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Jeans for Jesus und ihr Hightech-Pop: Zu Besuch bei der Schweizer Band (Doku)

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Schon seit einigen Jahren fragt man sich bei unseren Nachbarn in der Schweiz: „Wann findet Mundart-Pop endlich auch im Ausland seine HörerInnen?“ Eine berechtigte Frage, wenn man einmal nach Österreich schaut. Dort haben Künstler wie Bilderbuch, Wanda oder Yung Hurn in den vergangenen Jahren den Schritt in die deutsche Musiklandschaft erfolgreich geschafft – und die nächste Generation steht auch schon in den Startlöchern. Zwar gibt es vereinzelt erfolgreiche Schweizer Exporte wie Faber, Steiner und Madlaina oder Rapperin Loredana, doch diese meiden den Gebrauch von Dialekt in den meisten Fällen. Einen wesentlichen Grund für den ausbleibenden Erfolg Schweizer Mundart-Künstler im Ausland sehen einige Eidgenossen in der Beschaffenheit ihrer Musiklandschaft: Schweizer Mundart-Pop ist ein Genre, das statt Offenheit eher traditionelle und volkstümliche Werte vermittelt, um die eigene Heimat kreist und vor allem einen Schlager-Hintergrund hat. Stefan Künzli von der Aargauer Zeitung schreibt dazu: „Schweizer Mundart-Künstler sind zu bedauern. Wer Erfolg haben und sich eine anhaltende Existenz als Musiker aufbauen will, der muss sich an die Gesetze und Mechanismen des kleinen Deutschschweizer Marktes halten. Wichtigstes Gebot: Ja nicht anecken, ja niemanden verärgern. Wer polarisiert, wer es sich mit einem Teil der Bevölkerung verscherzt, der wird es schwer haben. Der wird gemieden.“ Dass beim Swiss Music Award 2019 dann auch noch KünstlerInnen wie Härz, Steff la Cheffe oder Bligg gewinnen, spricht Bände. Eine denkbar schlechte Ausgangsposition also für MusikerInnen aus der Schweiz und vielleicht auch ein Grund dafür, warum die spannende Band Jeans for Jesus bisher noch nicht in das Zentrum des deutschen Interesses gerückt ist.

Jeans For Jesus – 19xx_2xxx_

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Schon mit ihrer ersten Single „Estavayer“ gelang Jeans for Jesus im Jahr 2014 ein unverhoffter Sommerhit. Seitdem sind die vier Berner Musiker Michael Egger, Marcel Kägi, Philippe Gertsch und Demian Jakob fester Bestandteil ihrer heimischen Musikszene und liefern auf mittlerweile drei Alben einen ambitionierten Indie-Pop-Sound. Sänger Michael Egger erklärt 2017 in einem Interview: „Ich will mit diesem folkloristischen Zeugs nichts zu tun haben.“ Und mit dem rückschrittigen Sound einiger Kollegen haben Jeans for Jesus nicht im Geringsten etwas zu tun. Ihre Songs wagen immer den Balance-Akt zwischen Avantgarde und Mainstream. Das Ergebnis: Progressive Pop-Musik mit mehrdimensionale Botschaften, stets wachsende Zuschauerzahlen bei Konzerten und sogar Radio-Einsätze in Frankreich – Jeans for Jesus singen nämlich auch mal auf Französisch.

Jeans for Jesus – 2000&irgendwo

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Ende Januar haben Jeans for Jesus ihr neustes Album „19xx2xxx“ veröffentlicht. Eine Platte, die wegen ihrer Mischung aus komplexen und eingängigen Strukturen von der Band als „Hightech-Pop“ betitelt wird. Für das Album haben Jeans for Jesus einen Projektordner mit Skizzen, Samples und Aufnahmen befüllt, bis dieser irgendwann die unfassbare Größe von 350 Gigabyte erreichte. Schlussendlich destillierten die vier Musiker alles in 16 Songs, die Titel wie „Bubbletrouble“, „Mango Mango“ oder „Babyboomsuperstar“ tragen. Mit letzterem Song haben Jeans For Jesus der Kampfansage der Jugend an die Generation der Babyboomer eine Hymne gewidmet. Ganz nach dem Motto: „OK Boomer“ – Eigenheim, Auto und Sicherheit sind nicht mehr das große Ziel, vielleicht sollten wir mal mehr auf unsere Umwelt achten, denn die ist grade in einem schlechten Zustand. Jeans for Jesus treffen mit ihrem dritten Album den so oft beschriebenen Nerv der Zeit und werden dafür auch in ihrer Heimat zurecht von Medien und Fans abgefeiert. Endlich kommt eine Band mit einer Platte um die Ecke, die dem angestaubten Image des Schweizer Mundart-Pop etwas Neues entgegensetzt. Falsettgesang, schrille Sounds, Autotune und andere digitale Effekten verschmelzen zu einem zeitgenössischen Sound, der irgendwo zwischen R&B, Indie-Pop und Hip-Hop hin und her wandert. Hinzu kommt eine Ästhetik, die mehr denn je nach „Internet“ schreit: Songs sind nach IP-Adressen benannt und auf dem Album-Cover sehen wir die Köpfe der Band als digitale Büsten. Man darf getrost festhalten: Das hier hören die coolen Kids im Jahr 2020. In der Schweiz und auch in Deutschland. Und alle anderen sollten das auch.

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