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Emo-Trap: Wie geht es mit Lil Peeps Vermächtnis weiter?

Posted in: Features
Tagged: Lil Peep

Wenn deine Lieblings-Musik von Bands wie Nirvana und Good Charlotte kommt, du dann aber doch den Karriereweg Rapper einschlägst, ist schon vorprogrammiert, dass da eine wilde Mischung entsteht. Und genau so war es schließlich auch bei Gustav Ahr, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Lil Peep. So nennt der Rapper aus New York auch sein erstes Mixtape, dass er im Jahr 2015 in die Tiefen von Soundcloud entsendet. Schon diese ersten Songs bilden eine erstaunlich ausgereifte Blaupause für die Musik, die in den folgenden Jahren als Emo-Trap bekannt wird: Verwaschene Lo-Fi-Beats, dominiert von Gitarren-Samples und düsteren Inhalten zwischen Suizid-Fantasien, destruktiven Beziehungen und Drogen-Rausch.

Lil Peep – Beamerboy

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Mit seiner Musik trifft Lil Peep den Nerv einer ganzen Teenager-Generation, die sich mit seinen Problemen identifiziert. Songs wie „Beamer Boy“ oder „Star Shopping“ werden zu Soundcloud-Hits und spätestens mit den Mixtapes „Crybaby“ und „Hellboy“, die beide 2016 erscheinen, erlangt Lil Peep Popularität, die über das Internet hinausgeht. Aber mit einer erfolgreichen Karriere ist eben nicht alles getan und die Dämonen, die Lil Peep besingt, verfolgen ihn auch weiter. Am 15. November 2017 verstirbt der Rapper mit nur 21 Jahren in seinem Tourbus in Tucson, Arizona. Über den genauen Grund für sein Ableben wird noch heute spekuliert, aber das Gemisch aus verschiedenen Drogen wie Fentanyl, Xanax und Kokain, die man in seinem Blut nachweisen konnte, weist auf eine Überdosis hin. Mit diesem tragischen Tod verliert die Emo-Trap-Bewegung ihre Gallionsfigur, doch das bringt die Welle nicht zum Stillstand. Ganz im Gegenteil: Die Gleichgesinnten aus Lil Peeps Crew, der Goth Boi Clique, machen an der Stelle weiter, wo er aufgehört hat und auch viele Newcomer springen auf den Zug auf. Einer von Peeps vielen Erben ist SpaceMan Zack. Der Rapper und Sänger aus Texas orientiert sich nicht nur in seinem Auftreten mit gefärbten Haaren, Bandshirts und lackierten Fingernägeln an seinem Vorbild, auch die Musik kommt sehr nah an die ersten rohen Songs, die Lil Peep seiner Zeit ins Netz gestellt hat, heran.

SpaceMan Zack – Scumbagc

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Auch kommerziell findet der Emo-Trap-Sound großen Anklang. In den Händen von Künstlern wie Trippie Redd, Juice Wrld oder sogar Post Malone wird der Sound sauberer ausproduziert und mit großen Pop-Melodien versehen. Was bleibt, sind die Einflüsse aus Grunge und Punk-Rock sowie die Themenwelt, die Lil Peep eröffnet hat: Die Hip Hop-Szene nach seinem Tod ist eine weichere, in der mehr gesungen wird und aus der man Herzschmerz und Romantik kaum noch wegdenken kann. Und so tritt auch ein Hüne wie Trippie Redd nicht als arroganter Herzensbrecher auf, ganz im Gegenteil, er zeigt sich verletztlich und schreit sich den Liebeskummer von der Seele: „I wish that you could love me more“.

Trippie Redd – Love Me More

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Die Botschaft, dass Gitarren und 808-Drums eine fruchtbare Mischung sind, ist natürlich auch schon längst nach Deutschland durchgedrungen. Es sind vor allem Newcomer wie Edo Saiya („Rote Gauloises“) oder zuletzt Jace („Heartbreaks“), die hierzulande Lil Peeps Vermächtnis umsetzen. Parallel dazu ergänzen James Jetski und Yung Isvvc aus LGoonys Lichtgang-Umfeld den bewährten Sound um ganz eigene Einflüsse. „Drill Grunge“ nennen sie die Eigenkreation, die eine ganze Ecke euphorischer und moshpit-tauglicher als der Emo-Trap von anderen Zeitgenossen daherkommt. Man versteht sich als eine Schnittstelle zwischen Hip Hop und Rock, das zeigen schon Songtitel wie „Blink187“. Über den von Yung Isvvc produzierten Gitarren-Beat flowen die beiden Rapper im fliegenden Wechsel über Luxusmarken und Kaufsucht – und zeigen mit Zeilen wie der folgenden, dass sie sich nicht übermäßig ernst nehmen: „Ich hab ihr Herz gestohlen wie Organmafia, ich bin ein Rockstar ohne Guitar/ Niemand hilft mir durch schwere Zeiten, ich trage all meine Chains alleine“.

