DomCom „Pillion“: Von queerer Biker-Gang bis entfesselnder Selbstbestimmung
Wenn man „Pillion“ oberflächlich in drei Worten beschreiben müssten wären es wohl folgende: Biker, Homosexualität und Sex. Auf den zweiten Blick ist es jedoch eine Geschichte über emotionale Abhängigkeiten, Selbstbestimmung und Machtgefälle.
Inspiriert von dem Buch „Box Hill“ des britischen Schriftstellers Adam Mars-Jones von 2020 begleiten wir auch in der Verfilmung Colin (Harry Melling) in seinem alltäglichen Trott. Er lebt noch bei seinen Eltern, geht einem trostlosen Job beim Ordnungsamt nach und versteckt sich hinter seiner schüchternen Fassade. Dann trifft er auf den älteren Biker Ray (Alexander Skarsgård), der ihn in die homosexuelle Welt der Biker einführt. Schneller als man schauen kann, befinden sich die zwei in einer unterwürfigen SM-Beziehung. Colin fügt sich zunächst in seiner Sklavenrolle, stellt sich im Verlauf aber immer mehr die Frage, ob er sich darin eigentlich noch wohl fühlt.
Die Grenze zwischen Sklaverei und Selbstbestimmung
Die queerer DomCom feierte bei den Filmfestspielen in Cannes Premiere und war bei diesen unter anderem für die „Caméra d’Or“ und die „Queer Palm“ nominiert und gewann in der Kategorie für das beste Drehbuch.





In knackigen 106 Minuten erlebt man eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Von hochgradiger Irritation über das, was da auf dem Bildschirm passiert, bis hin zu mitfühlendem Verständnis. „Pillion“ ist ein Film, der zweifellos viel mit einem macht, besonders zum Nachdenken anregt. Etwas, das sich schon in der Erzählweise des Films abzeichnet. Die Musik steuerte Oliver Coates bei, der unter anderem mit an der Filmmusik für das hochgelobte Drama „Aftersun“ beteiligt war. Anstatt mit schnellen, hektischen Kameraeinstellungen oder überladenem Sound zu arbeiten, setzte Produzent und Regisseur Harry Leighton auf eine ruhige Erzählweise. Es lässt die Zuschauenden beinahe so fühlen, als würde man in dem introvertierten, stillen Wesen von Colin stecken. Wenn man also eins sagen kann, dann: Bleibt dran. Auch wenn es zwischendurch mal unangenehm wird.
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