Hard In Here – mit Doodseskader, Chat Pile und Pogendroblem
Doodseskader – Year One
Ich sag es immer wieder: Irgendwas ist im Wasser in Belgien. Mit seinen knapp zwölf Millionen Einwohner:innen und wenigen Großstädten bringt das Land eine fast schon grotesk hohe Anzahl origineller, hervorragender Bands hervor – etwa die neulich vorgestellten Brutus oder eine meiner Lieblingsbands, Amenra. Zur Besetzung letzterer gehört sein einiger Zeit auch Tim De Gieter, Bassist und neben Drummer Sigfried Burroughs eine Hälfte des Genter Crossover-Duos Doodseskader, das kürzlich sein Debütalbum „Year One“ veröffentlicht hat.
Doodseskader jemandem zu erklären, der:die die Band noch nie gehört hat, ist immer wieder eine Herausforderung, denn die beiden lassen sich in keine Ecke drängen (umso dankbarer bin ich dafür, dass ihr hier einfach selbst reinhören könnt). „Year One“ ist HipHop, ist Grunge, ist Sludge, ist Hardcore; eine Mischung aus Produktionstechniken, die man in der Gitarrenmusik selten hört und roher, düsterer Aggression, die ungewöhnlich für elektronische Musik ist. Geht natürlich alles nicht ohne eine dicke Schicht Reverb und Distortion – lieben wir! Wer Vibe und Mindset von Artists wie Show Me The Body, Ghostemane und Ho99o9 fühlt, wird sich sicher auch hiermit anfreunden können.
Chat Pile – Tenkiller Motion Picture Soundtrack
Zwei Mal innerhalb von drei Monaten in dieser Kolumne aufzutauchen muss man auch erstmal schaffen. Nachdem Chat Pile mit „God’s Country“ nicht nur eines der besten Noise-Rock-Alben der jüngeren Vergangenheit, sondern auch eines meiner Releases des Jahres veröffentlicht haben, zeigen sie nun mit dem Score für das Indie-Drama „Tenkiller“ ein paar ganz neue Seiten von sich. Natürlich sind da die polternden und dissonanten musikalischen Zitterpartien und Horrortrips. Aber dann, vielleicht noch grausamer als all das, auch Hillbilly-Country: „Lake Time (Mr. Rodan)“ ist ein überraschender Messerstoß (oder eher Schrotflintenschuss) in den Rücken und damit vielleicht eine der wirksamsten künstlerischen Entscheidungen dieses Soundtracks. Ich kann es kaum erwarten, endlich den Film zu diesem Höllenritt zu sehen.
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Pogendroblem – Alles was ich noch hab sind meine Kompetenzen
Es passiert nicht oft, aber manchmal höre ich doch ganz gerne Deutschpunk. Vor allem, seitdem die Szene den dauerbreiten Mackern entrissen wird, die seit Slime, Terrorgruppe & Co. nichts Neues zu sagen haben. Pogendroblem lassen mein Herz in diesem Kontext freudig Pogo tanzen: Die Band widmet sich auf ihrem dritten Album – schmissig AWINHSM abgekürzt – mit Zynismus und Wut (und so! viel! Attitude!) dem Leben im Spätkapitalismus. Ausbeutung, Burnout, Virtue Signaling und Insta-Lifestyle kollidieren mit dem Wunsch nach Solidarität und Veränderung. Das klingt mal poppig-cute, mal post-punkig-kühl, aber in jedem Moment unterhaltsam.
Royal Thunder – The Knife
Überraschend haben sich Royal Thunder mit ihrem ersten Song seit fünf Jahren zurückgemeldet. „The Knife“ ist für mein krachverwöhntes Hirn etwas zu sehr im Classic Rock verankert, die Stimme von Mlny Parsonz kriegt mich jedoch immer wieder. Und mit vergangenen Überhits wie „Whispering World“ im Ohr habe ich weiterhin große Hoffnungen für ein hoffentlich bald angekündigtes neues Album.
Die Hard In Here-Playlist
Christina Wenig ist Redakteurin, Journalistin und Fotografin aus Berlin. Für Magazine wie Visions und Metal Hammer schreibt sie über Metal, Hardcore und Artverwandtes; auf ihrem Instagram-Kanal teilt sie Live-Eindrücke aus verschwitzten Clubs und sinniert über Feminismus, Antifaschismus, Filme und ihren Hund.
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