Clipse vs. Jackboys: Alles, was ihr zum Beef wissen müsst
Letzten Freitag wurden wir mit den neuen Releases von Clipse und den Jackboys Zeuge vom Kobe-Rind unter allen Rap-Beefs: Zwei Streitparteien veröffentlichen ihre Albumprojekte am selben Tag und lassen auch ein Stück weit an Verkaufszahlen messen, wer den Größeren hat? Das bislang populärste Beispiel aus der Vergangenheit für diese Art von „Wettbewerb“ dürfte Kanye Wests „Graduation“ – damals noch Newcomer – gegen 50 Cents „Curtis“ gewesen sein. Letzterer drohte, mit dem Rappen aufzuhören, wenn sich sein Album schlechter verkaufe. 50 Cent wurde verheerend geschlagen, ließ sich aber trotzdem den Mund nicht verbieten.
Die Streithähne: Clipse und Jackboys
In der linken Ecke haben wir Team Oldschool: Clipse. Entdeckt durch Pharrell Williams formten sich Gene „No Malice“ Thornton und Terrence „Pusha T“ Thornton bereits 1992. Bis 2009 veröffentlichten sie insgesamt drei Studioalben, darunter auch das hochgelobte „Hell Hath No Fury“, welches zu den einflussreichsten Rap-Platten der 2000er zählt. 2009 verließ Malice das Duo, um sich nicht mehr dem „Coke Rap“, sondern seinem Glauben zuzuwenden. Pusha T und Malice – fortan als No Malice – machten weiter solo Karriere. Über 15 Jahre schwiegen die beiden. Eine Reunion stand jedoch aufgrund von Features auf Kanye Wests „JESUS IS KING“ und Nigos „I know NIGO!“ immer mal wieder im Raum. Vergangenen Freitag erschien das hoch gehandelte Comeback-Album „Let God Sort Em Out“, produziert von Pharrell Williams und mit Gastbeiträgen von Kendrick Lamar, Nas, Tyler, the Creator und John Legend.
In der rechten Ecke versammelt sich Team Newschool: Jackboys. Im Dunstkreis von Cactus Jack Records formierte sich die Crew 2019 um Travis Scott. Die Vision der Formation besteht vor allem im Branding: Nachwuchstalente wie Don Toliver und Sheck Wes auf großer Bühne fördern. Die Idee fruchtete und das erste Tape „Jackboys“ chartete mit Features von Rosalía, Young Thug und dem mittlerweile verstorbenen Pop Smoke als erstes Nummer-1-Album der 2020er Jahre. Sechs Jahre später erscheint mit „Jackboys 2“ die Fortsetzung der Travis-Saga, mit Support von Größen wie Playboi Carti, Kodak Black, Tyla und 21 Savage.
Alles dreht sich um Drake
Wir schreiben den Juni 2023. Während Clipse gerade munter in Paris mit Pharrell Williams am Comeback werkeln, schneit Travis Scott herein, um Pharrell sein kommendes Album „UTOPIA“ vorzuspielen. Den Drake-Part auf dem Song „Meltdown“ lässt er aber bewusst weg, schließlich sind weder Pharrell noch Pusha T gut auf den Kanadier zu sprechen, welcher später noch auf „Meltdown“ behaupten wird: „I melt down the chains that I bought from yo’ boss“. Gemeint sind hier vier custom-made Schmuckstücke von Pharrell, welche Drake 2022 auf einer Auktion erstand – unter anderem das legendäre N.E.R.D Pendant.
Dass Pusha T und Drake in diesem Leben keine Freunde mehr werden, wissen wir schon seit Jahrzehnten. Der Ursprung liegt noch in Clipse / Young Money Zeiten. Es folgte ein langjähriger Schlagabtausch auf diversen Tracks, der 2018 im Song „The Story of Adidon“ gipfelte. Auf dem Beat von Jay-Zs „The Story of O.J.“ enthüllte Pusha T, dass Drake einen geheimen Sohn mit einer französischen Künstlerin und ehemaligen Pornodarstellerin Sophie Brussaux hat. Danach war Kalter Krieg angesagt, jedenfalls bis zum besagtem „Meltdown“-Diss.
Es wird wieder Beef gegrillt
Die umjubelte Lead-Single „Ace Trumpets“ brachte nicht nur Clipse, sondern auch die Spekulationen einer Beef-Fortsetzung zurück. Vorerst bekam aber nur Kanye West – mittlerweile „Ye“ – sein Fett weg, der als ehemaliger Wegbegleiter Pusha Ts in den letzten Jahren genug Angriffsfläche bot. Als Travis Scott das „Jackboys 2“ auf denselben Releastag wie Clipses „Lee God Sort Em Out“ datierte, wussten auch die Letzten, dass neues Fleisch auf dem Grill landet.
Clipse wählte von ihren 13 neuen Tracks „So Be It“ als Beefbote aus: „You cried in front of me, you died in front of me / Calabasas took your b*tch and your pride from under me“. In nur zwei Zeilen verteilt Pusha T gleich eine Reihe von Schlägen in Travis’ Magengrube: Das Aus mit Ex Kylie Jenner, die entwürdigende Utopia-Listening-Session und natürlich das gängige Sujet „echte Rapper weinen nicht“. Es folgen weitere Kylie-Referenzen und dass sich Travis glücklich schätzen könne, dass all das nicht schon zuvor beim Boulevardblatt TMZ gelandet sei. „So Be It“ – Pusha T gibt sich resigniert. Anders sah es in begleitenden Interviews zum Album-Rollout aus, in denen er Travis Scott als „Mitläufer“, „Industry Plant“ bis „w*ore“ beschimpfte.
Auf „Jackboys 2“ wird indes deutlich subtiler gegrillt. Auf dem Opening-Track „Champain & Vacay“ mit Don Toliver und Waka Flocka Flame rappt Travis: „Blue Bugatti, I’m dodgin’ TMZ / Made a hundred off pushin’ T’s / Now my phone on DND“. Travis kannte augenscheinlich „So Be It“ also schon vorher. Die Antwort erscheint hinsichtlich der Vorbereitungszeit jedoch nicht gerade als Leberhaken. Als eigentliche Gewinner:innen geht jedenfalls TMZ mit ordentlich Gratis-Promo aus dem Ring.
Oldschool oder Newschool: Wer hat die Nase vorn? Momentan die Jackboys.
In den US-Album-Charts liegen Jackboys aktuell (Stand: 16.07.2025) auf Platz 1 mit 253.000 Einheiten deutlich vor den 90.000 von Clipse. Auf Platz 2 landet übrigens Justin Biebers „SWAG“, der sich auch indirekt einmischte, indem er eine Story von DJ Kerwin Frost teilte, der das Clipse-Album für „erwachsene Männer, die Kaws-Puppen sammeln“ ausrief. Die Neuinterpretation der Micky Maus von Künstler KAWS findet sich auch auf dem Clipse-Album-Cover.
Die musikalischen Highlights auf „Let God Sort Em Out“ und „Jackboys 2“
Dass sich Relevanz nicht ausschließlich in Zahlen misst, sollte jedem klar sein. Und auch fernab des Beefs liefern beide Platten Banger ab. So sollte man sich im Team Clipse vor allem die Feature-Songs „Chains & Whips“ mit Kendrick und „P.O.V.“ mit Tyler nicht entgehen lassen. Seitens der Jackboys stechen vor allem der Reagetton-Flip „PBT“ feat. Tyla und Vybz Kartel, das Champions-League-Treffen mit Playboi Carti und Future auf „WHERE WAS YOU“ und der Travis-Solotrack „DUMBO“ heraus.
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