Das Ende einer Ära: Das waren unsere Twitter-Highlights der letzten Jahre
„Ein Tweet mit X: das war wohl niX!“ „Hast du schon den X-Beef von der-und-der-und-dem-und-dem gesehen?“ „Re-Xt das, wenn ihr meiner Meinung seid!!!!111!!!!!1“ „Die hat echt ne harten X-Grind!“ Mh. Ihr merkt schon: Wir können uns noch nicht so ganz dran gewöhnen, dass Elon Musk gerade leider weniger Zeit in sein Mars-Projekt steckt und sich eher wie ein totalitärer Meinungsmacher aufführt. Seine neuste Idee: Twitter hinter sich zu lassen und die Plattform in „X“ umzubenennen. Damit gäbe es dann auch keine Tweets mehr – ein Wort, das, ganz ähnlich wie das Verb twittern, das letzte Jahrzehnt wie kein anderes geprägt hat. Was für ein Move! Hoffentlich macht er damit den Laden endgültig dicht. Wobei wir uns immer noch fragen, was ihn dabei geritten hat. Aber seine Entscheidung ist vielleicht eine gute Gelegenheit, um schon mal so langsam nostalgische Stimmung aufkommen zu lassen. Deshalb schauen wir in diesem Feature auf einige Tweets, Twitter-Beefs und Profile, die uns in den letzten Jahren perfekt unterhalten haben.
OG Keemo
Eines der erfolgreichsten Videos auf unserem YouTube-Kanal verdanken wir bis heute OG Keemo – und seinem unermüdlichen Twitter-Grind. Gleich zwei mal hat er für uns seine besten Tweets noch einmal Revue passieren lassen, einmal von seinem Main-Profil und einmal von seinem „Siff-Account“. Tränen gelacht haben wir in beiden Fällen und auch viele unserer Zuschauer:innen konnten ihren Augen kaum trauen: Wie kann dieser Hühne, der sich mit seinen bisherigen Projekten schon jetzt einen Status als einer der besten Deutschrap-Poeten erarbeitet hat, auch noch so dermaßen lustig sein? Vielleicht liegt es daran, dass OG Keemo Twitter einfach perfekt verstanden und durchgespielt hat. Hier ist/war der genau richtige Platz für Gehirnfürze wie „Grat Grat Grat und jeder Neider ist tot / Traphouse hotter than a Fleischkäsebrot“, hier kann unter Applaus gegen Daniel Aminati austeilen und hier kann man mit der „Candy Crush“-Karriere protzen, die die Errungenschaften so mancher Deutschrapper:innen in den Schatten stellt.
Mia Morgan
Bei einigen Künstler:innen war Twitter immer ein faszinierendes Fenster in ihr Leben und Denken und Cringen und Fluchen und Feiern und Haten. Zum Beispiel bei Mia Morgan, die als https://twitter.com/ekelhaftemia manchmal mehrmals am Tag all das teilt. Da wird schon mal die immer noch sehr pimmelige Musikbranche aufs Korn genommen, ihre eigenen Kunst ironisch in Szene gesetzt oder ihre Liebe zur Popkultur zelebriert. Zum Beispiel wie in diesem Tweet, äh X, äh ihr wisst schon. Bei dieser angeteasten Fan-Fiction-Story werden sogar die erzkatholischen One-Direction-Hater irgendwie horny …
James Blunt
James Blunt findet bei DIFFUS üblicherweise nicht statt – zurecht, der Typ macht schließlich relativ belanglose Pop-Musik, die eher in die Supermarkt-Rotationen und Hochzeits-Playlisten dieser Welt ihr Unwesen treibt. Das scheint ihm aber auch selbst durchaus bewusst zu sein, davon zeugt zumindest sein Twitter-Grind. Der pendelt zwischen Selbstironie, Selbsthass und saftigen Clapbacks. Dabei ist ein klares Muster erkennbar: Die Männerwelt kann James Blunt und sein „You’re Beautiful“ nicht ausstehen, ihre Verlobten schmachten ihn dafür geradezu an – sehr zu seiner Belustigung. Die Musik macht das auch nicht unbedingt besser, aber für diesen Twitter-Auftritt gibt es zumindest ein paar Sympathie-Punkte.
