Elon Musk, fick (nicht nur) dein Marsprojekt!
Es muss etwas Befreiendes haben, die Worte „Elon“ und „Musk“ und „Fick“ in eine Handykamera zu singen. Immerhin 5,7 Millionen Aufrufe haben allein bei TikTok jene Clips generiert, in denen die Peter-Fox-Zeile „Elon Musk, fick dein Mars-Projekt!“ vorkommt. Das liegt sicher auch daran, dass „Zukunft Pink“ ein starker Song ist, aber eben auch daran, dass der Name Elon Musik viele Leute triggert. Zu Recht muss man sagen. Reiche Menschen, die sich für ein Geschenk an die Menschheit halten, sich mit populistischen Mitteln als Retter von Freiheit und Demokratie aufspielen, toxische Arbeitskultur feiern, übergriffiges Chauvi-Verhalten zelebrieren, wild Kinder-zeugend durch die Welt ziehen und als Privatmenschen in Dingen mitmischen, die eigentlich einer demokratischen Überwachung unterliegen sollten (Ukraine-Krieg), dürfen gerne starke Gegenreaktionen hervorrufen und Skepsis ernten.
Was natürlich nur eine Seite ist: Fairerweise muss man sagen, dass seine Geschäfte tatsächlich auch die Menschheit voranbringen. Tesla machte E-Mobilität cool, die NASA fliegt mit Musk-Raketen (und ist ganz froh, ihn zu haben), die fantastische Grimes hat es ein paar Jahre mit ihm ausgehalten, und der Mann kann mit seinem Vermögen natürlich Dinge schneller anschieben als andere. Die Seite gibt es also auch. Trotzdem. Wenn man sich anschaut, wie er sich als neuer Twitter-Chef geriert, wie er immer wieder als Populist agiert – dann muss man schon sagen: Der Mann ist ein wandelnder Strauß von Red Flags. Er kann und muss es also auch vertragen, dass man ihm ans Bein pisst. Wir haben mal ein paar Songs gesucht und gefunden, die genau das tun.
„Elon Musk kommt nicht ins Berghain“ (Von Wegen Lisbeth)
Eine der härtesten Zeilen kommt von den sweeten Herren von Von Wegen Lisbeth. Elon Musk tut ja viel dafür, auf seine Weise cool sein zu wollen. Und das uncoolste, was einem passieren kann auf seinem Level: Nicht ins den coolsten Club Berlins (ach was, der Welt! Sagen diese Zugezogenen-Blogs zumindest…) zu kommen. Wer Bilder der aktuellen VWL-Tour gesehen hat, weiß wie gut die Nummer ankommt und dass dabei selbst die Thekenkräfte mitsingen. Der Song funktioniert vor allem so gut, weil er ziemlich empathisch ist und schon durchschimmern lässt, dass Elon vielleicht trotz des ganzen Alphatierchen-Gehabes eine ziemlich arme Wurst sein könnte. Was ja eigentlich für alle Alphatierchen gilt.
„Oh, Elon you’re making me so sad“ (The Rentals)
In eine ähnliche Kerbe schlagen The Rentals – was übrigens die Band des Ex-Weezer-Bassisten Matt Sharp ist. Sie imaginieren eine langjährige, nachbarschaftliche, mittelständische Nachbarschaft. Während Elon Musk also als Sonderling Karriere macht, schaut der Erzähler des Songs mit Bewunderung und Trauer auf Elon. Das Lied ist kein direkter Elon-Diss, sondern verhandelt im Kern den Wunsch, die Welt hinter sich zu lassen, um mit Elon zum Mars zu fliegen. Und trotzdem ist da auch ein wenig Mitleid in „Elon Musk Is Making Me Sad“.
„Ich chill‘ mit Elon Musk / Ich chill‘, häng‘ ab im Club / Emma in sei’m Apfelsaft“ (Whitey En Vogue)
Der von uns sehr geschätzte Whitey En Vogue hat sich auch bereits an die Seite von Elon imaginiert und legt in „Elon Musk“ seine Version einer, äh, Aufsteigergeschichte vor. Chillen mit Elon Musk als erklärtes Ziel nach der Reichwerdung sozusagen. Die Welt, in die Whitey dann einziehen wird, klingt allerdings auch eher trist: „Aktienkurs im Keller, denn im Keller ist der Trancefloor / Ein kleines Koka-Startup will mich als Investor.“ Oder aber: „Ich chill‘ mit Elon Musk / Frag ihn, was er so macht, mmh / Ah ja, krass das macht bestimmt Spaß / Mit Elon Musk / Frag ihn, was er so macht.“
Nachtrag: Nach Veröffentlichung des Artikels schickte uns Whitey En Vogue eine nette Sprachnachricht auf Insta und hatte noch eine Anekdote in petto, die hier unbedingt rein muss: An dem Abend, als Elon Musk nichts ins Berghain kam, feierte Whitey – im Berghain. Nimm das, Elon!
