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Die Highlights aus dem internationalen Rap-Geschehen 2021

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2021 war ein bewegtes Jahr für die Hip-Hop-Szene weltweit. Ganz besonders spürt man die musikalische Vielfalt und Verästelung in Subgenres, die in so ziemlich jeder Musikrichtung um sich greift und eben auch den Rap erfasst. So hinterlässt Pop Smoke’s Brooklyn Drill fast zwei Jahre nach seinem Tod noch Spuren, aber auch davon abgesehen sehen wir von Punk-Einflüssen bis hin zu Afrobeat-Elementen eine große Bandbreite an Trends. 

Einer davon wurde streng genommen schon im letzten Jahr losgetreten: Am 25. Dezember 2020 hat Playboi Carti sein lang ersehntes und oft geleaktes Album „Whole Lotta Red“ veröffentlicht. Zum Release-Zeitpunkt war das Projekt ein kontroverses Gesprächsthema, schließlich kehrte Carti seinem melodischen Plugg-Rap den Rücken und wurde auf verzerrten, finsteren Beats zum Vampir-Lord. Mit eben diesen verzerrten Beats, die außer knappen Loops und simple Trap-Drums nicht viel brauchen, öffnete Carti allerdings die Tür zu einem Sound, der dieses Jahr entscheidend geprägt hat: Rage Rap.

Playboi Carti – Sky

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Wirklich greifbar wurde dieser Trend dann spätestens im Mai. Nach zahlreichen Ankündigungen, Leaks und Snippets erbarmte sich Trippie Redd endlich und beglückte seine Fans mit der Veröffentlichung von „Miss The Rage“, seinem langersehnten Feature mit Playboi Carti und retrospektiv dem Namensgeber von Rage Rap. Seither ist der Song wie eine Blaupause, für alles was in diese Richtung folgen sollte. 

Trippie Redd feat. Playboi Carti – Miss The Rage

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Der simple Synth-Loop hat mehr mit EDM als mit Rap gemein und klingt wie aus einem alten Arcade-Spiel entnommen. Dazu kommt das absolute Minimum an Drums und natürlich die eingängige Hook von Trippie Redd. Auf seinem nachfolgenden Album „Trip At Knight“ weitete der Rapper diesen Sound aus und bescherte uns zahlreiche Ohrwürmer. Gleichzeitig zeigt das Projekt allerdings auch auf, dass Rage Rap auf Albumlänge in Gefahr läuft, gleichförmig und ermüdend zu klingen.

Parallel treiben allerdings auch einige Newcomer wie midwxst, SoFaygo oder SSGKobe diesen Synth-Rap-Entwurf voran und offenbaren dabei sein großes Potenzial. Rage Rap ist ein kleiner Blick in die Vielleicht-Zukunft des Hip-Hops, ein futuristischer Stil, in dem synthetische Elemente Instrumente ersetzen. Mit diesem Merkmal rückt Rage Rap in greifbare Nähe zu Trends wie Hyper Pop und Glitchcore und könnte in Zukunft noch mehr mit diesen zusammenwachsen.

midwxst – Care

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Während sich das bunte Pop-Spektakel von Rage-Musik vollkommen dezentralisiert in den Weiten des Internets abspielt, lässt sich ein anderer Trend des Jahres 2021 sehr konkret auf eine Region der Vereinigten Staaten zuordnen: Detroit Rap. Häufig auch als Flint Rap oder Michigan Rap bezeichnet, spielt sich dieser Style vor allem zu Beginn beinahe ausschließlich im titelgebenden Bundesstaat Michigan  und ganz besonders der „Motor City“ Detroit ab. Seit Jahren treiben hier Protagonisten wie Rio Da Yung OG, Babyface Ray und Icewear Vezzo ein eigenes Subgenre voran.

Detroit Rap zeichnet sich vor allem durch eine gewisse Skurrilität aus, die schwer zu greifen ist. Die Beats klingen chaotisch und sind bepackt mit Glocken und schrägen Basslines. Noch auffälliger ist der Style in dem die Rapper:Innen aus Detroit darauf performen: Off-Beat, mit unkonventionellen Flows, in die scheinbar stets mehr Silben gequetscht werden wollen, als Platz ist. 

Lil Yachty feat. Rio Da Yung OG & Icewear Vezzo – Plastic

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Die Szene in Detroit köchelt schon eine ganze Weile vor sich hin. Um diesen Sound aus Michigan hinaus in die Welt zu tragen, war jedoch eine außenstehende Person entscheidend: Lil Yachty. Während der Rapper zu seinen Anfängen oft belächelt wurde, hat er sich mit den Jahren zu einem der wichtigsten Botschafter für neue Trends im Rap-Game entwickelt. Egal ob Rage- oder Detroit-Rap, Lil Yachty hat ein Auge darauf, was gerade angesagt ist – und noch viel wichtiger, was das nächste große Ding sein könnte.

