Empfehlung des Tages: Fyne – Schüttelfrost
Fyne malt in ihrer zweiten Single ein tristes Bild vom Berliner Szenekiez Kreuzberg – und das könnte dem süß-verträumten Vibe ihrer Debütsingle „Liebesbriefe“ eigentlich kaum ferner sein. Aber in „Schüttelfrost“ geht es um genau dieses verschobene Weltbild, das man hat, wenn man sich verloren fühlt. Fyne erzählt von Gefühllosigkeit und Überforderung und baut ihre Soundlandschaft um einen fast nihilistischen Ton weiter aus.
Heimgesucht und Verloren
Schüttelfrost ist das letzte, dass Fynes Protagonist:in noch annähernd zu spüren scheint. Gebrandmarkt durch die letzte Beziehung, löst nicht mal die strahlende Sonne größere Gefühle in ihr aus. „Schüttelfrost, überrascht, ich glaub‘, ich fühl‘ nichts / Ausknopf, bleibst nicht hier, es wird Frühling / Schau‘ in die Sonne, doch sie blendet mich nicht mehr“. Als ob man durch ein verregnetes Fenster blickt, wird Fynes Lyrics durch marmorierende Synthesizer und bassige 808s ein noch melancholischerer Anstrich verpasst. Besonders die Hook drückt stillen Verzweiflung aus: „Bist du der Geist der vorsichtshalber nochmal zuguckt? / Verdeck‘ die Sinne, fühl‘ mich leer (Eh) / Keine Ahnung, was auf uns zu kommt / Gefühlt war alles ohne Wert (Eh)“. An der Stelle auch mal Props an den Producer der Single Robert Wallners, den man bisher eher aus den Deutschrap-Ecken von Ritter Lean und Rowli kennt.
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