Bon Iver: Weniger ist mehr
Wo soll man bei Bon Iver anfangen und wo aufhören? Vor nun schon knapp 12 Jahren veröffentlichte Justin Vernon mit seinem Singer/Songwriter-Projekt Bon Iver sein Debüt-Album „For Emma Forever Ago“, welches er in der isolierten Hütte seines Vaters in Wisconsin schrieb. Auf Konzerten wird der Musiker von einer grandiosen Liveband unterstützt. Der amerikanische Sänger, Gitarrist und sogar auch Organist präsentierte seine melancholischen und herzzerbrechenden Texte mit sanfter Stimme getragen von melodischen Gitarrenakkorden. Mit „For Emma Forever Ago“ zeigte er erstmals, dass er kein riesiges Ensemble braucht, damit er sich in die Herzen seiner Zuhörerinnen und Zuhörer singen kann. Er schafft es mit einer simplen und schlichten Klangwelt und vor allem durch seine direkt ins Herz gehenden Lyrics seine Hörerschaft und auch die Musikwelt zu begeistern. Hierbei nicht unerwähnt bleiben darf: „For Emma Forever Ago“ wurde bereits in der ersten Woche bis zu 4000 Mal verkauft, wurde in etlichen Listen von renommierten Magazinen als eines der besten Alben des Jahres betitelt und erreichte auch in den USA Goldstatus. Und dies alles schaffte Bon Iver vor allem durch seine klugen, durchdachten Texte und der schlichten aber melancholischen Stimmung, die er durch seinen Sound verbreitet. Zwei Jahre nach dem Debüt, erschien mit „Blood Bank“ eine neue EP. Auf vier Songs präsentiert Bon Iver erneut seine schlichte Klangwelt. Nur einen kleinen aber feinen Unterschied gibt es: auf der Single „Woods“ probiert er erstmal den Effekt Auto-Tune und überzeugt auch mit diesem. Er macht es einen erneut extrem einfach, sich in seine Musik zu verlieben. So geschah es auch mit Kanye West, der sampelte nämlich „Woods“ auf seinem im Jahr 2010 erschienenen Song „Lost In The World“. Und auch auf Kanyes Single „Monster“ holte er sich neben Nicki Minaj, Jay-Z und Mick Ross, Bon Iver zur Unterstützung. Der amerikanische Rapper taucht übrigens noch öfter in Justin Vernons Diskographie auf: 2013 und 2016 arbeiteten die beiden nochmals zusammen und schaffen trotz ihrer Unterschiede zu harmonieren.
Bon Iver – Hey, Ma
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Im Jahr 2011 erschien das selbstbetitelte und auch zweite Werk. Deutlich zu spüren ist, dass Bon Iver sich sehr weiterentwickelt hat. „Bon Iver“ klingt nicht ganz so verletzlich wie die vorherigen Werke, dennoch ist sein gewohnter Stempel wieder zu erkennen. Auch wenn es nicht die gewöhnliche Grundstimmung trägt, Bon Iver zeigte sich erneut verträumt, melancholisch und gibt Denkanstöße um sich den Kopf zu zerbrechen. Er präsentiert sich mit dem zweitem Album frischer und experimenteller als zuvor. Im November 2012 verkündete Bon Iver, dass sie eine Pause auf unbestimmte Zeit einlegen werden. In den folgenden Jahren erschienen wenige Singles wie beispielsweise „Heavenly Father“, welcher als Titeltrack für den Film „Wish I was Here“ diente. Im Jahr 2016, nach fünf langen Jahren des Wartens, veröffentlichte Bon Iver mit „22, A Million“ das dritte Album. Mit der bislang letzten Platte eröffnete und erschuf er neue Klangwelten und tauchte noch mehr in das Experimentelle ein. Die Stimme wird öfter verzerrt, der Synthesizer mehr eingesetzt und alles klingt ein wenig anders als zuvor. „22, A Million“ soll aber nicht als Neuanfang verstanden werden sondern eher als eine Aufarbeitung der verdienten Auszeit. Aber auch erwähnt werden muss, dass Bon Iver auch bei diesem Album seine grandiosen Songwriting-Künste nicht versteckt und seinen Hörern viel Interpretationsspielraum bietet. Die ersten Worte, die man beim Hören der Platte (Song: „22 (OVER S∞∞N)“) bekommt, lauten „It might be over soon“. Mit diesem kurzen Satz ließ Bon Iver seine Hörerschaft völlig im Unklaren, ob dies nun das Ende der musikalischen Laufbahn sei oder was denn nun passiere.
Bon Iver – U (Man Like)
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Drei Jahre nach der letzten Veröffentlichung, veröffentlicht er nun mit „U (Man Like) und „Hey, Ma“ zwei langersehnte neue Singles. Von der gewohnten, düsteren Stimmung ist kaum noch etwas zu spüren. In „U (Man Like)“ wird mit erfrischendem Piano eingestiegen, kurz danach erklingt die warme und sanfte Stimme von Justin Vernon. Mit „Hey, Ma“ springt er zurück in die Vergangenheit und widmet den Song seiner Mutter, nebenbei erinnert er uns auch, dass wir doch mal wieder unsere Mutter anrufen sollten. Im dazugehörigen Video sind Aufnahmen aus Justins Kindheit und es schwingt ein kleines bisschen Wehmut mit. Eben die Erinnerungen, die Sehnsucht und Glück zugleich aufrufen können. Beim All Points East Festival in London stellte Bon Iver die neuen Songs vor und gab zugleich auch Grund zum spekulieren. Auf dem Backdrop stand die URL icommai.com, welche zu anscheinend neuen Website von Bon Iver führt. Darauf aufgeführt sind unter anderem die nun erschienenen Singles und eine große Anzahl von Künstlern wie beispielsweise Moses Sumney, Brad Cook, Jenn Wasner und Bryce Dessner von The National. Es wird vermutet, dass das hoffentlich bald kommende neue Album den Titel „ Icommai“ trägt und das all die erwähnten Musiker Teil davon sind. Bon Iver hat sich seit der Gründung sehr weiterentwickelt und experimentell verausgabt, dennoch hat Justin Vernon es im Jahr 2007 geschafft nur mit seiner Ausnahme-Stimme, seiner beinahe schon minimalistischen Klangwelt und den melancholischen Texten sich fest in der Musikszene zu etablieren und sich direkt in die Herzen seiner Hörer zu singen.
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