Die 10 besten Songs 2018 national
Das Jahr neigt sich dem Ende zu und damit ihr die Highlights von 2018 nicht vergesst und die schönsten Momente Revue passieren lassen könnt, haben wir euch eine Liste mit zehn der wichtigsten Songs des Jahres zusammengestellt. Um die Auswahl nicht noch schwerer zu machen, haben wir hier nur Songs von Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland gesammelt. Auf der Liste finden sich dieses Jahr einige Künstlerinnen und Künstler, die sich sehr politisch geäußert und Stellung zum Rassismus im Land bezogen haben. So setzen sich AnnenMayKantereit in „Weiße Wand“ mit den eigenen Privilegien auseinander und Yassin klagt in „Abendland“ den immer lauteren rassistischen Populismus an. Ein weiterer wichtiger Song ist „Da wo du herkommst“, der leider mit der traurigen Nachricht vom Tod des Künstlers Sam verbunden ist. Neben weiteren deutschsprachigen Song von Rappern wie OG Keemo und Rockstah sind auch englischsprachige Songs von den Leoniden und der Newcomerin Amilli zu hören. Viel Spaß!
AnnenMayKantereit – Weiße Wand
„Ich fahr‘ schwarz in ’nem weißen Land, obwohl ich mir die Reise leisten kann. Und ich schau‘ mir die Schlagzeilen an und irgendwas hat sich eingebrannt. Flüchtlingskrise fühlt sich an wie Reichstagsbrand, auch wenn ich das nicht vergleichen kann.“Mit einem großen Kloß im Hals dürfen wir Henning May und seinen Kollegen dabei zuhören, wie sie äußerst politisch geworden sind und sich trotz ihrer geerbten Privilegien bewusst sind, dass sie Teil der “weißen Wand” sind. Der Text wurde von Henning May, Felix Römer und Fabian Döll geschrieben.
KitschKrieg – Standard (feat. Trettmann, Gringo, Ufo361 & Gzuz)
Wie viele Sorten Kush hat Trettmann im Rizla? Die Antwort auf diese Frage findet sich in der Single des Kollektivs KitschKrieg, die sie nach dem beispiellosen Erfolg von Trettmanns „#DIY“ veröffentlich haben. Neben eben diesem Dauergast Trettmann haben Kitschkrieg Gzuz, Ufo361 und Gringo eingeladen und mit „Standard“ den Dauerohrwurm der letzten Monate produziert. Der Song ist nicht nur mehr als gelungen, sondern setzt auch als logische Konsequenz den DIY-Gedanken von KitschKrieg fort, der ihre Arbeit so einzigartig macht.
Leoniden – Kids
Mit ihrer Single „Kids“ kündigten Leoniden ihr zweites Studioalbum „Again“ an. Der Song steht beispielhaft für den energetischen Sound der Kieler Indie-Rockband: „Fuck it all we killed it tonight, we stay awake“singt Jakob Amr und die Energie, die dabei transportiert wird, kommt besonders auf den Konzerten großartig zur Geltung. Die Leoniden sind jedoch alles andere als eine Wohlfühl-Band, der es nur darum geht, den Alltag zu vergessen. Stattdessen transportieren die Musiker und große Sehnsucht und eine gewisse Traurigkeit, haben aber ihren Weg gefunden, damit umzugehen. Große Euphorie und mitreißende Refrains als Mittel gegen zu viel Melancholie.
Yassin – Abendland
Mit „Abendland“ erschien im November die erste Single aus Yassins kommendem Soloalbum. Das erste Mal veröffentlicht der Rapper ein Album ohne seinen Partner in Crime Audio88 mit dem er schon seit etlichen Jahren gemeinsame Sache macht. In „Abendland“ setzt sich Yassin mit dem erstarken der Neuen Rechten im Land auseinander: „Hass, der keine Gründe braucht, sucht sich den schwächsten Feind, bis selbst die dünnste Haut wie eine Rüstung scheint.“Ungewohnt direkt und deutlich weniger zynisch gibt sich Yassin auf seinen aktuellen Songs und die neue Ehrlichkeit steht dem Rapper ausgezeichnet.
Fibel – Kommissar
“Mitten in der Nacht habe ich ihn laut schreien hören. Sie haben ihn ermordet, sie haben ihn erstochen und ich habe es gesehen” singen Fibel in ihrem Song „Kommissar“. Es geht um Ignoranz, Gewalt, Einsamkeit und Scheinheiligkeit. Das ganze wird untermalt von treibenden Post-Wave-Sounds, mit denen der Band aus Mannheim ein waschechter Indie-Hit gelungen ist.
