Heute hier, morgen da: Das anonyme Rap-Duo Yung Kafa & Kücük Efendi ist „Nirgendwo daheim“
Yung Kafa und Kücük Efendi waren schon Metaverse, bevor es cool war. Seit seinen Anfängen im Jahr 2018 hält das ominöse Rap-Duo seine Identität geheim und tritt nur mit verpixelten Avataren in Erscheinung. Mit dieser kreativen Ästhetik und dem märchenhaften Falsetto-Trap-Sound haben sich YKKE längst eine enge Fangemeinde aufgebaut, die nun nach drei Mixtapes heißhungrig den Release des ersten offiziellen Albums „Chef“ erwartet. In welche Richtung es gehen soll, verrät jetzt schon die verträumte Single „Nirgendwo daheim“.
Yung Kafa und Kücük Efendi sind ein echtes Phänomen. Wo sich andere Rapper:innen schlicht und einfach hinter einer Maske verstecken, lassen die beiden anonymen Musiker stattdessen eine ganze Welt entstehen, die über ihre unbekannte Identität hinweg tröstet. Die Artworks und Musikvideos zu bisherigen Projekten wie „Yin und Yang“, „Dickicht“ und „Uboot“ sind aufwändig illustriert, Kafa und Efendi sind mindestens genauso sehr animierte Cartoon-Charaktere wie auch echte Menschen.
Dieses lebendige, eigene Universum wird nun weiter ausgebaut: Am 13. Januar 2023 will das Duo sein erstes richtiges Album unter dem Titel „Chef“ veröffentlichen. Zugegeben, das erscheint in der heutigen Musikwelt, wo alles in Lichtgeschwindigkeit passiert, wie eine lange Wartezeit. Tatsächlich haben YKKE ihre Fans aber in den letzten Monaten kontinuierlich mit regelmäßigen Singles versorgt und werden das wohl auch bis zum Release weiter tun.
Tränen im Champagner
Zuletzt erschien am Freitag der neue Song „Nirgendwo daheim“ – ausnahmsweise ohne eigens animiertes Cartoon-Video. Stattdessen liefert das Duo einen Zusammenschnitt aus verschiedenen Aufnahmen, von TikTok- und Vine-Clips bis hin zu Natur-Stockfootage und Szenen mit Promis wie David Guetta oder Shia Labeouf. Damit funktioniert das Musikvideo wie eine Art Moodboard für die verträumte, nostalgische Stimmung des Songs, irgendwo zwischen Trap, R&B und Zukunftsmusik. „Überall zuhause aber nirgendwo daheim / Reise um die Welt, kein Platz wo ich lang’ verweil“, singen die beiden in der klagenden Kopfstimme, die längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Jetset-Lifestyle, aber in den Champagner mischen sich salzige Tränen. Und obwohl die überwiegende Mehrheit von uns wohl noch nie im Privatjet saß, schaffen es Yung Kafa & Kücük Efendi dabei irgendwie relatable zu sein.
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