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 Blau weißer Carlo, Newcomer aus Hanau & Metalszene

Posted in: Newsletter

Hallo zusammen!

Der letzte Newsletter vor den Weihnachtstagen und wir fragen uns: Wo ist denn eigentlich das Jahr geblieben? Irgendwie ist man ja doch wieder nur so durchgerauscht, hat sich durch den grauen JanuarFebruarMärz gequält, freute sich über das erste Draußen-Bier vor dem Späti, ist mit Anlauf in die Festivalsaison gesprungen, wurde kurz nach dem Reeperbahn Festival erschöpft wieder ins Büro gespuckt, ist mit letzter Kraft in den wilden Konzertherbst getaumelt und hing dann schon wieder am Weihnachtswunschzettel und den Jahresbestenlisten. Aber jetzt kommen ja endlich jene Tage, in denen man „zwischen den Jahren“ hängt und das alles ein wenig sortieren kann. 

Wir wissen aber natürlich auch, dass Weihnachten für einige mit Familienstreit, Einsamkeit und eher dunklen Phasen verbunden ist – euch wünschen wir viel Kraft und beste Freund:innen auf Standby, die zur Hilfe eilen, wenn es zu dark wird. Und wenn es ganz dark wird, ist die Telefonseelsorge unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 für euch da. 

Weihnachten ist auch die Zeit, in der uns alle Jahre wieder diverse Künstler:innen Christmas-Singles oder gar Alben schenken. Vieles davon ist ehrlicherweise kommerzielle, lieblose Grütze – ein letzter Money-Grab mit schlechten Cover-Versionen. Aber es gibt immer wieder erfreuliche Ausnahmen von Künstler:innen, die Weihnachten entweder lieben oder ein wenig hassen und das gerne teilen wollen. Da wir in diesem Newsletter-Intro sonst oft auf die Beschissenheit der Dinge in der Welt und im Musikbusiness schauen und bisweilen bissig und/oder griesgrämig wirken, wollen wir uns heute mal ganz dem Christmas Mood hingeben und euch einfach fünf tolle Weihnachtslieder empfehlen. 

In diesem Sinne: Frohes Fest und besinnliche Tage! 

Sophie Powers aka Pixl Girl – „Happy F**king Holidays“

Die junge Kanadierin Sophie Powers trollte vor einigen Monaten die TV-Show „America’s Got Talent“ auf sehr lustige Weise. Aber auch abseits davon ist sie extrem spannend: Irgendwo zwischen Hyper-Pop, Electro und einer spürbaren Liebe zum K-Pop, sind ihre Songs wahlweise bunte oder pechschwarze Ausbrüche. Das gilt auch für dieses Lied, das sie unter ihrem Hyper-Pop-Alter-Ego Pixl Girl veröffentlicht und als Santa-Diss-Track ankündigt. Ihr Fazit zur Weihnachtszeit: „New year, same shit. It’s the most wonderful time … no it isn’t … it’s the time your bank account is still empty, like your soul is empty … and everyone is so fucking … happy.“ We can relate!

Slow Club – „Christmas TV“

Ein Indie-Classic der späten Nullerjahre: Das britische Duo hat 2009 die tolle EP „Christmas, Thanks For Nothing“ veröffentlicht. Bester Song darauf: „Christmas TV“, ein Duett über ein verliebtes Pärchen, das sich zu Weinachten nicht trennen will und sich vorstellt, gemeinsam verliebt und verträumt Weihnachtsfilme im TV zu sehen. Heute würde man vermutlich auf dem Laptop netflixen, aber hey, die Emotionen dabei sind ja (hoffentlich) die gleichen. Sängerin Rebecca Lucy Taylor ist übrigens seit einigen Jahren unter dem Namen Self Esteem unterwegs und spielt fantastischen, feministischen, angriffslustigen, bewegenden UK-Indie-Soul. 

Girl in Red – „two queens in a king sized bed“

Wir bleiben verliebt im Bett: Die schwedische Sängerin und Songwriterin hat 2020 das vielleicht schönste queere Liebeslied der Weihnachtszeit geschrieben. Kein Wunder, dass es in der queeren Community beinahe kultisch verehrt wird. Völlig zurecht, bei Zeilen wie diesen: „I don’t have a lot to give / But I would give you everything / All my time is yours to spend / Let me wrap you in with my skin / With my skin / Oh / Two queens in a king-sized bed / Like angels in the snow / My only wish is one more year / And then I want them all.“ 

6euroneunzig – „Hoe Hoe Hoe“

Cunty Christmas feiert man am besten mit 6euroneunzig. Und was braucht es dafür? Richtig: Sternchen auf dem Tanga, Weihnachtsbunnys und Knechte, die für Kat und Nina tanzen! All das haben die „2 Bitches auf dem Weg zur Party“ mitgebracht und in einem Weihnachtssong verpackt, der konservativen Weihnachtsgrinches übel bekommen wird. In gewohnter 6euroneunzig-Manier werden in „Hoe Hoe Hoe“ nämlich die GenZ-FLINTAs laut und machen dieses Weihnachten zu einer selbstermächtigten Eskapismus-Utopie der anderen Art. 