Lil Yachty – Yae Energy

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Aber auch für Fans von einem eher klassischen Hip-Hop-Entwurf war 2021 ein starkes Jahr. Als eine der größten Legenden der Alten Schule hat Nas mit „King’s Desease II“ im August ein konsequent gutes Album abgeliefert. Egal ob es um die 2Pac-Hommage „Death Row East“ oder um das melancholische „Nobody“ mit Lauryn Hill geht – „King’s Desease II“ ist mit Highlights nur so bepackt und zeigt, dass Nas nach all den Jahren nichts von seinem Charme verloren hat.

Nas – EPMD

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Auch aus dem Umfeld der Griselda-Crew gab es dieses Jahr wieder einiges an Output. Sowohl Benny The Butcher als auch Conway The Machine und Westside Gunn haben jeweils Alben veröffentlicht und halten weiterhin die Flagge für einen modernen Eastcoast-Boom Bap hoch.

Ein What’s Poppin‘?-Verdienstkreuz sollte außerdem an The Alchemist gehen. Der Produzent aus Kalifornien hat an einigen der wichtigsten Hip-Hop-Alben der vergangenen Jahre geschraubt und war auch 2021 nicht untätig. Mit seinem engen Freund und Kollaborateur Boldy James erschienen gleich zwei Projekte, bepackt mit analogen Beats und kaltblütigen Bars. Ein besonderes Highlight war außerdem das experimentelle Album „Haram“, das The Alchemist für und mit dem Underground-Duo Armand Hammer produzierte. Selten war Hip-Hop 2021 so psychedelisch, so gewagt und sperrig und nicht zuletzt so lyrisch.

Armand Hammer & The Alchemist feat. Earl Sweatshirt – Falling Out The Sky

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Nachdem Tyler, The Creator 2020 ausgesetzt hatte und keine neue Musik veröffentlicht hatte, war es 2021 wieder an der Zeit. Nach den gefeierten Alben „Flower Boy“ und „Igor“ lieferte Tyler dieses Jahr mit „Call Me If You Get A Lost“ eine Hommage an die Mixtape-Ära. Passend dazu erfüllte sich der Rapper einen großen Traum und holte sich DJ Drama an Bord, der die Hörer:Innen durch das Projekt führt. Auf beinahe jedem Song macht er mit seinen Ansagen Stimmung für Tyler und gibt dem Projekt eine ordentliche Portion Oldschool-Flavour.

Überhaupt kommt diese Atmosphäre natürlich schon durch die rumpelnden Boom-Bap-Drums auf, die Tyler auf dem Großteil des Projekts berappt. Besonders spannend daran sind auch die Feature-Gäste, mit denen Tyler sein Album kuratiert. Neben Legenden wie Lil Wayne und Pharrell Williams sind es vor allem aktuelle Szene-Größen wie NBA Youngboy und Lil Uzi Vert, die für ihre Gastbeiträge den eigenen Trap-Sound mit Tylers analogen Sample-Beats austauschen. In den vergangenen Monaten hat sich Tyler, The Creator als Produzent, Sänger, Modedesiger und sogar Eiscreme-Manufakteur versucht – mit „Call me if you get lost“ ist er wieder durch und durch Rapper. 

Tyler, The Creator – LUMBERJACK

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Aber auch die absoluten Giganten der Hip-Hop-Szene waren 2021 nicht untätig. J. Cole hat mit „The Off Season“ ein Mal mehr bewiesen, dass er längst ein OG der Szene ist, ein erfahrener Künstler und Label-Chef, der sich vor niemandem verstecken muss.

Drake hat hohe Erwartungen für sein Album „Certified Lover Boy“ aufgebaut – das fertige Produkt war allerdings eher durchwachsen. Umso stärker war allerdings die vorrausgehende EP „Scary Hours 2“, die mit Hits wie „What’s Next“ sowie „Wants and Needs“ mit Lil Baby auftrumpfen konnte.

Drake – What’s Next

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Parallel zu Drakes CLB-Promo lief sich außerdem Ye aka Kanye West für die Veröffentlichung von „Donda“ warm. Wenn man an die letzten Alben aus dem Hause Ye zurück denkt, war eigentlich alles so surreal wie immer. Release-Dates kamen und gingen ohne eingehalten zu werden, Kanye zelebrierte aufwändige Release-Shows und mietete sich zwischenzeitlich sogar im Mercedes-Benz-Stadion ein. Aber schließlich kam das Album tatsächlich auf die Streaming-Dienste, ganz unspektakulär ohne Cover. Die fehlende optische Aufmachung machte allerdings die Musik an sich wett: Mit „Donda“ gelingt Ye das Spagat zwischen religiösen Motiven und Superstar-Rap, an dem er sich schon mit dem Vorgänger „Jesus Is King“ versucht hatte. 

