Ausstellung „Broken Music Vol. 2“ im Hamburger Bahnhof in Berlin: Auf den Spuren von 70 Jahren Schallplatte in der Kunst
Werbung: Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Hamburger Bahnhof Berlin entstanden.
In den frühen 1980er-Jahren eröffnete Ursula Block ihren Plattenladen „Gelbe Musik“ in Berlin-Wilmersdorf und wurde damit zur Vinyl-Koryphäe. Ihr Geschäft war so bekannt, dass es von Stars wie Yoko Ono, John Cage oder Björk aufgesucht wurde. Mit einer von ihr sorgfältig kuratierten Auswahl eröffnete die West-Berlinerin 1989 eine Ausstellung, die Kunst und Musik zusammenbrachte: „Broken Music. Artists‘ Recordworks“. Diese Show zwischen Kunst und Musik aus der Blütezeit der Schallplatte bildet nun den Ausgangspunkt für eine Fortsetzung. Im Hamburger Bahnhof in Berlin ist bis 14. Mai 2023 die zweite Ausgabe als „Broken Music Vol. 2“ zu sehen.

Die aktuelle Ausstellung fasst die letzten 70 Jahre der Schallplatte zusammen und regt gleichzeitig verschiedene Sinne an. Denn „Broken Music Vol. 2“ verbindet kunstvolle Bildgestaltungen als Coverartworks mit Klanginstallationen und Videos und erzählt so die Geschichte der Vinylscheibe aus der Perspektive der Kunst. Mit einer Auswahl von rund 700 Schallplatten verkörpert die Ausstellung in zehn Kapiteln die Wechselwirkung zwischen Klang und Bild. In einem kostenlosen Audioguide sind zudem 90 Beispiele zu hören.
Ikonische Cover bis zeitgenössische Kunst
Ende der 1940er-Jahre kam in den USA die Schallplatte aus Vinyl auf den Markt. Ihr Vorteile: Mehr Musik pro Seite und eine bessere Haltbarkeit. Künstler:innen erkannten früh die kreativen Möglichkeiten der Schallplatte und verwandelten sie in ein künstlerisches Objekt: Sie entwarfen Hüllen für Plattenfirmen und dokumentierten in den Rillen der Schallplatten den Sound ihrer Kompositionen, Performances, Lesungen und Installationen. Dabei verstanden sie den akustischen Inhalt und das visuelle Erscheinungsbild meist als Einheit. Entsprechend zeichnet „Broken Music Vol. 2“ die Entwicklung der Schallplatte als Medium der Kunst von der Nachkriegszeit bis heute nach und stellt Verbindungslinien her zum Feld der Musik in Komposition und Improvisation, Pop, Punk und Club.


Dabei werden natürlich ikonische Cover zu sehen sein – unter anderem von Andy Warhol, der mit seiner Pop-Art Banane das Plattencover von The Velvet Underground & Nico zierte. Auch Barbara Kruger ist vertreten, deren Kunst vor allem im Feminismus oder in der Konsumkritik starke Beachtung fand und die mit ihren Schriftzügen auf dem Albumcover von Consolidated Platz nahm. Die Noise-Rock-Band „Sonic Youth“ beauftragte regelmäßig Künstler:innen für ihre Cover. Jean-Michel Basquiat produzierte mit „Beat Bop“ eine der großartigsten Rap-Platten, zu der er außerdem die Hülle entwarf. Doch da die vergangenen 70 Jahre so einiges an kulturell prägenden Artworks zu bieten hatten, sind dies nicht die einzigen großen Namen, die hier gefunden werden können. All diese eindrucksvollen Cover-Bilder werden in den Rieck-Hallen mit raumfüllenden Soundinstallationen von Künstler:innen wie Christina Kubisch und Susan Philipsz verbunden. In ihrer Arbeit „Opera (QM. 15)“ lässt Dominique Gonzalez-Foerster Operndiva Maria Callas als holografische Illusion auferstehen.


Fortsetzung und Ergänzung zugleich
„Broken Music Vol. 2“ ist dabei nicht nur metaphorisch eine Fortsetzung von Ursula Blocks erster Ausstellung. Denn die 700 gezeigten Schallplatten stammen aus der Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof. 2019 gelang es dieser, einen erstaunlichen Bestand von Ursula Blocks Vinylscheiben zu erwerben. Diese wurden durch umfangreiche Schenkungen und weitere Unterstützungen ergänzt und ausgebaut, um die Kunstgeschichte des Vinyls bis heute erzählen zu können.
Sorgfältige Kuration
Kuratiert wurde die Ausstellung von Sven Beckstette und Ingrid Buschmann, die als wissenschaftliche Mitarbeitende am Hamburger Bahnhof tätig sind. Der Parcours der Platte wird durch Hörinseln, ein DJ-Pult von Carsten Nicolai und andere Ideen geöffnet und mit Blicken auf Nischen-Genres und der Entwicklung verschiedener Musikszenen und Subkulturen verwoben. So dürften alle Altersgruppen etwas für sich in „Broken Music Vol. 2“ entdecken – und das nicht nur durch die Ausstellungsstücke selbst. Es gibt Führungen und Angebote für jüngere Altersklassen. Kinder können mit Familien in einem Workshop Cover gestalten, Jugendliche bis 18 Jahre an einem DJ-Workshop teilnehmen. Im April und Mai finden zudem Konzerte statt.

(Un)Broken Music
Dabei ist die Ausstellung „Broken Music Vol. 2“ nicht nur eine Erinnerung daran, was die Vinylplatte einmal war. Denn als Massenmedium, das ermöglichte, längere Tonspuren wiederzugeben, ist es robust wie kein zweites. In der Zeit des Digitalen scheint die Schallplatte bereits untergegangen und von Streamingdiensten wie Spotify und Co. verdrängt worden zu sein. Sieht man jedoch etwas genauer hin, ist die Zeitlosigkeit der Tonträger erkennbar. Denn mittlerweile ist die gepresste Kunststoffscheibe zu einem Sammler:innenstück in den Regalen aller Musikliebhaber:innen geworden. So wirkt „Broken Music Vol. 2“ als Hommage an alle Vinyl-Enthusiast:innen und Artists, die den schwarzen Platten nach wie vor buntes Leben einhauchen.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.