Oehl – „Erwin allein zu Haus“

Der österreichische Songwriter Ariel Oehl hat uns in diesem Jahr mit „Dunkle Magie“ eine Platte beschert, die auch in Zukunft in den Kanon der gelungenen Weihnachtsalben gehört. 13 Songs sind drauf – und keine Ausfälle. Am besten gefällt uns das Instrumental-Stück „Merry Christmas Mr. Sakamoto“ – eine Verneigung vor dem 2023 verstorbenen Pianisten und Komponisten Ryūichi Sakamoto und dessen Lied „Merry Christmas Mr. Lawrence“, das er für den Soundtrack des Films gleichen Namens geschrieben hatte (in dem übrigens David Bowie eine Rolle spielt).

Top-Thema: SIERRA VEINS im Interview über ihr neues Album „In the Name of Blood“, Identität und Metal-Szene

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„Reconnect with myself“ – so könnte man das neue Album von Sierra Veins „In the Name of Blood“ verstehen. Wie viele Künstler:innen hat auch Sierra Veins in der Vergangenheit Musik unter einem anderen Namen veröffentlicht. Aber für die Musikerin aus Frankreich sollte ihr neuer Name mehr aussagen als einfach nur ein cooles Pseudonym zu sein. Auf dem neuen Album findet sie in gewisser Weise zu sich selbst zurück oder entdeckt einen neuen Ausdruck für sich selbst und ihre Kunst. Schon auf dem Vorgängeralbum „A Story Of Anger“ setzte sich Sierra mit starken Gefühlen auseinander. Im Interview erzählt sie außerdem, dass auch für die neue Platte viele düstere Emotionen der Antrieb waren. „Celebrating the darkness“, sei ihr Motto, erzählt sie im Gespräch und erklärt zudem, welche anderen Musiker:innen sie in ihrem Schaffen inspirieren.

Unsere Lieblingssongs in dieser Woche

Es kamen natürlich nicht nur Weihnachtslieder: Schwer begeistert haben uns zum Beispiel Yung Pepps Coming-of-Age-Ballade „Spiderman“ und Newcomerin Juno030, die auf dem Titeltrack ihres Debüts „Liebe und Geld“zwischen smoothem Gesang und Rap changiert. Sänger Jonny Mahoro sagte musikalisch „Danke“ für ein gutes Jahr mit guten Menschen und Suzan Köcher’s Suprafon beschert uns ein psychedelisches, schwebend-schönes „Space Christmas“. Last but not least freuen wir uns über die neue EP des Schweizer Indie-Songwriters und -Sängers Benjamin Amarua – vor allem das epische EP-Intro „1234“ hat es uns übel angetan. 

Album der Woche: Zah1de – Pretty Privilege

„Pretty Privilege“ meint die unbewussten Vorteile und Privilegien, die gesellschaftlich als attraktiv wahrgenommen werden. Oder das erste Album von Zah1de! Auch wenn der Albumtitel natürlich direkt Assoziationen zu dem Phänomen weckt, macht die Rapperin auf ihrer ersten Platte aber deutlich: „Das ist Hustle und kein Pretty Privilege“! Während Zah1de dieses Jahr schon viel Musik veröffentlicht hat, zuletzt ihren „Labubu Freestyle“, gibt es nun den ersten Longplayer der jungen Musikerin. Seit 2024 flutet Zah1de immer wieder die sozialen Netzwerke. Ob mit „Mona Lisa Motion“ oder „Zahide Did It Better“ – sie liefert Musik, die so frisch und eingängig ist, wie man es von einer 15-Jährigen wahrscheinlich auch erwarten würde. Seit ihrem ersten Track „TikTok sportlich“ hat Zah1de eine Entwicklung durchgemacht und zeigt auf ihrem Debüt, wie sie in ihren Sound gewachsen ist. Und sportlich dürfte hier auch genau das passende Wort sein, denn nach nicht mal einem Jahr im Game schon ein Album zu droppen, ist sportlich. Es ist aber auch selbstbewusst und zeigt eine uneingeschüchterte weibliche Newcomerin in einer umkämpften Branche. Auf „Pretty Privilege“ vermittelt sie nun auf harten Beats ihre ehrliche Direktheit. Mit Punchlines, die wir schon von den Vorgängersingles kennen, nimmt Zah1de kein Blatt vor den Mund und räumt sich ihren Platz im Rap-Game frei.

Short der Woche: Eko Fresh reagiert auf Kool Savas Beef

@Eko Fresh schaut ein letztes Mal auf den legendären Beef mit @Kool Savas zurück.

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