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„Frohe Weihnachten an alle die das alles noch ertragen“ – die etwas andere Weihnachts-EP von Kurt Prödel

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Tagged: Kurt Prödel

Wer nicht vollkommen hinter dem Mond lebt, ist an Kurt Prödel in den vergangenen Jahren nur schwer vorbeigekommen. Als Twitter-Veteran formt er die Sprache des deutschen Internets. Als Schlagzeuger von The Screenshots sorgt er für den nötigen „Wumms” und als eine Stimme des ”Man lernt nie aus”-Podcasts, gibt er regelmäßig Tipps und Denkanstöße für den Alltag. Früher drehte er außerdem auch Musikvideos für einschlägige Rapper wie Money Boy, Haiyti oder Juicy Gay. Heute taucht er lieber selbst vor der Kamera auf – zum Beispiel in der ZDFneo-Show „Studio Schmitt“.

Und dann wäre da natürlich noch sein Debüt als Solo-Musiker, das der Tausendsassa diesen Sommer mit seiner EP „Wie kann man mich sich selbst so zufrieden sein?“ hinlegt und an das er nun mit seiner Weihnachts-EP anknüpft. Aber auch wenn Kurt Prödel nach seinem Erfolg in diesem Jahr wohl alle Gründe hätte zu feiern, handelt es sich nicht um die klassisch-festliche Weihnachtsmusik – sondern um melancholische Songs mit vielen Denkanstößen, ganz nach Prödel-Art.

Kurt Prödel – Frohe Weihnachten an alle die das alles noch ertragen

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Drei Songs beinhaltet die EP „Frohe Weihnachten an alle die das alles noch ertragen“ und bereits der Titel zeugt von viel Melancholie und Rückbesinnung auf die anhaltenden Probleme dieser Welt, die auch an Weihnachten nicht Pause machen. Prödel hat dieses besondere Talent, kollektive Gefühle und Gedanken der Gesellschaft abzubilden und vollkommen unaufdringlich – vielmehr auf einer Metaebene – seine Messages einzuweben. Er schafft es ohne konkretes Ansprechen oder übermäßige Ironie seine Gedanken und Gefühle auf die Hörerschaft zu übertragen – und dass mit vollkommen „einfachen“ Worten, was eine wirklich besondere, intime Stimmung erzeugt.

„Ich weiß doch auch nicht wer ich bin“

So singt er mit theatralisch leidender Stimme inklusive kratzigem Timbre über das Böller-Verbot an Silvester, den Abgang von Merkel als Bundeskanzlerin und der allgemeinen Krisenstimmung, die auf dieser Welt herrscht. Mit Lines wie “Dieses merkwürdige Deutschland tut einfach nur noch weh.” Oder „Mama, ich wünsch mir Frieden auf der Welt“ spiegelt er mit dem Titelsong der EP wie kaum ein Zweiter den Zeitgeist wider, mit Gedanken, die wohl jede:r hat, aber oft vielleicht nicht zuordnen kann. „Ich weiß überhaupt nicht wer du bist, aber ich weiß doch auch nicht wer ich bin“ heißt es in „Lieber Gott“. Hier tritt der Sänger in einen Dialog mit Gott und entschuldigt sich – bedingt durch die übliche Jahresend-Melancholie – für alle potenziellen Fehler und Entscheidungen. Er stellt einfach alles in Frage und bietet den Hörer:innen damit Raum für Identifikation: Es geht ja doch nicht nur mir so.

Dennoch: Mit dem Mix aus Westerngitarre, Streichern und Orgelklängen kommt dann am Ende doch besinnliche Weihnachtsstimmung auf. Trotzdem ist auch für das übliche Augenzwinkern des Sängers gesorgt und die melancholische Stimmung wird an den richtigen Stellen, mit Lines wie „Last Christmas I gave you my heart, Bye Bye Angela Merkel“ aufgelockert.

Fazit: Auch wenn es sich nicht um die klassische Weihnachts-EP handelt: „Frohe Weihnachten an al die das alles noch ertragen“ ist  ein wundervolles, andächtiges Werk. Nur eben vielleicht nicht für das festliche Treiben am Weihnachtsabend, sondern vielmehr den entschleunigten, nachdenklichen Advents-Sonntag.

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