Amilli – Rarri
Amilli scheint mit ihren 18 Jahren schon reflektierter und erwachsener zu sein, als der Großteil der hiesigen Musikszene. In ihrem Neo-R&B/Soul-Song „Rarri“ belächtelt sie allgegenwärtige die Obsession von Luxusgütern. Mit gängigen Slangs spielt sie genauso spielend leicht, wie mit poppigen Melodien. Amilli ist ein weiterer Beweis dafür, dass englischsprachige Musik aus Deutschland mehr als ernst zunehmen ist. Sie würzt den musikalischen Soul-Zeitgeist mit ihrer eigenen lässigen Attitüde und genau diese Mischung macht sie zu einem der spannendsten neuen KünstlerInnen der nächsten Jahre. Wer noch mehr Argumente braucht: Anfang Dezember hat Amilli die erstmals verliehene 1Live Förder-Krone gewonnen.
Rockstah – Highscore feat. Lilli Fichtner
„Highscore“ von Rockstah und Lilli Fichtner könnte die ehrlichste und sympathischste Liebesgeschichte sein, die dieses Jahr erzählt wurde. Der unglaublich einprägsame Popsong mit 80s-Touch dreht sich um zwei Außenseiter, die ihre Eigenheiten mit Stolz tragen und in der Arcade-Hall voll ausleben können. In diesen heiligen Spielhallen, in der die beiden sich wie der Kopf der Monarchie des Hauses fühlen, treffen sie aufeinander und verlieben sich Hals über Kopf in eben die Eigenheiten, für die sie ausgegrenzt werden. Rockstah schafft es diese Story mit rührend viel Charme zu erzählen und gleichzeitig hier und da (die für ihn typischen) popkulturellen Referenzen einfließen zu lassen. Gleichzeitig macht sich Rockstah mit einer genialen Zeile frei von Hollywood-Lovestory Klischees des starken Mannes: „Manchmal beide Jumpman, manchmal beide Pauline“.
SAM – Da wo du herkommst
Die politische Lage in Deutschland ist so angespannt und ungemütlich wie lange nicht mehr. Als Musiker steht man also vor der Wahl: Beziehe ich Stellung und zeige Haltung oder beriesle ich meine Fans mit belanglosen Party-Inhalten? Diese beiden Herangehensweisen scheinen unvereinbar zu sein, zumindest bis zur Veröffentlichung von „Da wo du herkommst“. Im Song trifft ein ausgelassener Marimba-Beat von Chelo auf den aussagekräftigen Text von Samson. Es geht um „afrodeutsche“ Identität (aus Mangel an einem besseren Wort) und den damit verbundenen, ewigen Kampf um Zugehörigkeit. Der Song ist eine der letzten Veröffentlichungen von Sam, denn Rapper Samson Wieland ist Anfang November zu unserem großen Bedauern verstorben. Er hinterlässt eine riesige Lücke im deutschen HipHop.
Rin – Avirex
An „Avirex“ erkennt man wieder, dass Rin verstanden hat wie Hip-Hop auf sämtlichen Ebenen funktioniert. Im Song jagt eine Rap-Referenz die nächste, mal offensichtlich auf textlicher, mal versteckt auf Flow-Ebene. Besonders der „Saudi Arabi Money Rich“-Bezug zu Haftbefehl im Intro lässt bei Kennern das Rap-Herz höher schlagen. Obendrein greifen die Produzenten OZ und Gunboi im C-Tei die 2 Live Crew-Referenz mit Acid-Sawtooth-artigen Bässen und anderen Oldschool-Produktionskniffen auf und schaffen eine Neuinterpretation des ikonischen Miami Bass Sounds.
OG Keemo – Vorwort
In „Vorwort“ lässt OG Keemo so ungefiltert wie selten in seine Gedankenwelt blicken. Auf einem Beat von Funkvater Frank, der das gleiche Sample von Herbie Hancock verwendet wie der Klassiker „Shook Ones pt. 2“ von Mobb Deep, erzählt Keemo von privaten Schicksalsschlägen und teilt seine dunklen Gedankengänge mit. Die allgegenwärtige Melancholie im Beat spiegelt sich auch in den brachial ehrlichen Lines wieder: „Die Gedanken hier entstehen aus einem Guss, denn alles was ich seh’ macht mir Druck, Stress, Probleme oder Frust“. Selbst die obligatorischen Diebstahl-Lines hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack, der die getriebene Grundstimmung des Songs deutlich macht.
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