Disarstar und Jassin verarbeiten in „Tochter“ transgenerationale Traumata
Im Mai diesen Jahres kündigte Disarstar sein Album „Hamburger Aufstand“ für den 29. August an. Nach „Deutscher Oktober“ (2021) und „Rolex für alle“ (2022) reiht sich das kommende Werk in die Abfolge politischer Alben ein, die mit dem Finger systemkritisch auf ungerechte Machtstrukturen zeigen. Dass auf Disarstars Alben aber immer auch Platz ist für Songs über Liebe oder mentale Gesundheit und diese Themen in der Diskografie des Hamburger Rappers mindestens eine gleichwertige Rolle spielen, zeigt er auf „Hamburger Aufstand“ mit der Veröffentlichung von „Tochter“.
Mit Jassin hat sich Disarstar für die Thematik des Songs einen Feature-Gast ins Boot geholt, der es mindestens genauso gut versteht, sowohl politischen als auch emotionalen Inhalten in seinen Tracks Raum zu geben. Und dass sich gefühlvoller Rap, der eine persönliche Geschichte erzählt gut mit einer starken Jassin-Hook macht, die eine ähnliche Perspektive durchsickern lässt, hat schon „Nach Hause komm‘“ von Trettmann mit dem Wittenberger Rapper gezeigt.
Disarstar und Jassin: Zwischen Verletzung und Vergebung
Bei „Tochter“ geht es um die Aufarbeitung und Weitergabe transgenerationaler Traumata. Dass man irgendwann beginnt, die eigene Vergangenheit zu bearbeiten und sich dem Schmerz stellt. Der Versuch zu verstehen, dass die Eltern auch nur nach ihren Erfahrungen handeln, ohne dabei aber den eigenen Verlust aus den Augen zu verlieren.
Sehr persönlich und nahbar rappt Disarstar mit Schmerz in der Stimme: „War jahrelang meistens alleine / du kannst es nur fühlen, wenn du weißt, was ich meine / zu viele traurige Songs, doch wenn es nicht weh tut dann schreibe ich keine / weil ich schwör‘ es tut noch weh / zum Vergeben ist‘s zu früh oder schon zu spät“. Fast versöhnlich antwortet Jassin in seiner sanften, emotionalen Stimme auf den düsteren Beat: „Wenn ich nicht fühlen kann, dann weiß ich warum / heißt nicht, dass sich‘s deshalb nicht lohnt / weil meine Mom ist auch nur ‘ne Tochter und mein Dad ist auch nur ein Sohn“.
Mit dem Zwiespalt, wie sich die Beziehung zu den eigenen Eltern und zu sich selbst entwickelt, wenn man beginnt Grenzen zu ziehen und Muster zu durchbrechen, sprechen Disarstar und Jassin wohl einer ganzen Generation aus der Seele. Dass die beiden Rapper für diese schmerzhaften Erfahrungen, die oft sprachlos machen, Worte finden, hat aber auch etwas Heilsames. Hamburger Aufstand erscheint am 29. August.
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