Diffus Weltreise: 5 spannende Künstler:innen aus Kanada
Unsere Diffus Weltreise nach Kanada ist ein wenig anders als die anderen Folgen. Diesmal hatten wir nämlich wirklich die Chance, dort hinzureisen und die hier genannten Acts live auszuchecken. Wir waren im Winter beim Festival „M For Montreal“ eingeladen, wo vielversprechende Newcomer:innen aus Kanada vor einem recht internationalen Fachpublikum auftreten. Montreal ist eine gute Adresse für so ein Festival: Hier lebten und leben immerhin Acts wie Leonard Cohen, Arcade Fire oder Godspeed You! Black Emperor.
Naya Ali
Die in Äthiopien geborene Rapperin aus Montreal ist eines der spannendsten Talente in der kanadischen Rap-Szene. Seit 2017 haut sie toughe, street-smarte, stolze Tracks raus und brachte im vergangenen Jahr ihr zweites Album „Godspeed: Elevated“ an den Start.
Naya Ali – Another One
Erstaunlich ist dabei vor allem, dass Naya Ali als Englisch rappende Künstlerin den Respekt ihrer Heimatstadt erkämpft hat – Montreal liegt nämlich im Französisch sprechenden Teil des Landes und die Wahl der Sprache ist somit ein Politikum. Aber Naya Ali sucht gerade deshalb oft die Zusammenarbeit mit frankophonen Rapper:innen wie Benny Adam, White-B oder Ticaso. Das Wechseln zwischen zwei Sprachen findet sie gerade in Montreal mehr als natürlich. Dazu sagte sie mal in einem Interview: „Es ist wichtig, dass ich mit der Kultur meiner Heimatstadt verbunden bin. Viele Menschen, die hier leben, springen vom Französischen ins Englische und zurück – das auch in meiner Musik manchmal zu tun macht also voll Sinn.“
Alex Nicol
Wenn man in Montreal über den Saint Laurent Boulevard läuft, hat man bisweilen das Gefühl, hier spiele jeder und jede in einer Indie-Band. Tatsächlich gibt es zahlreiche Musiker:innen in dieser Stadt, die schon einige spannende Acts hervorgebracht hat. Alex Nicol, der seinen Namen mit einem bekannten, verstorbenen US-Schauspieler teilt, spielte lange Zeit in der Band Hoan und ist seit 2020 solo unterwegs. Er ist einer dieser stylischen Indie-Schmerzensmänner, die ihre schwermütigen Texte mit Ironie vor dem Klischee retten.
Alex Nicol – Two Times A Charm
Sein Debütalbum „All For Nada“ erfindet zwar das Genre nicht neu, ist aber eine formidable Songsammlung, die vor allem durch Nicols Stimme gewinnt. Er kann herzzerreißend seufzen, dramatisch jaulen oder verführerisch croonen. Wer also die ruhigeren Stücke von Arcade Fire mag, käme bei Alex Nicol auf seine Kosten.
Century Egg
Punk-Pop ist ist ja dank Superstars wie Willow und Machine Gun Kelly wieder auf dem Vormarsch. Mit einer erfreulichen Weiterentwicklung: Es sind nicht mehr nur weiße Mittelstands-Kids, die diese verdammt spaßige Musik zelebrieren. Und damit wären wir bei Century Egg, denen man schon am Bandfoto und an den Musikvideos ansieht, dass sie eine freigeistige Truppe sind. Wobei Century Egg ihre Musik lieber als Kreuzung zwischen „Garage Rock und Mandopop“ benennen, weil Popmusik aus Ost-Asien ein wichtiger Einfluss sei.
Century Egg – Do You Want To Dance?
Shane Keyu Song (she/her), Robert Drisdelle (he/him), Matty Grace (she/they) und Meg Yoshida (she/her) stammen aus bzw. von der Halbinsel Nova Scotia an der Atlantikküste Kanadas und spielen einen schnörkellosen, eingängigen, gut gelaunten Pop-Punk, der vor allem dann Spaß macht, wenn man die Band live auf der Bühne sieht. Ihre aktuelle EP „Little Piece Of Hair“ ist zwar noch ein absoluter Geheimtipp, aber wir wünschen Century Egg, dass sich ihr Live-Charisma gefälligst rumspricht und man sie auch mal hierzulande sehen kann.
Backxwash
Angekündigt wurde die Musik von Backxwash beim M For Montreal als „Queer Horrorcore“, was die Sache gut trifft. Die 1991 in Sambia geborene und in Montreal lebende Ashanti Mutinta, die sich hinter diesem Moniker verbirgt, gewann für ihr Debüt aus dem letzten Jahr „GOD HAS NOTHING TO DO WITH THIS LEAVE HIM OUT OF IT“ den renommierten Polaris Music Price. Schon in diesem Jahr legte sie dann das, wieder grandios betitelte, Album „I LIE HERE BURIED WITH MY RINGS AND MY DRESSES“ nach.
Backxwash – Album Launch Show
Ihre Gigs sind eine visuelle und musikalische Überforderung – was als Kompliment gemeint ist. Backxwash geht mit ihrem Mix aus Gothic-Ästhetik, Industrial-Sounds, Screamo-Parts und wütendem Rap, bei dem sie schon mal Black Sabbath oder Godspeed You! Black Emperor sampled, sozusagen auf eine audiovisuellen Frontalangriff, der einen im besten Sinne verdattert zurücklässt.
Corridor
Die hotteste Show in Town war nicht offiziell mit dem Festival verbunden, muss hier aber trotzdem erwähnt werden: Corridor – die mit ihrem aktuellen, dritten Album „JUNIOR“ übrigens die erste französisch-sprachige Band auf Sub Pop sind – luden ins schnell ausverkaufte Théâtre Fairmount im hippen Distrikt Mile End.
Corridor – Grand cheval
Corridor spielen Shoegaze auf Adrenalin und brachten den Laden damit komplett in Bewegung. Ihr krautig-tightes Rhythmus-Gefühl und das Charisma von Sänger und Bassist Dominic Berthiaume, der ironisch stilsicher im Nickleback-Shirt auf der Bühne stand, sorgten dafür, dass am Ende sogar crowdsurfen angesagt war.
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