Kanye West feat. The Weeknd & Lil Baby – Hurricane

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Während sich Drizzy, Cole und Ye mit ihren Releases nur so überboten, war es um einen weiteren gefragten Namen eher still: Von Kendrick Lamar gab es 2021 keine neue Musik. Dafür gab es im September eine erste Veröffentlichung auf seinem Label pgLang und zwar in Form von „The Melodic Blue“. So ist das Debüt-Album von Baby Keem betitelt, der das bisher einzige Signing auf pgLang darstellt und von Kendrick intensiv gefördert wird.

Mit „The Melodic Blue“ zeigte Keem Ambitionen und einen Hunger nach mehr, der über seinen Newcomer-Status weit hinausgeht. Baby Keem hebt sich von seinen Zeit- und Altersgenossen ab, sei es nun mit seiner speziellen Beat-Auswahl oder dem auffälligen Stimmeinsatz. Neben hochkarätigen Features von Don Toliver, Travis Scott und Brent Faiyaz konnte sich der Rapper aus Kalifornien außerdem gleich zwei Parts von seinem Mentor Kendrick Lamar sichern.

Baby Keem feat. Kendrick Lamar – family ties

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Im Bereich Pop-Rap hat vor allem Dojat Cat alles abgeräumt und an den massiven Erfolg vorangegangener Hits angeknüpft. Wenn das nicht sowieso längst schon klar, hat sie spätestens mit dem diesjährigen Album „Planet Her“ klar gemacht, dass sie mit Leichtigkeit auf dem Level einer Cardi B oder Nicki Minaj mitspielen kann. Wobei Leichtigkeit vielleicht das falsche Wort ist, schließlich hat Doja Cat erst kürzlich verlauten lassen, dass sie durch Erfolgsdruck und die massive Aufmerksamkeit den Spaß an der Musik verloren hat. „Planet Her“ hört man das aber zu keinem Zeitpunkt an, Doja Cat wirkt hier mit jeder Faser selbstsicher und wie gemacht für die große Bühne.

Doja Cat feat. SZA – Kiss Me More

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Zum Abschluss wollen wir noch einen Blick über den Atlantik werfen und einige Highlights aus der britischen Rap-Szene würdigen. Ein neues Gesicht in der dortigen Hip-Hop-Landschaft, von dem wir in Zukunft noch viel hören könnten, ist Central Cee. Der Rapper aus London veröffentlichte 2021 sein Debüt-Album „Wild West“ und machte sich mit Hit-Singles wie „Loading“ oder „Day In The Life“ zum Newcomer der Stunde. „Wild West“ fungiert als Paradebeispiel für selbstbewussten, britischen Drill, aber auch auf emotionaler Seite weiß Central Cee zu überzeugen. Für „Obsessed With You“ verwandelt er ein Sample von PinkPantheress in eine authentische Liebeserklärung.

Central Cee – Obsessed With You

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Ein Rapper, der noch vor wenigen Jahren an einem ganz ähnlichen Punkt stand wie Central Cee, ist Dave. 2016 weckte der damals blutjunge Newcomer mit „Thiago Silva“ das Interesse der Szene. Fünf Jahre später hat er nun mit „We’re All Alone In This Together“ eines der stärksten Alben 2021 abgeliefert. Dave weiß genau, was er da tut, ob es nun die fokussierte Lyrik auf „Heart Attack“ ist, die Afrobeat-Einschläge auf Songs wie „System“ oder „Lazarus“ oder ganz einfach lässiger Flex wie bei „Clash“.

Dave feat. Stormzy – Clash

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Last but not least kommen wir zu einem der monumentalsten Alben des zu Ende gehenden Jahres: „Sometimes I might be introvert“ von Little Simz. Länder- und genre-übergreifend ist „SIMBI“ einsame Spitze und vor allem ein Album, dass sich traut groß zu sein. Die Produktion klingt mehr nach Film-Soundtrack und Orchester-Darbietung als nach einem Rap-Album, bestes Beispiel hierfür ist der eröffnende Song „Introvert“. Inhaltlich gibt Little Simz so viel wie noch nie: Sowohl von sich als Künstlerin, als auch von ihrem ganz privaten Dasein als junge, schwarze Frau im Vereinigten Königreich. Der intrinsische Drahtseilakt, der mit ihrer introvertierten Persönlichkeit und ihrem Dasein als angehender Popstar einher geht, äußerte sich bei Little Simz in verschiedensten Gedanken, Emotionen und Spannungen. Diese intimen und bereichernden Prozesse verarbeitet Simz auf „Sometimes I Might Be Introverted“ fachgerecht zu stets pointierten Lines und routinierten und doch abwechslungsreichen Flows.

Little Simz feat. Cleo Sol – Woman

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