Dieser eine Song: Jay-Z & Linkin Park – Numb / Encore
Heute gibt es in der Musikbranche eigentlich kein Feature, das nicht zu skurril ist, um es zu machen. Künstler, die man eigentlich nie nebeneinander in einem Satz genannt hätte, rücken auf einmal in greifbare Nähe: Udo Lindenberg landet plötzlich einen Sensationshit mit Apache 207, OK Kid machen auf einmal gemeinsame Sache mit Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel, Ski Aggu sorgt für ein Otto Walkes-Comeback und, und, und.
Eine Collabo war nicht trotz, sondern gerade wegen des Erfolgs gewagt
Features und Collaborations haben sich längst als cleveres Marketing-Instrument etabliert. Fans werden womöglich auf Künstler aufmerksam, die ihnen davor gar nichts gesagt haben. Vor 20 Jahren war das anders. Umso mutiger ist im Nachhinein die Zusammenarbeit der Nu-Metal-Band Linkin Park mit dem Rapper Jay-Z. Die beiden veröffentlichten im November 2004 ein Mashup-Projekt ihrer größten Hits: „Collision Course“. Darunter „Numb / Encore“, der von den sechs Songs den größten Erfolg hatte.
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Die Zusammenarbeit dürfte damals auch deswegen für ein dickes Stirnrunzeln bei dem einen oder der anderen gesorgt haben, weil sowohl Linkin Park als auch Jay-Z eine große Nummer waren – allerdings innerhalb völlig verschiedener Bubbles. Linkin Park um Sänger Chester Bennington und Rapper Mike Shinoda hatten mit ihrem Debütalbum „Hybrid Theory“ in den USA innerhalb der ersten vier Monate direkt Platinstatus erreicht. Jay-Z konnte bereits acht Nummer-1-Alben präsentieren. Eine Zusammenarbeit war nicht trotz, sondern gerade wegen des Erfolgs beider Künstler gewagt. Es stand viel auf dem Spiel, denn es war nicht klar, wie das gemeinsame Projekt bei den vielen Fans beider Lager ankommen würde.
Jay-Z ist sofort begeistert
Mike Shinoda war es, der die Collabo ins Rollen brachte. Er schickte Jay-Z ein paar Mashups zu Songs von dessen „Black Album“, das zuvor erschienen war. „Ich wollte nicht einfach sagen: Lass uns das mal machen“, sagte Mike Shinoda später in einem MTV-Interview. „Ich wollte ihm zeigen, wie es klingen könnte, falls wir es machen sollten.“ Jay-Z war sofort Feuer und Flamme. „Er wollte danach nur Mails schreiben, statt persönlich zu sprechen“, erzählte Mike Shinoda. „Er dachte, das würde seine Begeisterung besser für den Moment aufheben, wenn wir uns tatsächlich treffen.“
Wohl die wenigsten hätten gedacht, dass man „Numb“ und „Encore“ gut kombinieren könnte, auch wegen der Texte. Jay-Z feiert sich in „Encore“ selbst, während Chester Bennington in „Numb“ über Erwartungen singt, die er nicht erfüllen kann. Im Nachhinein kann man sagen: Die beiden Songs harmonieren ausgezeichnet als Mashup – auch weil sie ganz bewusst ausgewählt wurden, wie Mike Shinoda erklärte: „Wir wollten Songs nehmen, die ähnlich genug sind, dass sie zusammen gut klingen.“ Dabei ging es vor allem um Tempo und Rhythmus.
„Numb / Encore“ war wegweisend
Wer nur das Mashup kennt, würde vermutlich nicht auf die Idee kommen, dass das mal zwei einzelne Songs waren. Das Fundament bilden die ikonischen Synthies von „Numb“, die sich allerdings nicht zur ursprünglichen Screamo-Hook aufladen, sondern nach Hip-Hop-Tradition als Sample neu angeordnet werden und sich die Drums von Jay-Zs „Encore“ borgen. Während die beiden Songs musikalisch ineinanderfließen, ist der Text streng aufgeteilt. Erst rappt Jay-Z seinen Teil aus „Encore“, dann singt Chester Bennington seinen aus „Numb“. Trotzdem entsteht eine Synergie, die zuvor außer Mike Shinoda wohl niemand so vermutet hätte.
Das Mashup wurde ein Riesenerfolg, gewann 2006 einen Grammy in der Kategorie „Beste Rap/Gesang Collaboration“ und gehört bis heute zu den größten Hits beider Künstler. 2017 wurde „Numb / Encore“ noch einmal in die Schlagzeilen gespült, als Jay-Z das Mashup auf einem Festival sang und damit an Chester Bennington erinnerte. Der Sänger hatte sich wenige Wochen zuvor das Leben genommen. Was bleibt, ist das Erbe seiner Band, die in vielen Belangen wegweisend war – so auch in Sachen Features.
Unsere offizielle Playlist zu „Dieser eine Song“:
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