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Ungefiltert und unaufhaltsam: Capital Bra veröffentlicht neue Songs am Fließband und kennt keine Limits

Posted in: Features

Fünf Alben in drei Jahren klingen schon, unabhängig vom Erfolg, nach einer ordentlichen Hausnummer. Aber wenn man sich auf der Zunge zergehen lässt, wie viele Erfolge und Rekorde Capital Bra in diesen drei Jahren schon gefeiert hat, dann kommt man aus dem Staunen wirklich nicht mehr raus. Dieses Jahr hat er die Alben „Berlin lebt“ und „Allein“ veröffentlich, einen nie da gewesenen vierwöchigen #1 Charterfolg-Wahnsinn hingelegt und den vermutlich unerwartetsten Labeldeal bei Ersguterjunge unterschrieben. Doch woher kommt dieser unglaubliche Erfolg?

Joker Bra – Lecker Lecker

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Abgesehen davon, dass er knapp jede zweite Woche die „Modus Mio“-Playlist anführt und mit 2,4 Millionen Follower der Influencer-König von Instagram ist, besticht Capital Bra vor allem mit seiner Unberechenbarkeit. Während EGJ-Promopläne früher klar getaktet und fein durchkalkuliert waren, wirkt Capi von sämtlichen Regel- und Ablaufketten befreit und lässt seine Songs in höchster Frequenz auf seine Fans los. Mit Joker Bra hat sich Capital ein noch verrückteres Alter-Ego samt eigenem Youtube-Kanal geschaffen, auf dem seit November schon elf Videos erschienen sind, von denen so ziemlich alle siebenstellige Klickzahlen erreicht haben.

Capital Bra – Ach Patrick Ach

https://youtu.be/IIm8SpwWXK4

Die Songs scheinen alle reflexartig und aus einer Laune heraus entstanden zu sein. Bestes Beispiel: „Ach Patrick Ach“, ein aus der Hüfte geschossener Diss gegen Fler, welcher Capi zuvor in einem Interview eigentlich gelobt hatte. Das Video sieht so aus wie der Song klingt: offenbar in einer Nacht produziert und ohne große Umschweife hochgeladen. Mit seinem Charakter Joker Bra bewahrt sich Capital Bra seine jugendliche Experimentierfreudigkeit, die bei so großem Erfolg häufig schnell verloren geht. Er probiert neue Sounds, neue Rap-Patterns, neue Themen und neue Sprachen und scheffelt dabei mehr Klicks als so manch etablierter Rap-Veteran.

Natürlich stellt sich die Frage ob das alles mit rechten Dingen zugeht. Kritische Zungen behaupten im Klick-Like Verhältnis gewisse Ungereimtheiten zu erkennen, die auf gekaufte Zahlen hindeuten. Nachvollziehbare Skepsis, die vor allem für eingesessene Szene-Leute eine logische Begründung für die Klick-Explosionskette ist. Die Szene-Leute dürfen allerdings auch nicht vergessen, dass sich die Zeiten und Vorgänge verändert haben, mittlerweile sind Quantität und Qualität aus wirtschaftlicher Perspektive mindestens gleichzusetzen. Während früher Alben bis ins letzte Detail ausproduziert wurden, um bloß nicht als Hobby- oder Amateurmusiker geoutet zu werden, gilt es heute, die Algorithmen von Spotify, Youtube, Instagram und Co. zu füttern und möglichst viel Traffic mit seinem Content zu erzeugen.

Capital Bra – Benzema

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Und genau das macht Capital Bra wie kein anderer. Man kann von seinen Experimenten halten was man will, aber bei niemandem polarisieren die Songs so wie bei ihm. Natürlich liegt das auch an seiner absurden Schock-Performance, die einvielleicht die Frage nach einem möglichen Drogenproblem aufkommen lassen. Ob Inszenierung oder tatsächliches Problem, sein Team und er haben jedenfalls den Zeitgeist der Veröffentlichung verstanden und sind im Begriff ihn neu zu formen. Ob er diese maschinenpistolenartige Output-Frequenz bis zu seinem angekündigten 6. Album „CB6“ durchhalten könnte ist keine Frage, ob seine Fans bis dahin nicht übersättigt sind, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

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