Caroline: Viele Köche veredeln den Brei
Bands mit drei, vier oder fünf Mitgliedern gibt es wie Sand am Meer. Doch wie sieht es aus, wenn sich gleich acht Personen auf einmal den Platz auf der Bühne teilen müssen? Könnte voll werden. Und wenn sie dann noch ein paar „untypische“ Instrumente mit dabeihaben, dann wirkt es fast so, als hätten wir ein seltenes Einhorn unter den einschlägigen Bands gefunden. Caroline ist genauso ein Kollektiv aus begeisterten Musiker:innen, denen Mainstream und langweiliges „Das macht man halt sonst auch so“-Gerede nichts bedeutet.
Über einem Pub im Süden Londons
Während einer losgelösten Jam-Session – frei von Plänen und Visionen in Hinblick auf eine Zukunft als professionelle Band – legen Casper, Jasper und Mike 2017 im Proberaum über einem Süd-Londoner Pub den Grundstein für Caroline. Doch erst knapp fünf Jahre später finalisieren sie die Idee für „Dark blue“, ihre Debüt-Single, die dann im März 2020 erscheint und die Gruppe (mittlerweile zu viert) im Bereich Alternative-Folk verortet.
Mike O’Malley, der für die elektrischen Gitarren-Sounds und die zurückhaltenden Vocals zuständig ist, erinnert sich noch daran, wie die Band zu dieser Zeit langsam anfängt, zu wachsen: „Sobald ‚Dark blue‘ strukturierter wurde, dachten wir, dass ein paar schräge Geigen gut wären.“ Und so wird Violinist und Bassist Oliver Hamilton kurzerhand zum vierten Bandmitglied von Caroline.
Caroline – Dark blue
Lange dauert es nicht, bis auch die restlichen Mitglieder der aktuellen Besetzung ihren Weg zu Caroline finden und so besteht das gesamte Band-Line-up aktuell zusammen mit Freddy an Trompete und Bass, Magdalena als weitere Violinistin, Percussionist Hugh Aynsley und Alex McKenzie an Flöte, Klarinette und Saxophone aus insgesamt acht Leuten.
Viele Köche verderben den Brei – oder auch nicht?
Acht Menschen, acht Persönlichkeiten und acht verschiedene Musikgeschmäcker – wie soll man das alles unter einen Hut bringen? Klingt nach einer Herausforderung, denn dem Sprichwort nach zu urteilen, verderben viele Köche ja bekanntlich den Brei. Doch bei Caroline triff dieses Klischee in keinem Fall zu. Erst die Kollision der unterschiedlichen, musikalischen Einflüsse aus Midwestern Emo, Appalachen-Folk, minimalistischer Klassik und experimentellen, elektronischen Sounds machen die Songs der Gruppe einzigartig. In diesem Fall müsste es also eher heißen: Viele Köche veredeln den Brei.
Caroline – Good mornig (red)
Einzigartig und ungewöhnlich, denn ihr Output ist nichts für Mainstream-geprägte Ohren von Glitzer-Pop- oder Straßen-Rap-Hörer:innen. Und selbst Indie-Freunde sollten sich bei Song wie „Good morning (red)“ oder „Skydiving onto the library roof“ mal eine ruhige Minute Zeit nehmen. Diese vielfältige, analoge Instrumentierung inklusive Geige, Trompete und Klarinette ist unser von elektronischen Produktionen geprägtes Ohr ja fast gar nicht mehr gewöhnt – von den fünf bis sieben Minuten langen Laufzeiten der Songs ganz zu schweigen. Doch genau in dieser Abkehr vom Mainstream, in dem Auflösen von Song-Strukturen und dem „Einfach-Passieren-Lassen“ steckt die Magie von Caroline.
Am 25. Februar 2022 wird dann endlich ihr selbstbetiteltes Debütalbum via Rough Trade Records erscheinen, auf dem Caroline ihr Talent dann noch ein wenig ausufernder darstellen können.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.