Die 10 besten Alben 2020 international
Fleet Foxes – Shore
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Die amerikanische Band Fleet Foxes hat sich in den 2000er Jahren zur ersten Adresse für mehrstimmigen Indie-Pop gepaart mit psychedelischen Klängen entwickelt und wurde zum Vorreiter einer ganzen Generation von modernen Folk-Pop Bands. Ohne große Vorankündigung hat die Band aus Seattle Ende September 2020 ihr neues Album „Shore“ veröffentlicht und mit eben dieser Platte einmal mehr unter Beweis gestellt, warum sie immer noch das Maß aller Dinge ist: Wunderschöne Melodien und Harmonien treffen auf üppige Instrumentierungen, die an den richtigen Stellen auf ein Minimum reduziert werden, um den hymnischen Stimmen gebührend Raum zu geben. Damit haben sich Fleet Foxes ohne Weiteres einen Platz auf dieser Liste verdient.
Phoebe Bridgers – Punisher
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Nachdem sie 2017 ihr erstes Album „Stranger in the Alps“ veröffentlicht hatte, wirkte Phoebe Bridgers bei etlichen Titelsongs für Serien und Filme mit, wurde Teil der Supergroup Boygenius mit Julien Baker und Lucy Dacus und gründete mit Conor Oberst wenig später die Band Better Oblivion Community Center. Die gelernte Jazz-Sängerin wird für ihre melancholischen Lieder geliebt, die oft mit nicht mehr als einer Gitarre auskommen. Mit ihrer engelsgleichen Stimme hat sie sehr früh John Mayer begeistern können, der Phoebe als eine zukünftige Musik-Gigantin getauft hat. Diesen Status hat die Sägerin 2020 durchaus erfüllt, denn Mitte Juni ist Phoebes neues Album „Punisher“ erschienen. Die Platte lebt von dunkler Melancholie und den wunderschönen Melodien der Musikerin – dabei hören wir Texte über Drogentrips, das Leben nach dem Tod und Morde auf dem Parkplatz eines Baseballstadions. Ohne Zweifel kann dieses Album sehr traurig machen, dennoch bleibt festzuhalten: Phoebe Bridgers hat sich damit zur ersten Adresse für Indie-Musik entwickelt – vier Nominierungen für die Grammys 2021 sprechen für sich.
Jeans for Jesus – 19xx_2xxx_
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Im Januar dieses Jahres veröffentlichten Jeans for Jesus ihr neues Album „19xx2xxx“, dessen Sound von der Band aufgrund der ebenso komplexen wie eingängigen Strukturen als „Hightech-Pop“ bezeichnet wird. Damit trifft das Quartett den so oft beschriebenen Nerv der Zeit und wird dafür auch in ihrer Heimat, der Schweiz zurecht von Medien und Fans gefeiert. Endlich kommt eine Band mit einer Platte um die Ecke, die dem angestaubten Image des Schweizer Mundart-Pop etwas Neues entgegensetzt. Falsettgesang, schrille Sounds, Autotune und andere digitale Effekten verschmelzen auf „19xx2xxx“ zu einem zeitgenössischen Sound, der irgendwo zwischen R&B, Indie-Pop und HipHop hin und her wandert. Hinzu kommt eine Ästhetik, die mehr denn je nach „Internet“ schreit: Songs, die nach IP-Adressen benannt sind und ein Album-Cover, dass die vier Bandmitglieder als digitale Büsten zeigt. Man darf getrost festhalten: Das hier hören die coolen Kids im Jahr 2020. In der Schweiz und auch in Deutschland. Und alle anderen sollten das auch.
Dua Lipa – Future Nostalgia
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Hit an Hit: „Future Nostalgia“, Dua Lipas zweites Album, schlug im März dieses Jahres ein wie eine Bombe und riss jede/n ZuhörerIn mit in eine glitzende 80er-Jahre-inspirierte Disco-Pop-Welt, gebaut aus einprägsamen Melodien und groovigen Beats. Kaum ein Song, der nicht direkt ins Ohr geht und sich dort für die nächsten Stunden einnistet – so ist „Future Nostalgia“ aufgebaut. Dass diese Art der Pop-Musik auf Anklag stößt, ist wohl nicht zuletzt ihren weltbekannten Inspirationsquellen zu verdanken: „Ich wollte mit diesem Album aus meiner Komfortzone ausbrechen und mich der Herausforderung stellen, Musik zu machen, die mich an das Gefühl meiner Lieblings-Popsongs erinnert, aber doch ganz einzigartig nach mir klingt. Ich habe mich von Künstlern wie Gwen Stefani, Madonna, Moloko, Blondie oder Outkast inspirieren lassen, um nur einige zu nennen”, sagt Dua Lipa über “Future Nostalgia” und fährt fort, „Beeinflusst von der Zeit, die ich mit meiner Band auf Tour verbracht habe, sollte das Album mehr ein Live-Gefühl gemischt mit einer modernen elektronischen Produktion ausstrahlen. Ich wollte etwas ebenso Nostalgisches wie Frisches und Futuristisches kreieren.” und das ist der jungen Britin definitiv gelungen.
