Empfehlung des Tages: The Lounge Society – Remains
Kennst du das Gefühl, in einem Raum voller Menschen zu stehen und trotzdem alleine zu sein? Okay, vielleicht nicht ganz alleine, von vielen Menschen umgeben sind wir ja oft. Aber Alleinsein und Einsamkeit sind nun mal nicht dasselbe: das weiß auch die britische Band The Lounge Society. Im Song “Remains” thematisieren sie nämlich genau das.
In der Lounge
Der Name „The Lounge Society“ klingt erst einmal nach Zigarrenrauch und Ledercouches, gepaart mit einer jazzigen Melodie, die leise im Hintergrund mitschwingt. Die Band aus dem nordenglischen Hebden Bridge ist circa genau das Gegenteil davon. Der Rauch kommt hier eher aus den Nebelmaschinen auf der Bühne und die Ledercouches begegnen ihnen höchstens in abgewetztem Zustand im hintersten Eck einer schäbigen Rock-Bar. Denn sie machen gekonnten Post-Punk, den sie durch und durch leben.
Zwischen Freiheit und Einsamkeit
“Remains” ist eine Single auf ihrem vor kurzem erschienenen Debütalbums “Tired Of Liberty”. Die Thematik des Albums spiegelt sich auch im Song ironisch wider: Freiheit wird von vielen hoch gewertet, gelebt jedoch eher selten. Sie wird dazu oft mit dem Alleinsein gleichgesetzt – einem Stadium, das Möglichkeiten aber auch Einsamkeit bringen kann. All das vereint „Remains“ in einem packenden Song, der dazu entworfen wurde, live gespielt zu werden. „It’s designed to kick the doors down. In that way it gives us an outlet when we play it live„, sagt die Band selbst. Der Song nimmt jeden einzelnen Quadratmillimeter eines imaginären Raumes ein, sodass Sorgen keinen Platz mehr finden. Das Alleinsein in einer großen Crowd wird hier von den tragenden Bässen und kreischenden E-Gitarren weggeblasen.
Wer Freund:in von langen Intros ist, ist bei The Lounge Society ebenfalls richtig. Auf ihrem einleitenden Instrumental, das fast eine Minute lang ist und aus packenden Gitarrensounds und Drums besteht, trotzen sie jeder Spotify-Algorithmus-Formel und bleiben dabei in alter (Post-) Punk-Manier. Vor allem in einer Zeit, in der häufig die Streamingzahlen Musiker:innen definieren, ist es umso beachtlicher, wenn sich diese dadurch nicht in ihrer künstlerischen Freiheit berauben lassen. Ironisch, dass dies genau auf ein Album über die Anti-Freiheit der Gesellschaft passt.
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