DIFFUSer Popkulturjournalismus bei (fast) 71,4 Grad Celsius – feat. Jugo Ürdens, CARLI und „Die Discounter“-Star Klara Lange
Hallo zusammen!
Wir hoffen, ihr seid über das Wochenende weder geschmolzen noch umgekippt. Die letzten Tage waren jedenfalls eine weitere Warnung der Dinge, die da noch kommen können in Sachen Klimawandel und Temperaturentwicklung. Wer auf der Fusion war oder auf anderen Festivals in Europa hatte vermutlich das Gefühl, es könne jeden Moment einer dieser riesigen „Dune“-Sandwürmer durch den ausgedörrten Boden brechen. Oder aber eine Horde motorisierter „Mad Max“-Bösewichter würde plötzlich dröhnend am flimmernden Horizont erscheinen. Wobei man ja überhaupt schon „Glück“ hatte, wenn das Festival, das man besuchen wollte, überhaupt stattfand. In den Niederlanden wurde zum Beispiel das riesige Hardstyle-Event Defqon.1 im letzten Moment gecancelt. Zu einem Zeitpunkt, als viele tausende Besucher:innen schon auf dem Zeltplatz waren. Die zerlegten dann auch prompt Teile des Geländes, weil sie das gar nicht so geil fanden. Wobei man sagen muss: Es gab von der niederländischen Regierung die höchste Hitzewarnstufe, und die Vermutung liegt nahe, dass der Veranstalter Q-Dance vielleicht nicht entsprechend versichert gewesen wäre, wenn bei einer Durchführung etwas Schlimmes passiert wäre. Hitzewellen wie diese, inmitten der Festivalsaison, zeigen wieder einmal die Herausforderungen der kommenden Jahre. Vor allem Festivals wie die Fusion, Hurricane, Southside oder Rock am Ring werden langfristig Wege finden müssen, mehr Schattenflächen auf ihre Festivalwiesen oder Flughafengelände zu bringen. Auch für die Artists sind die Mittags- und Nachmittags-Slots oft eine Zumutung, wenn sie inmitten der prallen Sonne performen müssen. Erschreckend ist bei all dem mal wieder die Ignoranz all der rechten Populisten, die seit Jahren gegen Klimaaktivismus wettern und grüne, nachhaltige Politik diffamieren. So hat sich die rechte Politikerin Marine Le Pen plötzlich im Angesicht der Hitzewelle in Frankreich ganz aktivistisch gezeigt und gleich die Lösung des Problems gefunden: Mehr Klimaanlagen für alle! Super-Idee. Geht ja nichts über langfristige Lösungen. Wobei es ja schon fast ein Plus ist, dass sie Klimakrise mal nicht „den Ausländern“ in die Schuhe geschoben hat, wie sie es sonst bei jedem Problem macht. Unsere Blaupfosten von der AfD sind da übrigens ganz ähnlich unterwegs: Mehr Klimaanlagen und wieder mehr Atomkraft ist so ungefähr die Forderung der Partei, die den menschengemachten Klimawandel in weiten Teilen leugnet. Trotzdem sagte zum Beispiel die Afd Lahr ihr Sommerfest wegen einer Hitzewarnung ab. Das ist ja auch wenig konsequent.
Anyway: Diese Hitzewelle und die Hitzerekorde, die fast täglich gebrochen wurden, sind mehr als beunruhigend. Als sich eine Moderatorin auf RadioEins heute morgen versprach und sagte, der aktuelle Rekord käme aus Neißemünde-Coschen im Landkreis Oder-Spree mit 71,4 Grad Celsius – da haben wir das sogar kurz geglaubt. Stellten dann aber fest, dass es „nur“ 41,7 Grad waren. Mal sehen, wie lange es dauert, bis wir dann wirklich mal irgendwo bei 70 Grad plus ankommen …
Jugo Ürdens im Interview: „Ich bin das erste Mal urstolz auf das, was ich mache.“
Jugo Ürdens hat in den letzten zehn Jahren gefühlt jede Version seiner selbst einmal ausprobiert. Rap-Newcomer, Wiener Szene-Geheimtipp, Division-Signing, JUGO mit großem Y, Jugo Ürdens mit Augenzwinkern. Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Stillstand ist für ihn keine Option. Oder wie er selbst sagt: „Veränderung ist sehr wichtig und stehen bleiben ist der Tod.“ Im DIFFUS-Interview spricht der Wiener über falsche Entscheidungen, Spielsucht, den langen Weg zurück zu sich selbst und darüber, warum sein neues Album „Für mich“ am Ende doch für alle gedacht ist.
Unsere Lieblingssongs der Woche
Bei unseren Song-Darlings der Woche geht es emotional los: Antje Schomaker singt in „30€“ schmerzhaft ehrlich über ihren abwesenden Vater. Der Künstler Baumgart ist da ein wenig unbeschwerter unterwegs und liefert mit „Morgen früh“ „rauen Indie-Pop gegen das Zuhausebleiben“, wie es Kollegin Linda so schön formuliert hat. Songwriterin Laura Nahr hatte zuletzt auf Englisch getextet, singt aber auf dem entspannt-schönen „halb so wild“ tröstende Worte auf Deutsch. SKORTS um Sängerin und Gitarristin Alli Walls haut uns mit „Headrush“ einen darken Post-Punk-New-Wave-Indie-Bastard an den Kopp, während Vancouvers-DIY-Queen Sophia Stel mit „Molly In The Club“ zwischen Drum’n’Bass und Electro-Pop durch die Clubs schwebt.
Album der Woche: Brutalismus 3000 – Harmony

Brutalismus 3000 haben sich seit ihrem Durchbruch mit „Satan Was A Babyboomer“ in 2021 längst von einem Berliner Club-Phänomen zu einem internationalen Festival-Act entwickelt. Auf ihrem zweiten Album „Harmony“ klingt das Duo aus Theo Zeitner und Victoria Vassiliki Daldas fokussierter denn je und verbindet Gabber, Hardstyle, Punk, Trap und Wave zu einem Sound, der trotz aller Härte überraschend viel Emotionalität zulässt. Der Titel war zunächst als Gegenentwurf zu toxischer Positivität gedacht, das Album ließ im Entstehungsprozess dann aber doch mehr Softness und Melancholie zu, als geplant. Zusammengehalten wird es vor allem von Daldas’ Stimme, die aus Schreien, Gesang und verzerrten Phrasen Hooks formt, die Paranoia, Sehnsucht und Aggression greifbar machen.
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