James Jetski & Yung Isvvc – Blink187

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„Blink187“ zeigt überdeutlich, dass die Verwandschaft zu Lil Peep bei James Jetski und Yung Isvvc vorallem musikalischer Natur ist. In das thematische Spektrum von Emo-Trap fällt dagegen viel eher ein ganz anderes Duo, das uns im vergangenen Mai ohne Vorwarnung mit „Vermissen“ einen Hit der Extraklasse abgeliefert hat: Juju und Henning May. Die Kombination aus Rapperin und Band-Frontmann erscheint auf den ersten Blick vielleicht abwegig, geht aber musikalisch glänzend auf und ist dabei näher an Lil Peeps Sound, als man vielleicht denken mag. Schwere 808-Bässe, düstere, verzerrte Gitarren und eindringlicher Gesang über eine verflossene Liebe – alles Bausteine, die man auch im Emo-Trap-Repertoire vorfindet. Zugegeben, Zeilen wie „Steige wieder in den Tourbus und ich riech‘ an deinem Shirt“ lassen die Melancholie eher oberflächlich erscheinen, aber schon Lil Peep hat sich bestens darauf verstanden, seine Hits aus einfachen, plakativen Texten zu bauen.

Juju feat. Henning May – Vermissen

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Doch wie soll es weiter gehen, mit dem Subgenre, dass Lil Peep seiner Zeit eröffnet hat? Tatsächlich könnte das überraschende Aufeinandertreffen von Juju und Henning May einen entscheidenen Hinweis geben: Die beiden grundverschiedenen Klang-Welten, die sie repräsentieren, werden sich weiter annähern. Wenn sie am Zeitgeist bleiben wollen, sollten Bands sich schon einmal daran gewöhnen, auch mal eine synthetische 808 zwischen ihre Live-Instrumente aufzunehmen. Und auch umgekehrt experimentiern Emo-Rapper bereits mit Beats, die den klassischen, langsamen Trap gegen schnellere Rhythmen aus Emo- und Punk-Rock austauschen. Einer von ihnen ist der us-amerikanische Rapper Fish Narc, womit wir wieder zurück am Anfang wären. Denn er ist mit Kollegen wie Lil Tracy, Wicca Phase Springs Eternal und Cold Hart Teil der Goth Boi Clique, der verschworenen Crew, der auch Lil Peep bis zu seinem Tod angehört hat. Für ihn und mit ihm hat Fish Narc schon zu Soundcloud-Zeiten Musik produziert, damals noch im zeitgemäßen Lo-Fi-Trap-Gewand. Fünf Jahre später hat sich einiges geändert. Während viele Künstler aus Lil Peeps ehemaligem Umfeld weiter Emo-Trap nach Grundrezept veröffentlichen, ist Fish Narc drauf und dran, sich neu zu erfinden: Seine aktuelle Musik erinnert viel mehr an Bands wie Blink182 oder My Chemical Romance, als an zeitgenössische Internet-Trapper. Kein Wunder, denn Fish Narc hat selbst schon einiges an Band-Erfahrung und so finden sich in seinen neuen Songs, die er mit hoher Frequenz veröffentlicht, vor allem Elemente aus Emo- und Pop-Punk: Schnelle Gitarren-Instrumentals, die mehr nach Live-Band, als nach digitaler Produktion klingen, gesungene Parts statt Rap-Flows und nicht zuletzt sogar Growling-Ansätze wie in der eingängigen Hook zu „So long!“.

Fish Narc feat. Cold Hart – So long!

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Zusammenfassend lässt sich sagen: Auch wenn Lil Peep seit mehr als zwei Jahren nicht mehr unter uns weilt, lebt sein Vermächtnis durch andere Künstler weiter. Newcomer wie SpaceMan Zack machen Lil Peeps ursprünglichem Style alle Ehre, während Trippie Redd und Post Malone den Emo-Trap auf die große Bühne bringen. Mit James Jetski und Yung Isvvc hat der Emo-Trap außerdem längst auch in deutschen Gefilden Einzug gehalten und ist dank „Vermissen“ sogar im Radio vertreten. Und wer weiß, vielleicht beschreiten bald noch weitere Zeitgenossen den selben Weg wie Fish Narc und sorgen dafür, dass sich Emo-Trap und Emo-Rock noch weiter annähern – eine Entwicklung, die Lil Peep sicher Freude bereitet hätte.

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