Ein Jahr, ein Song: 2015, Charlotte de Witte und „Weltschmerz“
Was Ende 2014 schon zu vermuten war, wird in 2015 bittere Realität. Über 1000 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte zählt das BKA Ende des Jahres. Pegida mobilisiert Woche für Woche abertausende Menschen und schafft ein Klima der Angst. Traurige Höhepunkte sind die „Demonstrationen“ vor Flüchtlingsheimen in Freital und Heidenau, die an die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen aus den frühen 90er-Jahren erinnern. „Gutmensch“ wird letztendlich zum Unwort des Jahres gekürt. Durch die Bezeichnung „Gutmensch“ sollen Menschen diskreditiert werden, die sich mit Geflüchteten solidarisieren, Hilfe anbieten und versuchen sich der allgegenwertigen Hetze entgegen zu stellen. Eben jene Menschen sind es, die Hoffnung geben, dass auf dieser Welt doch noch Gutes getan wird und es neben der ganzen Angst, Wut und Hetze auch noch Liebe gibt. Pegida, HoGeSa und Co. predigen 2015 den „Untergang des Abendlandes“ und beschwören bürgerkriegsähnliche Zustände durch die Aufnahme von Geflüchteten. Fünf Jahre später ist der Untergang des Abendlandes ausgeblieben, stattdessen erlebt Deutschland einen widererstarkten Rechtsextremismus, der nicht nur in den Parlamenten sitzt, sondern auch Menschen umbringt. Charlotte de Witte kreiert 2015 mit „Weltschmerz“ ihre erste eigene EP und mit dem gleichnamigen Song auch den Soundtrack für eine düstere Zeit.
Charlotte de Witte – Weltschmerz
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Die belgische Techno-DJ und Produzentin Charlotte de Witte beginnt bereits mit 17 Jahren das Auflegen. Damals noch unter dem Pseudonym Raving George, um den Fokus auf ihre Musik und nicht auf ihr Geschlecht zu legen. Zu dieser Zeit waren weibliche Künstlerinnen in der Elektro-Szene noch etwas Unübliches. Aus Angst davor, dass ihre Musik kein Gehör findet, entscheidet sie sich für ein maskulines Pseudonym. 2015 wandelt sich ihr Musikstil erstmals von Electro-House zu Techno und de Witte beginnt ihre Musik unter ihrem Klarnamen zu veröffentlichen. Mit „Weltschmerz“ erscheint im selben Jahr ihre erste EP mit fünf eigenen Songs. Auf „Weltschmerz“ befindet sich auch der gleichnamige Track mit knapp sieben Minuten Spielzeit. Durch den Namen des Songs und der EP bereits suggeriert, wirkt „Weltschmerz“ düster. Dumpfer Bass und eine dumpfe Snare vermitteln den Grund-Tenor des Songs, der durch melancholisch-seichte Melodien abgerundet wird. Ganze Zehn EPs später steht Charlotte de Witte 2020 an der Weltspitze der Techno-Szene: Ihr Mix aus Minimal-Techno und Acid-Techno begeistert Elektrofans auf der ganzen Welt, teilweise über 40 Auftritte im Monat sind keine Seltenheit mehr. Bleibt zu hoffen, dass sie dieser enormen Belastung gewachsen ist und sich genügend Auszeit nimmt, Stichwort: Avicii.
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