Burna Boy – Twice As Tall
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Auf „Twice As Tall“, welches hauptsächlich im nigerianischen Lagos aufgenommen wurde, tummeln sich so einige große Namen der Musikwelt. Neben überaus nennenswerten Features wie Coldplay-Frontmann Chris Martin, dem Rap-Veteranen Naughty by Nature aus New Jersey sowie UKs Stern der Stunde Stormzy hält Burna Boy auch der aus Nairobi stammende Afropop Band Sauti Sol und Weltstar Youssou N’dour einen Platz auf seinem siebten Album frei. Aber nicht nur die Auswahl seiner internationalen Feature-Gäste sondern insbesondere das Soundbild der Platte treibt das rapide wachsende Afrobeat-Genre in neue Höhen. So versetzen die virtuos treibenden Rhythmen und die warme Klangwahl die HörerInnen in unaufhaltbare Tanzstimmung und Extase. Doch „Twice As Tall“ lässt auch ruhige, fast schon melancholische Momente zu, wie man unschwer auf „23“ und dem Outro „Bank on it“ hören kann. Die Leadsingle „Wonderful“ dient als thematischer Wegweiser, denn sowohl textlich als auch visuell werden afrikanische Stammes- und Feierkulturen dargestellt und zelebriert. „Twice As Tall“ ist damit ein aus Afrika stammendes Werk, welches offenbar ein neues, durch und durch positives Bild des Kontinents in die Welt tragen soll, ohne den „Afrikanischen Kampf“ und seine Auswirkungen dabei außer Acht lassen zu wollen. Dieses Kunststück ist Burna Boy zweifelsohne gelungen.
Teyana Taylor – The Album
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Teyana Taylor ist nicht nur musikalisch ein absolutes Multitalent. In den letzten Jahren hat die mittlerweile 29-Jährige US-Amerikanerin auch ihre Talente als Regisseurin, Model, Tänzerin, Schauspielerin oder Choreografin eindrucksvoll zum Besten gegeben. Aber egal wie viele Projekte Teyana mit ihren Talenten auch bereichert: Die Qualität leidet nie darunter! So veröffentlicht die R&B-Künstlerin im Juni dieses Jahres ihr 23-Song starkes drittes Studioalbum „The Album“, auf dem nicht nur hochkarätige Feature-Gäste wie Future, Missy Elliot oder Big Sean einen Platz finden, sondern die erstklassige Sängerin auch extrem intime Einblicke in ihre erste Schwangerschaft und ihre persönliche Gefühlswelt gibt. Insbesondere das Intro von „The Album“, in dem die Musikerin die originale Aufzeichnung des Notrufs verwendet, den ihr Ehemann Iman Shumpert während der Geburt ihrer erstgeborenen Tochter Junie im Jahr 2015 tätigte, beweist die Authentizität und Persönlichkeit dieses Albums. Mit „Intro“ beginnt Taylor somit den ersten großen Familien-bezugenen Abschnitt von „The Album“, der von zusätzlichen Mini-Kapiteln, die von Sehnsucht, Stärke, Drama und Freude handeln, abgelöst wird. Für viele Fans gehört das fast 80-minütige Gesamtkunstwerk zur repräsentativsten Veröffentlichung Taylors innerer Stärke und Vorbildfunktion als starke und emanzipierte Frau.
Oehl – Über Nacht
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Bereits im Rahmen der „10 besten Songs 2019“ schrieben wie über Oehl und ihren Song „Über Nacht“: „Oehl war und ist eine dieser großen Überraschungen, die das Jahr 2019 uns beschert hat und die man so kaum vorhersehen kann. (…) Oehl sind Pop, aber anders.“ Im Januar 2020 hat das austro-isländische Duo dann sein erstes Album veröffentlicht, das ebenso wie der oben genannte Song den Titel „Über Nacht“ trägt. Projekt-Namensgeber Ariel Oehl stellt auf der Platte eine ganz eigene Art vor, aus Gedichtzitaten und eigener Lyrik textliche Bilder zu malen. Seine Poesie umgibt er gemeinsam mit seinem isländischen Bandpartner Hjörtur Hjörleifsson mit einem dichten, detaillverliebten Sound, in dem sanfte Akustik auf elektronische Tanzbarkeit und experimentelle Spielereien treffen. Das alles überzeugte auch Herbert Grönemeyer deart, dass er die beiden zu seiner Plattenfirma „Grönland Records“ holte.
