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Die 10 besten Songs 2021 national

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Es ist jedes Jahr auf’s Neue ein unerbittlicher Kampf um den Titel „Bester Song des Jahres“ und eine noch schwierigeren Wahl, sich zwischen all den offensichtlichen und heimlichen Hits des Jahres für nur einen Track zu entscheiden. Deshalb haben wir insgesamt zehn Songs nationaler KünsterInnen ausgesucht, die uns in diesem Jahr bewegt und begleitet haben. Mit dabei: Danger Dan, Shirin David feat. Kitty Kat, Kummer feat. Fred Rabe, Paula Hartmann, Schmyt, Boy, Pashanim, Nura, Betterov und Antje Schomaker.

Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt

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Unbestreitbar einer der Songs des Jahres – und irgendwie hatte man das schon von Anfang an gespürt. Obwohl man es mit dem Piano-Song eines Rappers zu tun hatte. Obwohl im Text der eher als unsexy empfundene Konjunktiv zum Einsatz kommt. Und vor allem: Obwohl, oder gerade weil dieser Song „mal ganz spekulativ“ eine deutliche Kampfansage ist gegen all die Fascho-Kacknasen, die sich gerade im Corona-Leugner-Aufwind wähnen: „Und angenommen, der Text gipfelte in einem Aufruf, / die Welt von den Faschisten zu befreien / Und sie zurück in ihre Löcher reinzuprügeln noch und nöcher / Anstatt ihnen Rosen auf den Weg zu streuen.“ Endlich singt‘s mal einer!

Auch der Polizeiapparat und der NSU-Untersuchungsausschuss werden von Danger Dan nicht verschont. Was dann aber doch überraschte: Der immense Mainstream-Erfolg dieses ungewöhnlichen, brillanten Liedes. „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ wird jetzt im Deutsch-Unterricht interpretiert, in Fascho-Foren verteufelt, bei TikTok von stabilen Teenies mit heiligem Ernst in die Kamera gesungen – damit macht Danger Dan gute, intelligente und an den richtigen Stellen auch mal aggressive antifaschistische Bildungsarbeit, die Deutschland wirklich, wirklich, wirklich gut gebrauchen kann.

Shirin David feat. Kitty Kat – Be a Hoe/Break a Hoe

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 „Be a Hoe/Break a Hoe“ ist Druck, Selbstbestimmtheit und Attitude, die schon zu Beginn des Tracks mit dem Einsatz der markerschütternden 808s mehr als deutlich wird. Shirin macht keine halben Sachen und hat Bock auf einen Banger – doch diesmal nicht allein. Niemand geringeres als Kitty Kat darf sich nämlich seit einigen Wochen damit brüsten, als erste weibliche Künstler:in von Shirin David gefeatured worden zu sein.

Doch die Mutter des DirTea beweist mit „Be a Hoe/Break a Hoe“ nicht nur ein Händchen für geschmackvolle Featurepartner:innen, sondern außerdem mal wieder ein ausgezeichnetes Talent für Sprache und Verständnis für Popkultur. „Hoes sind sauer, ich bin süß wie der kleine Vogel Tweety“ – Lines, die nur aus dem Mund einer Frau wie Shirin gleichzeitig nach Facepunch und Zuckerwatte klingen können.

Kummer feat. Fred Rabe – DER LETZTE SONG (ALLES WIRD GUT)

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Mit dem Ende dieses Jahres müssen wir auch Kummer schweren Herzens Lebewohl sagen – denn für ihn steht fest: Seine Solokarriere endet genau hier. Doch was wäre ein Abschied, ohne zum Schluss noch einmal zurückzublicken – auf all das, was die Kummer-Ära ebenso ausgemacht hat. Und genau dafür, für seinen letzten Song, holt sich der Kraftklub.Frontmann vor wenigen Wochen Fred Rabe, den Sänger der Giant Rooks zur Seite, der hier quasi sein Solo-Feature-Debüt gibt. Schon im Sommer dieses Jahres wagte das Rooks-Mitglied mit seiner Band erste Schritte im Rap-Kosmos und bewies gemeinsam mit Rin in „Insomnia“, dass seine Gänsehaut erweckende Stimme auch auf Deutsch unheimlich gut funktioniert. Doch hier zeigt sich der Frontmann zum ersten Mal Solo und unter seinem Klarnamen.

Paula Hartmann – Nie verliebt

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Das muss man sich mal vorstellen: Da veröffentlicht eine Sängerin ihren ersten (!) Song und dann gleich solch eine Ansage. Paula Hartmann kannte man bis zum Sommer dieses Jahres eigentlich als Schauspielerin, die eine Vielzahl an Film- und Fernsehrollen bekleidete. Als sie dann ihren Song „Nie Verliebt“ veröffentlicht, entwickelt sich in Musik-Deutschland eine kollektive Aufregung. Der Grund dafür ist schnell gefunden: Paula Hartmann singt mit einer unfassbaren Direktheit und schafft es dabei, die tiefsten Gefühle ihrer Hörer:innen zu erreichen.

