Empfehlung des Tages: Sira – Winterherz
Sind wir mal ehrlich: es ist im Moment arschkalt. Und obwohl das nervig ist, kann der Winter nicht nur deswegen eine anstrengende Zeit für viele sein. Die Hip-Hop-Newcomerin Sira beschreibt in ihrer neuen Single „Winterherz“ die innere Kälte, die diese Jahreszeit in uns auslösen kann.
Sira singt von Winterdepression und verpackt ihre Machtlosigkeit und Angst in Texte, die offen und ehrlich sind, gleichzeitig aber auch dieses Gefühl (oder Nicht-Gefühl) in akkuraten Bildern illustrieren. Sie spricht davon, tausend Augen auf ihr zu haben, keine Luft zu bekommen und zu schrumpfen. „Ich spür‘ den Winter und die Menschen spür‘ ich gar nicht mehr / ich spür‘ die Panik und ansonsten ist da gar nichts mehr“, stellt sie ernüchtert fest.
Neues Genre, gleicher Vibe
Während viele Songs von Sira oft Elemente aus Garage oder Drum’n’Bass beinhalteten, ist das Instrumental in „Winterherz“ deutlich organischer und geht mehr in Richtung Boom-Bap. Die Kälte, die in Siras Text beschrieben wird, wird durch die Wärme im Beat ausgeglichen, für den wieder einmal KazOnDaBeat verantwortlich war. Der Song klingt zwar oberflächlich anders als die meisten vorherigen, inkohärent wirkt das aber nicht. Vielmehr hebt das ihre Stärken nur noch mehr hervor, denn schon auf Songs wie „Lonely“, die sogar mit Hyperpop liebäugelten, schaffte Sira es, mit ihrer angenehm unaufgeregten Delivery den Vibe dennoch entspannt zu halten.
Nur ist auf „Winterherz“ alles laid-back, von den souligen Klavierakkorden zu den geswingten Drums. Die stehen Siras Stimme ideal und unterstreichen ihre Affinität zum R&B. Ihre gefühlvollen Vocals, halb Gesang, halb Rap, sind so intim und verletzlich, dass man das, was sie erzählt, sofort nachempfindet.
Der Sira-Stempel
Kaum eine Berliner Newcomerin ist so spannend wie Sira und „Winterherz“ ist ein weiteres Beispiel dafür. Hier zeigt sie nicht nur, wie einfühlsam und bildlich sie über ernste Themen sprechen kann, sondern stellt auch wieder ihre musikalische Bandbreite und Anpassungsfähigkeit unter Beweis. Dass ihre Stimme sich auf allen Beats wohlfühlt und trotzdem allen den typischen Sira-Stempel aufdrückt, wird hier nur noch deutlicher.
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