Drake veröffentlicht neues Album „For All The Dogs“
Who let the dogs out? Drake! Endlich! Lange hat der Rap-Superstar für sein neues Album „For all the dogs“ Welle gemacht und immer wieder Stoff für die Gerüchteküche geliefert. So hat er zuletzt den alten Flugplatz auf dem Tempelhofer Feld in Berlin mit dem Cover geziert, das sein Sohn Adonis gemalt hat. Mit der Vorab-Single „Slime You Out“ mit SZA hatte Drake zuvor außerdem gleich doppelt Schlagzeilen geschrieben: Zum einen empörte sich Schauspielerin Hally Berry über das Cover, auf dem ohne ihre Einverständis ein Foto von ihr verwendet wurde. Zum anderen rappt Drake hier eine Zeile, in der er BDSM-Fantasien mit der kolonialen Sklaverei vergleicht – eine Geschmacklosigkeit, die sogar von jemandem wie Drake überrascht.
Kurz vor Albumrelease veröffentlichte er dann mit „8AM in Charlotte“ noch einen weiteren Teil der Serie, die er 2023 mit „5AM in Toronto“ gestartet hatte. Im Video wird sein Sohn Adonis prominent gefeatured und performt Seite an Seite mit seinem Vater. Auf dem Song „Daylight“ hat er sogar so etwas wie einen eigenen Part – doch das ist nicht die einzige Unterstützung, die Drake sich für „For All The Dogs“ holt.
Support von Newcomern und Legenden
Die Featuregäste bilden eine spannende Mischung ab: Da sind aktuelle Industrie-Größen wie SZA, Yeat und Bad Bunny dabei, heiße Newcomer wie Teezo Touchdown und Sexyy Red, aber auch langjährige Wegbegleiter wie sein Landsmann und OVO-Signing Partynextdoor oder 21 Savage, mit dem Drake gerade auf Tour war und mit dem er sein Collab-Album „Her Loss“ veröffentlicht hat. Auch abseits der offiziellen Features lohnt sich ein Blick in die Credits von „For All The Dogs“: Als erste Stimme auf dem Projekt hören wir zum Beispiel nicht Drake, sondern einen gesampelten Frank Ocean, auf „Drew A Picasso“ kann man Sampha erahnen und auf „7969 Santa“ versucht sich Snoop Dogg als Radiomoderator.
Potpourri mit Überlänge
Überhaupt ist „For All The Dogs“ eine ziemliche stimmige Mischung aus den verschiedenen Epochen und Stimmungen, in denen wir Drake kennen: Mal melancholisch, mal schnulzig, mal spittender Realkeeper, dann wieder arrogantes Arschloch auf endlosem Höhenflug. Letzteres lässt Drake wie gewohnt besonders gerne raushängen – darüber kann man zum Großteil hinweg sehen, manchmal wird es dann aber doch ziemlich unerträglich und teilweise einfach auch schlichtweg misogyn.
Solche Tabu-Zeilen hatte Drake bisher auf fast jedem Projekt. Ob man ihn deshalb prinzipiell ablehnt oder darüber hinweg sehen kann, bleibt wohl jedem und jeder Hörer:in selbst überlassen. Wenn man Drake seine ekligeren Fehltritte verzeiht, erwartet einen mit „For all the dogs“ ein erstaunlich ausgewogenes Album, das allerdings hin und wieder an seiner Spielzeit von 1,5 Stunden scheitert. Nach dem zweiten Drittel lässt Drake mit einigen ruhigeren Stücken das Tempo schleifen und schafft es danach nicht mehr so recht, den richtigen Drive aufzubauen. Hier hätte eine umgestellte oder einfach ausgedünnte Tracklist dem Projekt gut getan. Zum Ende hin kriegt der Interpet dann dank starker Features von Lil Yachty, Sexyy Red und SZA nochmal die Kurve und präsentiert uns so insgesamt ein Album, das seine direkten Vorgänger „Honestly, Nevermind“ und „Certified Loverboy“ trotz Überlänge ziemlich mühelos in den Schatten stellt.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.