Gemeinsam mit ihrem Produzenten Biztram arbeitet sie bereits seit Herbst 2020 an ihrer Musik. Dass sie „Nie verliebt“ als erstes veröffentlicht, war eine überaus gute Idee. Im Song besingt Paula mit klaren, schnörkellosen Worten die bildhafte Geschichte einer Partynacht, wobei sie das Bild einer S-Bahn aufgreift: „Der Kopf lehnt am vеrdreckten Fenstеr einer Bahn“, singt sie im Refrain und bindet in ihren Strophen immer wieder Plätze aus dem Berliner Stadtleben ein. Man sitzt neben Paula Hartmann in der Bahn und sucht parallel zu ihr den Halt in Küssen und im Rausch, nur um am Ende der Nacht wieder festzustellen, dass alles beim Alten ist: „Der letzte Schluck vom Wein, die Kippe an der Bahn. Und der allerletzte Kuss, aber keine Angst. Ich war noch nie verliebt“. Paula Hartmann hat in der Zwischenzeit schon einige weitere Singles veröffentlicht, steht dennoch noch ganz am Anfang ihrer musikalischen Karriere. Diese, das darf man aber getrost festhalten, könnte eine von den ganz großen werden.

Schmyt – Poseidon

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Letztes Jahr erschien Schmyt, der eigentlich Julian Schmitt heißt, wie aus dem Nichts in allen Playlisten. Der „Niemand“ aus Berlin schaffte es nach der Auflösung der Band Rakede mit nur wenigen Songs in die Herzen vieler Fans, denn Schmyt ist einer dieser Künstler:innen, auf den sich wirklich viele einigen können.

Mit wortgewaltigen, poetischen Texten und Soundlandschaften, die unter die Haut gehen, schickt er uns jedes Mal wieder auf ein neues Abenteuer zwischen melancholischer Klavierballade, ausuferndem Rap-Banger und lyrischer Exkursionsreise. Dass Melancholie äußerst viele Facetten haben kann, lehrte uns Schmyt auf seiner Debüt-EP „Gift“, auf der „Poseidon“ zu finden ist. Der Song ist ein Potpourri an Referenzen der Unterwasserwelt und gleichzeitig eine Ode an die Begierde nach einer Person, die doch zu weit weg und unerreichbar scheint.

BOY – Fit Back In

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Nach sechs Jahren Stille um BOY melden sich Valeska Steiner und Sonja Glass im Juni mit der Single „Fit Back In“ zurück. Und auch wenn man es beim Titel meinen könnte: Der Comeback-Song dreht sich nicht um das Wieder-Einfinden in die Musikszene – das haben die beiden mit dem Werk in indie-folkiger BOY-Manier, wie wir sie kennen und lieben, problemlos geschafft. „Fit back in“ handelt vielmehr davon, wie schwierig es ist, nach einem schweren Verlust zurück ins Leben zu finden. Man fühlt sich deplatziert und einsam und merkt schnell, dass Zeit eben doch nicht alle Wunden heilt.

Leider ist der Song nicht ohne Grund entstanden: Die Sängerin erzählt von einem schweren Verlust, der ihr durch den Tod ihres Vaters widerfahren ist. Sie findet so berührende, tiefgreifende Worten für ihren Zustand der Deplatzierung, dass sich wohl jede:r Hörer:in mit dem Song identifizieren kann. „Moon-set, sunrise, time doesn’t heal / It just goes by, it just goes by”. Und auch das Video öffnet das Thema und zeigt jegliche Arten von Verlust auf – und wie Menschen mit diesen zu kämpfen haben. Neben der originalen Version des Tracks hat das deutsch-schweizer Duo gemeinsam mit dem Kaiserquartett auch eine Akustik-Version von „Fit back in“ veröffentlicht, die bedingt durch den reduzierten, rohen Sound umso emotionaler ist. 

Pashanim – Sommergewitter

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Pashanim hat ein Händchen für Sommer-Hits. Schon im letzten Jahr ist dem Newcomer aus Berlin mit seinem Song „Airwaves“ der Durchbruch in den Mainstream gelungen. Statt das große Spotlight und die Aufmerksamkeit auszukosten, hielt sich Pasha in Folge aber weiter bedeckt und veröffentlichte lange Zeit gar keine Musik. Umso größer war dann die Begeisterung, als im Juni schließlich doch ein Song erschien. Und was für einer!

