Brachialer Indie-Gitarrenrock: Pictures veröffentlichen neues Album „It’s OK“
Auch wenn der Titel des neuen Pictures-Album genau das verspricht: Die Dinge sind gerade alles andere als okay. Das weiß auch die Indie-Rock Band Pictures und veröffentlicht ein Album, dass seine Hörer:innen in eine ganz eigene, intensive Welt entführt.
Nach den Alben „Promise“(2017) und „Hysteria“ (2018) wurde die Band zurecht für ihren internationalen Sound gefeiert und ins Britpop-Genre gepackt. Die vorausgegangen Single-Auskopplungen haben aber schon erahnen lassen, dass „It´s OK“ eher in eine andere, intensivere Richtung gehen könnte. Nun – mit Veröffentlichung des Werks – bestätigt sich die Vermutung, denn der Longplayer kommt mit Fokus auf lauter Gitarrenmusik überaus brachial und krachend daher – Indie-Rock at it‘s best.
Pictures – Rockets
Eine Sache bleibt aber gleich: Der zeitlose Sound. Bereits zu Union Youth-Zeiten – so das Vorgängerprojekt von Pictures – haben die Musiker sich nicht an aktuellen Trends orientiert, sondern einfach gemacht, was sich in ihren Ohren gut anhört, auch wenn sie damit „komplett out“ sind, wie sie selbst sagen. Der organische Indie-Rock der Band baut von der ersten Sekunde an auf einem soliden Gitarrenfundament Spannung auf und kommt wuchtig und facettenreich daher. Der Sound ist klassisch, ohne alt zu wirken, modern, ohne sich anzubiedern – und damit wirklich etwas Besonderes.
Live-Orientierung in der Produktion
Wie dieser Sound gelingt? Indem die Musiker nur tun, worauf sie Lust haben und ihrer rohen Leidenschaft nachgehen. Diese hat sie im Falle von „It´s OK“ zu einer Veränderung im Produktionsprozess gebracht, die durch Einsatz eines externen Produzenten möglich machte, dass sich Maze Exler, Ole Fried, Markus Krieg und Michael Borwitzky beim Live-Einspielen der Tracks, einzig auf ihre Musik konzentrieren konnten.
Während besonders die Vorab-Auskopplungen „Repeater“ und „Rockets“ noch groß, verschwenderisch und sehnsuchtsvoll-melancholisch eine Achterbahn der Gefühle darstellten, ist der Großteil des Albums auf dem Boden der Tatsachen angekommen – und dort klingt es in Songs wie „Mobile“ und „Purple Walls“ rotzig, intensiv und vollkommen unprätentiös.
„Drifting“ und „Shivers“ sind die ruhigen Tracks auf „It´s OK“ und zeigen, dass Pictures auch melancholisch den Gedanken nachhängen können. Besonders letzterer wird aber von im besten Sinne irritierenden, wabernden Gitarren aufgebrochen, die dem eigentlich harmonischen Song einen besonderen Beigeschmack verleihen.
„It´s OK“ liefert Pictures in Reinform und zeigt eine neue Seite der Band ohne sich von den Wurzeln deren Sound abzuwenden – das Warten hat sich gelohnt.
Hört hier rein in das ganze Album:
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