„He think he the battery, we call him Elon Musk (pussy)“ (21 Savage & Metro Boomin)
Wie metaphorisch dehnbar der Name Elon Musk ist, beweisen 21 Savage und Metro Boomin in „Glock In My Lap“ – ein Track, der eigentlich von Gang-Gewalt und Schusswaffengebrauch erzählt. In der Line geht es um einen Typen, der behauptet, er könne die Crew wie eine Batterie mit allem versorgen, was es braucht. Das reingebellte „pussy“ hinter Elon lässt vermuteten, dass der Name nicht nur als Kompliment gedacht ist.
„Sail away / To the cold expanse of space / Even love / Couldn’t keep you in your place“ (Grimes)
Grimes hat bekanntlich einen Sohn namens X Æ A-Xii mit Elon Musk. Nach der Trennung erschien der Song „Player Of Games“, in dem es recht eindeutig um Elon Musk geht. Die Nummer ist vor allem interessant, weil sie erstaunlich heartbroken klingt und ihm eher eine gute Reise ins All und in die Zukunft wünscht. Dennoch macht der Titel deutlich, dass Elon nämlich vor allem auch ein Spieler ist, der sich wenig um die Gefühle anderer schert. Es mag daran liegen, dass sein Asperger-Syndrom ihm die Wahrnehmung von Gefühlen anderer erschwert, aber trotzdem hört man zwischen den Zeilen schon deutlich raus, dass Musk in (zu) vielen Dingen auf gesellschaftliche Konventionen scheißt.
„Are you ready for me to destroy you?“ (Azealia Banks)
Kommen wir zu Beef der härteren Sorte: Die beef-freudige Rapperin Azealia Banks hatte eigentich geplant, mit Grimes an einem Track zu arbeiten. Zu einer Zeit, als diese gerade mit Musk zusammenkam. Banks verbrachte bei der Arbeit an dem Track einen Abend in Musks House und berichtete später, dieser habe rumgebrüllt und auf Acid getwittert. Im Haus habe eine Atmosphäre geherrscht, die Banks an den Horrorfilm „Get Out“ erinnert hätte. Außerdem habe sie an dem Abend ihren Freund nicht mitbringen dürfen, und vermutete Musk hätte sich „probably some weird threesome sex shit“ erhofft. Musk dementierte später, sie überhaupt getroffen zu haben, es kam zu einem Schlagabtausch, der selbst gestandene Gossip-Geier amüsierte und schockierte (kann man hier nachlesen).
Der Disput gipfelte in einem Song von Azealia Banks, der bisher nie veröffentlicht wurde. Er trägt den schönen Namen „96 Corolla (Motorman)“ und ist ein technoider, futuristischer Banger, den Banks eigentlich für die Künstlerin Poppy geschrieben habe. „It tells a story of an ungrateful technocrat who’s ego becomes too big for his britches”, schrieb Banks bei Instagram. Dieser Technocrat heiß Alon Dust – und wird in der Zukunft offiziell exekutiert – von einer Heldin namens Yung Rapunxel, die eine Mischung aus Mensch, Cyborg und Hexe sei. „As she destroys the arrogant fool, the world rejoices in cheer for the saver of humanity“.
„Der Strahlemann Elon Musk“ (Satiremagazin „Extra 3“)
Damit wir nicht mit dieser destruktiven Note enden, noch ein jüngers Beispiel von ganz ok-er Satire aus dem Hause „Extra 3“. Dort hat man „Another One Bites The Dust“ umgetextet und ein kleines Cringe-of von Elon Musk dazu gepackt.
P.S.: Es gibt übrigens auch zahlreiche Songs, die Elon Musk als positive Metapher (zum Beispiel für das High-Sein) verwenden oder ihn als Gipfel allen Strebens feiern. Aber da die Twitter-Übernahme und die Schlazgeilen, die Musk danach generierte, so abtörnend waren, haben wir die in diesem Feature mal außen vor gelassen … #sorrynotsorry. Falls ihr also Tyler, The Creator, Teesy, Lil Uzi Vert u. a. vermissen solltet, das liegt daran.
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