Mavi Phoenix – Boys Toys
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2014 ist mit „My Fault“ die erste EP von Mavi Phoenix erschienen, der damals noch als Künstlerin in der Musikszene aufgetreten ist. In diesem Jahr folgte mit „Boys Toys“ ein musikalisch ausgefeiltes Konzeptalbum inklusive Alter Ego, das inhaltlich vor allem das Coming Out als Transgender behandelt, die damit einhergehenden Selbstzweifel, die neue Rollenverteilung in der Familie und die Fähigkeit seinen Lebensweg als solchen zu akzeptieren. So machen Zeilen wie „One week since I dropped bullet and my daddy didn’t say a thing that’s the spirit“ oder „my selfesteem increased when my parents ghosted me, haha dear family why won’t you talk to me?“ zumindest im Ansatz nachvollziehbar, dass ein Coming Out vor allem im familiären Kontext auch nicht immer leicht zur verdauen ist. Irgendwo zwischen toxischer Männlichkeit, der Auseinandersetzung mit zukünftiger Familiengründung und „Ich bin nicht mehr euer braves Mädchen“-Flex verarbeitet „Boys Toys“ diverse Ebenen eines solchen Prozesses, zeigt Mavi aus musikalischer Perspektive aber auch so facettenreich wie nie zuvor oder wie Mavi die vergangenen sechs Jahre bis zum Debüt selbst erklären würde: „Es hat sich zum ersten Mal so angefühlt: ‚Ey jetzt macht es Sinn ein Album zu machen.'“
Idles – Ultra Mono
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Regelmäßig liefert der in Newport (Wales) geborene Leadsänger der Band Idles, Joe Talbot Slogan-artigen Leitsprüche, die beim Hören dder Musik der Band für ein empowerndes Wir-Gefühl sorgen. Dieser Linie bleiben die Briten auch auf ihrem neuesten Werk „Ultra Mono“ treu und überzeugen mit eingängigen Parolen und brachialen Post-Punk-Songs, die nur in seltenen Fällen wie in „A Hymne“ einen innigen Charakter annehmen. Schon lange klangen Zeilen wie „Kill Them With Kindness“ nicht mehr so aufgebracht. Allerdings scheinen sich an diesem dritten Album der britischen Band, das in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Nick Launay (Nick Cave, Arcade Fire) und Toningenieur Adam »Atom« Greenspan (Rage Against the Machine, Arcade Fire) entstand, die Geister zu scheiden: Während die Platte von einigen in den Himmel hoch gelobt wird, hören andere zu wenig Weiterentwicklung im Sound und kritisieren Einfältigkeit. Doch egal ob man die rohen Songs der Idles feiert oder lieber den „sanfteren“ Klängen des Quintetts lauscht, Idels schaffen es auch 2020, ihre ZuhörerInnen vor allem mit einer ganz besonderen Eigenschaft zu überzeugen: Authentizität.
Kali Uchis – Sin Miedo (del Amor y Otros Demonios) ∞
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Kali Uchis ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Stylemäßig lässt sich die gebürtige Kolumbianerin genauso wenig in eine Schublade stecken, wie musikalisch oder etwa sprachlich. Letzteres bewies die 26-Jährige mit ihrem jüngsten Album „Sin miedo (Del amor y otros demonios)“, welches fast ausschließlich in spanischer Sprache verfasst wurde. Die kolumbianischen Einflüsse der Wahl-Amerikanerin, die über das ganze Album gesprenkelt sind, vermischen sich mit den Neo-R&B-Elementen und wohl gesetzte Hiphop-Drums. Rhythmisch betrachtet ist „Sin miedo (Del amor y otros demonios)“ eine klare Erfrischung, die man als großer Fan von Neo-Soul, -R&B und angenehmen Pop sowieso immer begrüßt. Obendrein kann man auf dem Album mit dem ellenlangen Titel ein weiteres Subgenre für sich erschließen und zwar die sogenannte „Urbano“ Musik, deren Ursprung lose im Doppelkontinent Amerika der 90’s zu verorten und 2017 ihren Weg in den Mainstream gebahnt hat. Die zuckersüße und doch verruchte Stimme von Kali Uchis hat uns jedenfalls mit ihrem magischen und stets verträumten Schlafzimmer-Sound verzaubert und oft genug dazu angeregt, die Hüften im tristen Homeoffice zu schwingen.
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