It seems she has bad taste in most things. https://t.co/an8Aawg68i
— James Blunt (@JamesBlunt) September 18, 2021
Miriam Davoudvandi
Der 29. März markiert den Jahrestag von Miriam Davoudvandi und Twitter. Seit mittlerweile 14 Jahren ist die Journalistin und Podcasterin inzwischen schon auf der Plattform zu Gange und hat hier ihre ganz eigene Nische gefunden. Themen rund um Mental Health, die sie in ihrem Podcast „Danke, gut“ ja schon umfangreich aufarbeitet, verpackt sie hier eher in trockenen Humor, der für alle relatable ist, die schonmal einen Therapieplatz gesucht haben. Dazwischen mischen sich Tagebucheinträge über die Leiden einer Zahnspangenträgerin und immer wieder auch wichtige Beiträge zu Themen wie Sexismus, Rassismus oder Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Auf Twitter zeigt Miri, dass sie nicht nur weiß, wie das perfekte Set klingt oder wie man Interview-Gästen die spannendsten Antworten entlockt, sondern auch wie man aus dem Wirrwarr im Kopf eine Pointe strickt – und was man sie sich besser spart.
können wir über therapie, mental health und so reden wieder zum tabuthema machen bitte ich brauch echt dringend einen therapieplatz
— Miriam Davoudvandi (@labiledeutsche) May 16, 2023
El Hotzo
Na, den muss man wirklich nicht mehr vorstellen. El Hotzo ist auch bei uns ein gern gesehener Gast, der u. a. zum Beispiel auch für unsere Titelstory die schon erwähnte Mia Morgan traf. Hotzo und auch Ilona Hartmann sind sogar den Insta-Boomer:innen der Redaktion bekannt, die Twitter schon immer für selbstbesoffenes Hirnschmalz-Gewichse hielten, bei dem der Tiefgang und die zu Ende geführten schlauen Gedanken im Twitter-Dauerfeuer draufgingen. Trotzdem scrollte man sich dann immer zu gerne durch die Instagram-Galerie voller gescreenshotteter (was für ein Wort!) Tweets, die bei Hotzo fast in Echtzeit diese bekackte Welt mit guten Witzen kommentierten. Das Thema X ist natürlich auch etwas, wo sich Hotzo kein X für ein U vormachen lässt, wie man in diesem Tweet sieht.
Katy Perry vs. Chief Keef
Im Folgenden geht es nicht um einen ganzen Twitter-Account sondern vielmehr eine einzelne Konversation, die auch aus den Tiefen eines Fiebertraums stammen könnte. Die Rede ist vom legendären, kurzen Schlagabtausch zwischen Pop-Queen Katy Perry und Trap-Pionier Chief Keef Anno 2013. Damals war letzterer gerade mal zarte 18 Jahre alt und erlebte mit seinem Song „Hate Bein’ Sober“ einen beachtlichen Hype – was Kate Perry scheinbar sehr schockierte. „Hab gerade einen neuen Song namens „Hate Being Sober“ im Radio gehört, jetzt habe ich ernsthafte Zweifel an dieser Welt“, so kommentierte die Sängerin Chief Keefs großen Wurf. Der feuerte sofort Beleidigungen zurück, die hier nicht wiederholt werden sollen – was erstaunlicherweise aber nicht in einer lebenslangen Fehde, sondern in einer schnellen Versöhnung mündete. Katy Perry ruderte mit den Worten: „Mr. Keef! Es tut mir Leid, falls ich sie beleidigt haben sollte.“ zurück, Chief Keef reagierte ebenfalls reumütig mit: „Oh, I’m sorry too then“. Ende gut, alles gut – und bis heute ein Musterbeispiel dafür, dass Twitter eben doch nicht nur Konflikte erzeugt, sondern sie manchmal auch aus der Welt schafft.
