fyne: Vom Spiel mit dem Feuer zum Tanz mit dem Teufel
Mephisto, des Pudels Kern. Der wortgewandte Antagonist, der böse Anteil, der in jedem Menschen wohnt. Das hat schon Goethe fasziniert. 200 Jahre später ist die Auseinandersetzung mit dem (inneren) Teufel noch immer spannend. In „Mephisto“ nimmt sich Indie-Musikerin Fyne der Thematik an.
Wer mit dem Feuer spielt, lernt irgendwann „Mephisto“ kennen
Dass der Teufel jetzt persönlich vor Fynes Tür steht, ist eine logische Fortsetzung. Auf „Feuerkind“ hat die Sängerin bereits gestanden, „Ich spiel gern mit dem Feuer / Auch wenn es mich dann brennt“. Und auf der Nachfolgesingle „Monster“ singt sie: „Ich kenn das Monster unter meinem Bett, kenn es besser als mich selbst / Bin verloren es kommt aus seinem Versteck, verspricht mir eine wahre Welt“. Das jetzt also die Auseinandersetzung mit dem Feuermonster schlechthin kommt, scheint unausweichlich.
In „Mephisto“ greifen nun sowohl Musik als auch Musikvideos ineinander. Es ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, mit unaufgearbeiteten Traumata, mit den Dämonen, die Fyne verfolgen. Dass Fyne aber keine Angst vor dem Teufel hat und ihre eigenen Erfahrungen sie auch stark gemacht haben, zeigt sie im zugehörigen Musikvideo.
„Mephisto“ wirft Kiesel an Fynes Fenster und sie lässt ihn rein. Mit Rotwein und unzähligen Zigaretten sitzen sie gelangweilt bis in die Nacht hinein an einem großen Tisch, als er sie schließlich dazu auffordert im Wohnzimmer zu tanzen und die Federn fliegen. Wie auch schon bei „Feuerkind“ und „Monster“ führte Fyne hier selbst Regie.
fyne: Teuflisch gut!
Das Video wirkt genauso wie der Song selbst, schaurig und düster. Diese verschwörerische Art, klang schon auf „Feuerkind“ durch. Mit „Mephisto“ geht Fyne aber nochmal einen Schritt weiter. Elektrisierende Synths schaffen eine Gruselatmosphäre, bei der Fynes sichere Stimme allein die Gewissheit gibt, dass sie es locker mit dem Teufel aufnehmen kann. Der verlockende, beatlastige Sound unterstreicht die dämonische Wirkung des Songs. Während sie auf vorherigen Veröffentlichungen, wie auf ihrem Debüt „Liebesbriefe“ verträumt klingt und ihr Kopf in den Wolken hängt, ist sie auf „Mephisto“ geheimnisvoll, aber entschieden. Dieser Zwist mit der eigenen Gewissenhaftigkeit, spiegelt sich auch im Text wider: „Drück aufs Gas Ich kann nicht halten / Ich hab Spaß / Vor Angst gespalten / Herz auf halb acht / Es ist dunkler, wenn der Himmel klar ist bei Nacht / Hab den Teufel an die Wand gelacht / Er dachte, ich wär schwach / Dacht, der Teufel wär tot“.
„Mephisto“ wurde wie seine beiden Vorgängersingles von Tobias Kuhn (Milky Chance, Jassin) produziert. Es bleibt also spannend, ob die folgenden Veröffentlichungen eine ähnliche tiefschwarze Schattierung haben und ob sich das Ganze hin zu einem düsteren Konzeptalbum entwickelt. Was bis jetzt zu hören ist, ist auf jeden Fall teuflisch gut!
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