Erste Single in drei Jahren: Bilderbuch sind zurück
Das Bilderbuch sich immer wieder erfolgreich neu erfinden und dem aktuellen Zeitgeist treu bleiben können, haben uns die Österreicher seit ihrem großen Durchbruch mit „Maschin” 2017 schon allzu oft bewiesen: Eigenwillig, herrlich schräg und dabei irgendwie immer stilvoll und mit „kitsch”, sowohl in ihren Musikvideos als auch in ihren oft humorvollen, aber auch nachdenklichen Lyrics.
Natürlich ist seitdem auch abseits der Musikwelt so einiges passiert. Das globale fatalistische Gefühl, dass sich gerade alles auf unausweichliche Katastrophen zubewegt, raubt den Atem und überfordert. Eine Anspannung, von der auch Bilderbuch nicht unberührt bleiben, wie ihre neue Single verrät. Im Gegensatz zu ihrem mal humorvollen, funky Pop-Sound oder den zuletzt experimentellen Synths, Balladen und 80er-Jahre-Feels entfalten sie auf „Irgendwo” einen Sound, der rockiger klingt, dabei jedoch weder Epik noch Opulenz einbüßt. Natürlich samt einem für Bilderbuch so typischen finalen Gitarrensolo und tröstendem Hoffnungsschimmer.
Bildbuch: Zwischen Weltschmerz und Sehnsucht
„Irgendwo” fängt sowohl lyrisch als auch soundtechnisch sofort ein gewisses Bedrohungsgefühl ein. Verzerrte, harte E-Gitarren, kraftvolle Percussions und eine hallende Stimme füllen den Raum während Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst zunächst eine mittlerweile leider ziemlich banale Beobachtung macht: „Oh, es herrscht Krieg, Baby“. Deutlich wird jedoch ebenso schnell, dass er eine geliebte Person anspricht. Dabei geht es weniger um den Weltschmerz an sich, sondern vielmehr um die Zuflucht in einem anderen Menschen: „Drohnen über uns / zieh’n den Staub von den Sternen / doch solange ich bei dir bin / werd ich nicht sterben.” Damit wecken Bilderbuch auch in diesem Track erfolgreich dieses von Sehnsucht geprägte Gefühl, das sich, trotz diverser Neuerfindungen, wie ein roter Faden durch ihre musikalische DNA zieht.
Melancholisch, aber trotzdem voller Energie wird „Irgendwo” schließlich zu einer Hymne an die Liebe in dunklen Zeiten. Eine Trope, die sich vielleicht nur in einem Bilderbuch-Track, nicht aufgesetzt, sondern tatsächlich ehrlich und tröstend anfühlt: „Irgendwo brennt immer ein Licht / wo immer du auch bist / wo immer du bist.” Am Ende birgt „Irgendwo” also auch den kleinen Reminder, sich anstatt in Weltuntergangsszenarien zu ertrinken immer wieder auf wertvolle Beziehungen, Menschlichkeit und Gemeinschaft zu besinnen. Vielleicht ja mithilfe eines neuen Bilderbuch-EP oder gar einem neuem Album? Angekündigt würde neben der Single bist jetzt noch nichts. Da die letzte EP „Softpower“ 2023 erschienen ist, scheint es aber langsam wieder an der Zeit!
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.