@katyperry Oh 😕 Im Sorry Too Then 😔
— Glory Boy (@ChiefKeef) May 24, 2013
Lugatti
OG Keemo ist dabei längst nicht der einzige deutsche Rapper mit flinken Twitter-Fingers: Lugatti von den Kindern der Küste macht seinem Homie langsam Konkurrenz. Dabei ist der Musiker aus Köln genauso grundsympathisch wie in seinen Songs oder auf der Bühne und ist sich nicht zu schade, seinen Alltag mit seinen Follower:innen zu teilen. Im Vergleich zu Twitter-Komikern wie Ilona Hartmann oder Dax Werner gibt es da selten eine tiefere Meta-Ebene, stattdessen: THC, ACAB, manchmal Fußball. Das klingt stumpf, ist es irgendwie auch, aber gerade das macht Lugattis Punchlines im 140-Zeichen-Format so gut. Und wer erklärt euch sonst, in welchem Hogwarts-Haus die beste Knolle geraucht wird?#
Slytherin:
— LocoGatti (@alburteugene) February 26, 2023
– snitches
– sagen die rauchen Cali aber ist einfach nur feste Knolle mit Samen drin
– größten Pissers
– eigentlich nur so einen krassen Ruf wegen Tom Riddle aber nach dem war keiner von denen mehr gefährlich
– denken die wären böse wegen Schlangen Logo
Kool Savas
Next Up in unserer Twitter-Hall Of Fame: Kool Savas, Deutschrap-OG und für viele bis heute der absolute Gipfel dieses Genres. Auf der Plattform mit dem kleinen Vogel lebt KKS dagegen ganz andere Seiten aus. Mit seiner Bio weist er sich als „Footfluencer“ aus und dieser Berufsbezeichnung wird sein Grind mehr als gerecht. Denn wenn er nicht gerade politische Statements mit seiner Community teilt, frönt er auf Twitter gerne seinem Fußfetisch und geht allgemein sehr offen mit Sexualität um. Was viele verschämt als Geheimnis mit sich herum tragen, posaunt Savas in mit einer guten Prise Humor ins Word Wide Web. 2020 machte der King Of Rap seinen Fußfetisch öffentlich und feuerte eine ganze Serie an Tweets über die Rolle von Füßen im Schlafzimmer ab – mit der Folge von einem Posteingang voller Fuß-Bilder. Ein Jahr später versuchte Savas mal eine ganze Woche lang, nur über Sex zu tweeten: „Ich finde es schade das Sex kein größeres Thema in der Gesellschaft ist. Ich bin mir sicher viele wären weniger aggressiv wenn es mehr Sex gäbe“. Word!
Ein schöner Damenfuß in Größe 35 oder 36 ist unübertrefflich
— Kool Savas (@koolsavas) February 14, 2020
Ilona Hartmann
Ilona Hartmann ist laut eigener Insta-Bio „zu schüchtern für rap, zu blöd für lyrik“. Wahrscheinlich hat sie sich deswegen ein anderes Outlet gesucht und vor über zehn Jahren damit angefangen, Alltagsbeobachtungen auf Twitter zu teilen. Aus den kleinen witzigen Posts wurde mit der Zeit eine Karriere als freie Texterin, Podcasterin und Autorin. Aktuell macht sie neben Luis Ake und Julian Knoth einen Drittel des neu gegründeten Indie-Trios Njelk aus und arbeitet unterdessen an ihrem zweiten Roman „klarkommen“, der im Frühjahr nächsten Jahres rauskommen soll. Für uns ist und bleibt sie Twitter-Queen und wird deswegen heute hier mitgekührt:


Dax Werner
Was wäre eine Liste über Twitter-Highlights ohne Dax Werner? Allerhöchstens grober Unfug. Schließlich begann die Karriere des heutigen The Screenshots-Rockstars einst auf Twitter, lange bevor Elon Musk hier das Zepter in die Hand genommen hat. Auf der Social Media-Plattform haut Dax Werner in die Tasten, wie wenige andere und lernt dabei zwei Gleichgesinnte und spätere Bandkolleg:innen kennen: Kurt Prödel und Susi Bumms. Vor der Laufbahn als Indie-Band weiß man von keinem der dreien so richtig, wie sie aussehen – nur, dass sie eben verdammt lustig sind. Der Grind von Dax Werner verläuft dabei in verschiedenen Phasen und passt sich immer wieder dem Zeitgeschehen an. 2018 twitterte er sich als selbsterklärter Entrepreneur noch von einer KW zur anderen und machte dabei dem „Dax“ in seinem Namen alle Ehre, die letzte Woche war hingegen ganz der Odyssee der Wildschwein-Löwin aus Kleinmachnow gewidmet. Egal ob Twitter oder X: Wir hoffen, dass wir Dax Werners amüsanten Blick auf die Welt noch lange genießen dürfen.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.