Empfehlung des Tages: GbR – Terpentin
Der rastlos schlagende Bass und die elektronischen Störgeräusche vom Quietschen bis zur Kuhglocke vermitteln eigentlich eine positive Atmosphäre. Doch obwohl das Saarbrückener Synth-Pop Duo fröhlich ihren analogen Synthesizer bearbeitet, geht es textlich in eine düsterere Richtung.
Haltlos um die Häuser
In feinster Falco-Manier zeichnen GbR eine dystopische Gegenwart, der sie schleunigst entfliehen möchten: „Ich glaub ich brauch noch mehr zwischen Trümmern und Staub“. Wie in einem Wettlauf ziehen die beiden geplagt von Zerrissenheit um die brutalistischen Bauten und reden davon, diese grundlos einzureißen und „die alten Meister“ abzusetzen. Damit beschreiben sie ein Gefühl, was momentan viele von uns teilen. Zwischen Weltschmerz und täglichen Schreckensbotschaften fällt es oft schwer, positiv zu bleiben. Es entsteht Frust gegenüber nicht-funktionierenden etablierten Strukturen und ein pochender Wunsch nach Veränderung.
„Terpentin“ ist die letzte Single der zuletzt erschienenen EP „Antenne 1“ von GbR, die vor ca. zwei Jahren aus dem Nichts im Internet aufgetaucht sind. Mit ihrem clubtauglichen Ansatz bringt das Duo aus dem Saarland frischen Wind, in die eher von Melancholie geprägte NNDW-Welt. Zwischen DDR-Ästhetik, Falco und ihren analogen Synthesizern haben sie ihr ganz eigenes Klangbild erschaffen.
Terpentin und alle weiteren Empfehlungen
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.