweigert“. Dass über einzelne Zeilen diskutiert wird und das Lied Debatten auslösen könnte, beschreiben sie als gewünscht und Teil der Demokratie.

Kritik an Danger Dan und der Antilopen Gang

Danger Dan ist Rapper und Mitglied des Hip-Hop-Trios Antilopen Gang. Unter seinem eigenen Künstlernamen veröffentlicht er bereits seit 2018 Solo-Projekte. Besonders viel Aufmerksamkeit erlange er für das 2021 veröffentlichte Album „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. Immer wieder wird Danger Dan seitdem für seine klugen Wortspiele und gesellschaftskritischen Texte gefeiert.

Seine klare Haltung gegen Rechts wurde in der jüngeren Vergangenheit jedoch ebenfalls viel diskutiert. In dem im April 2024 veröffentlichten Song „Oktober in Europa“ prangert er als Teil der Antilopen Gang linken Antisemitismus an. Vorgeworfen wurde ihm anschließend unter anderem, dass er die rechtsextreme Regierung in Israel in Schutz nehme und das Leid der Zivilbevölkerung im Gazastreifen ausblende.

Cover neues DIFFUS Magazin

Das neue DIFFUS Print-Magazin

Titelstory: Ikkimel

Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.