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Dieser eine Song: Lil Peep – Star Shopping

Posted in: Dieser eine Song
Tagged: Lil Peep

Heute stellen wir bei „Dieser eine Song“ unsere Zeitmaschine auf das Jahr 2015. Es ist eine Zeit, in der der Rap-Untergrund boomt und ständig neue Artists und Stile hervorbringt. Der fruchtbare Nährboden für diese neue Generation ist damals vor allem Soundcloud, aus dem täglich Newcomer wie XXXtentacion, Ski Mask The Slump God, Trippie Redd oder Lil Pump sprießen. Einer der größten Stars dieser Ära ist Gustav Ahr aka Lil Peep. Schon in seinen ersten Songs vereint er Trap-Beats aus den Südstaaten mit melancholischen Gitarren und gerappte Parts mit gesungenen Passagen. Ein Crossover, dass es so zuvor nicht gab und das seine Fans bald als Emo-Rap betiteln. Bis heute erfreut sich die Genre-Fusion großer Beliebtheit und bringt zahlreiche weitere Talente hervor, aber die Blaupause bleibt Lil Peep mit seinem Hit „Star Shopping“.

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Ein schüchterner Rockstar

Als Lil Peep in die Szene platzt, ist er der Prototyp einer neuen Gattung. Mit anderen Rappern und Produzenten wie Lil Tracy, Fish Narc, Horse Head und Cold Hart bildet er damals schon die Crew Gothboiclique – und der Name ist Programm. Lil Peep trägt gefärbte Haare, verwaschene Bandshirts und Tattoos im Gesicht, sieht aus wie ein Rockstar, gibt sich in Interviews aber eher schüchtern und introvertiert. Dazu passt auch die Musik, die er veröffentlicht. Die Samples dafür kommen von Bands wie Radiohead, Avenged Sevenfold, The Postal Service und Underoath, die Songs beschäftigen sich vor allem mit Themen wie Depressionen, Suizid, Drogenkonsum, toxischen Beziehungen und Heartbreak. Also Inhalte, die eher nach Emo und Punk klingen, als nach dem materialistischen Flex, den zu einer ähnlichen Zeit Artists wie Lil Pump oder Smokepurpp ins Mikrofon krächzen. 

Blueprint der Soundcloud-Ära

Als eine seiner ersten Singles veröffentlicht Lil Peep 2015 „Star Shopping“ – ein Song, der bis heute bezeichnend für seine Karriere und die gesamte Souncloud-Rap-Epoche ist. Wie viele Releases zu dieser Zeit besticht „Star Shopping“ mit seiner Authentizität und Rohheit. Die Produktion ist verwaschen und skizzig, Lil Peeps Stimme klingt wie aus weiter Ferne. Bei einem Konzert in Minnesota erklärte er dem Publikum, er habe „Star Shopping“ im Schlafzimmer seiner Mutter geschrieben, als er high auf Heroin war.

Im Song geht es um seine Jugendliebe, Emma Harris, mit der er seit der Grundschule befreundet ist und von der laut seiner Mutter die meisten seiner Songs handeln. In den Lyrics reflektiert er das ambivalente Verhältnis, zwischen unerwiderter Liebe und übergroßem Selbstbewusstsein: „I know that I’m nothing like someone her family want me to be / If I find a way, would you walk it with me? / Look at my face while you talkin‘ to me / ‘Cause we only have one conversation a week / Can I get one conversation at least?“. Trost findet er am Ende beim Blick nach oben: „Look at the Sky tonight, all of the stars have a reason / A reason to shine, a reason like mine and I’m fallin’ to pieces“.

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Tödlicher Mischkonsum

Schon bei seiner Veröffentlichung auf Soundcloud findet „Star Shopping“ großen Anklang, obwohl der Song wegen einem ungeklärten Sample nicht auf Spotify, Apple Music und Co. erscheinen darf. Wenig später folgen erste EPs und Mixtapes wie „crybaby“, „Hellboy“ und „Castles“ sowie im August 2017 dann Lil Peeps Debütalbum „Come Over When You’re Sober“. Am 15. November, fast auf den Tag genau drei Monate später, stirbt Lil Peep in einem Krankenhaus in Tucson, Arizona. Todesursache: Herzstillstand, herbei geführt durch eine unwissentliche Mischung aus Xanax und Fentanyl. Der Autopsiebericht weist außerdem Kokain, Marihuana sowie diverse Opioide nach. 

Was hätte sein können?

Sein tragischer Tod verleiht Lil Peep endgültig Legendenstatus. Zu Lebzeiten prognostizierten ihm Fans und Presse eine große Zukunft als Stimme einer neuen Emo-Ära – durch sein viel zu frühes Ableben schwebt über seiner Karriere für immer ein großes: „Was hätte sein können?“. Seither sorgt seine Familie für den Nachlass und dafür, dass immer wieder posthume Releases erscheinen – teils völlig neue Songs, teils Relikte aus Peeps Soundcloud-Zeit.

Zu letzteren gehört auch „Star Shopping“, der erst 2019 offiziell auf den Streamingplattformen erschien, nachdem man die Sample-Streitigkeiten geklärt hatte. Trotz der verspäteten Veröffentlichung zählt „Star Shopping“ heute zu den meist gestreamten Rap-Songs überhaupt – und erinnert heute bittersüß an die Zeit, in der Rapper angefangen haben, über ihre Gefühle zu singen.

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