Empfehlung des Tages: Paula Carolina – Das Ende
Als wir vor kurzem Paula Carolina zu einer unserer „Besten neuen Künstler:innen“ gekürt haben, haben wir versucht, die künstlerische Identität der Newcomerin auf einige Stichworte herunter zu brechen. Humor war eines davon, genauso ihre energetische Art und die Mir-kann-keiner-was-sagen-Haltung. Aber schon bei diesem Versuch, eine Blaupause niederzuschreiben, attestierten wir Paula Carolina vor allem eines: Freigeistigkeit und den Willen, unsere Erwartungshaltung immer wieder umzuwerfen.
Sogar in der kurzen Zeit seit diesem Text ist genau das schon einige Male geschehen. Zum Beispiel, als Paula gemeinsam mit dem Tausendsassa Marti Fischer ihren Sowieso-Schon-Hit „Schreien“ von der NNDW-Nummer zum scheppernden 90er-Techno-Brett umbaute und damit ganz lässig die ersten Streaming-Millionen verbuchte. Oder etwas kürzlicher, als sie gemeinsam mit der fiktiven Cartoon-Band „Die Punkies“ und dem gemeinsamen Song „Blankenese“ zeigt, dass New Wave keineswegs nur Erwachsenen-Sache ist, sondern durchaus für den Nachwuchs spannend ist. Ihr neuester Song ist nun schon wieder eine Überraschung. Denn wo das Geschehen um die junge Newcomerin doch eigentlich gerade anfängt so richtig spannend zu werden, ist es da: „Das Ende“.
Die Welt ist am Arsch
Und es wird seinem Titel gerecht. Nach dem treibenden Indie-Pop-Rock von Paulas letzten Singles „Wärs ok“ oder „Bitte bitte“ tanzt die neue Single als stille Ballade aus der Reihe und schlägt ernstere Töne an. Eine Sirene eröffnet den Song und läutet die Apokalypse ein, gefolgt von Paulas Stimme auf großen, dramatischen Synth-Flächen: „Draußen brennen die Flammen bunter / Ich glaub, hier geht die Welt unter“. Wo die Welt am Arsch ist, ist Kummer natürlich nicht weit – eine Referenz aus ihrer musikalischen Sozialisation, die Paula Carolina trotz Endzeit-Stimmung geschickt unterbringt: „Kummer singt sein’ letzten Song / Du rauchst wieder mal auf dem Balkon“.
Gemeinsam ins Inferno
Dabei klingt Paula Carolina so ernüchtert und desillusioniert wie man eben ist, wenn man als Teil der Gen Z mitten in eine Zukunft herein schlittert, die dank Klimakrise und sonstiger globaler Katastrophen schon längst verdammt scheint. Aber wie bei jeder guten Hymne ist da auch ein Funken Hoffnung: „Komm lass uns auf die Straße gehen / Hand in Hand durch die Ruinen / Der Boden zittert, doch wenn alles hier in Flammen steht / Wird keiner heut alleine gehen“. Dabei schwebt Paulas Stimme so erhaben und ruhig über die spacigen Synthesizer, als würde sie schon ihr Leben lang solche mächtigen Synth-Pop-Chansons verfassen. Im Verlauf seiner beinahe vierminütigen Spielzeit schwillt „Das Ende“ dann weiter an, lodert mit haushohen Wänden aus Gitarren und Schlagzeug wie ein Slowdive-Song, nur um dann am Ende wieder am Anfang anzukommen. Eine Sirene ertönt, das Ende naht.
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