„Sommergewitter“ war schon bei seinem Release prädestiniert dafür, uns den Sommer über zu beschallen, egal ob am Badesee oder auf dem E-Roller mit warmem Wind in den Haaren. Großen Anteil daran hat Stickle, der für den unbeschwerten Gitarren-Beat verantwortlich ist. Mit dieser Produktion im Rücken zeigt uns Pashanim kleine Ausschnitte und Momentaufnahmen aus seinem Leben. Von „Started From The Bottom“, blauen Prada-Sweatshirts und Polizei vor der Wohnungstür: Pashanim lässt uns immer genug teilhaben, um mitzufiebern, aber gibt zu keinem Zeitpunkt zu viel Preis. Viel wichtiger als die eigentlichen Inhalte ist allerdings die Atmosphäre die dabei entsteht: Auch im tiefsten Dezember steigt bei diesem Song der imaginäre Duft von kühlem Regen auf heißem Asphalt in die Nase. Der nächste Sommer kommt bestimmt – hoffentlich wieder mit Soundtrack von Pashanim.

Nura – Niemals Stress mit Bullen

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Spätestens seit dem tragischen Mord an George Floyd im Mai 2020 ist das Thema Antischwarzer Rassismus wieder in ein zentraler Aspekt vieler politischer Diskussionen und sozialer Fragen. Neben der offensichtlichen physischen Gewalt gibt es allerdings auch noch eine subtilere Form der Diskriminierung, nämlich den mindestens genau so zehrendeAlltagsrassismus.

Genau damit setzt sich Nura in „Stress mit Bullen“ auseinander und nimmt – auf einem aggressiven und doch eingängig-clubtauglichen Beat der Drunken Masters – einige Klischee-Situationen auseinander, die wohl jeder Person of Color schon einmal widerfahren ist. Auch einigen typisch stumpfen Sprüchen (die man mit einem gewissen Aussehen hierzulande scheinbar magisch anzieht) widmet sich die Berlinerin mit einer Mischung aus Humor und knallharter Attitüde und untermauert mit ihren Lines geschickt die Einfältigkeit gewisser Weltbilder. Mühelos und ohne großen moralischen Zeigefinger gedenkt sie noch an den in Polizeigewahrsam verstorbenen Oury Jalloh, dessen Mord, welcher sich im Dezember 2005 zugetragen hat, trotz unzähliger Demonstrationen, Petitionen und Berichten bis heute nicht vollständigaufgeklärt wurde.

Betterov – Dussmann

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Eine kleine, aber behutsame Indie-Welle rollt unermüdlich über Deutschland hinweg und spült hier und da immer wieder Perlen an Land. Eine davon war in diesem Jahr der Song „Dussmann“ von Betterov. Der Indie-Rocker aus Thüringen ist schon 2019 dank dem Song „Dynamit“ mit einem buchstäblichen Knall in die Szene geplatzt. Seither präsentiert er seinen zeitgenössischen Gitarren-Sound, irgendwo zwischen The Smiths und Bruce Springsteen – nur eben doch ganz neu. Immer wieder klingt bei Betterov auch der treibende Post-Punk und NDW-Sound der 80er Jahre durch, Einflüsse, die in „Dussmann“ präsenter denn je sind.

Ein statischer Beat aus der Drum-Machine läutet den Song ein, dazu schrabbelnder Bass und das vermutlich beste Songwriting, das der deutsche Indie-Rock momentan bieten kann. „Gott hat für das alles nur sieben Tage gebraucht und ich finde, genau so sieht’s hier auch aus“, heißt es in der Hook, bevor sich Betterov endgültig auf eine Synthie-Abfahrt sondergleichen begibt. Damit ist „Dussmann“ ganz die Hymne eines Nihilisten – und eine der besten Songs 2021. Mehr über Betterov erfahrt ihr übrigens in unserem Portrait – dafür haben wir Betterov Anfang 2021 in seiner Heimat Thüringen besucht.

Antje Schomaker – Ich Muss Gar Nichts

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Dass die deutsche Musiklandschaft sehr männlich dominiert ist und man sowohl auf Festival Line Ups als auch in diversen Führungspositionen in der Branche wenige weibliche Personen antrifft, ist kein Geheimnis. Genau diese Strukturen und den Frust darüber besingt Antje Schomaker in ihrer Single „Ich Muss Gar Nichts“.

Genervt vom ständigen „Tu dies nicht“ und „Tu das nicht“ schreibt die Popmusikerin die ersten Skizzen zu „Ich Muss Gar Nichts“, um zu zeigen, dass sie sich von niemandem etwas gefallen lässt. Eigentlich entsteht der Song schon vor einer ganzen Weile, doch die Personen in ihrem Umkreis reden der Sängerin zunächst ein, dass die Nummer nicht so richtig zu ihr passen würde. Zum Glück hat Antje Schomaker nicht darauf gehört, denn „Ich Muss Gar Nichts“ setz nicht nur ein empowerndes Zeichen für alle Frauen in der Musikbranche, sondern ist seit der Veröffentlichung auch ein echtes TikTok-Phänomen. In diesem Sinne: Lasst euch bloß nichts gefallen!

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