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Kanye West möchte 2020 US-Präsident werden – Doch geht das überhaupt?

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Tagged: Ye (Kanye West)

„Holy Spirit come down, we need you now“ fordert Kanye West am Ende des Musikvideos zu seiner neuesten Single mit Travis Scott. Das Video erschlägt den Zuschauer mit erschreckenden Bilder aus den Vereinigten Staaten: Polizeigewalt, Lungenversagen, Schlägereien, Schießereien, Gefängnisszenen, Verfolgungsjagden – was viele Schwarze Einwohner des „Landes der unbegrenzten Möglichkeiten“ tragischerweise ihren Alltag nennen. Wie konnte es dazu kommen? Ye’s Antwort: Sklaverei. Die Folgen: Kriminalität, Drogenhandel, Genozide, Bandenkriege. Nachdem Kanye vor knapp zwei Jahren seinen Weg zu Gott fand, der unter anderem die Heilung oder zumindest Milderung seiner bipolaren Störung mit sich brachte, will er nun Gottes Segen über das amerikanische Volk bringen. Und zwar nicht mehr nur mit seiner Musik, die er schon im vergangenen Jahr seinem Glauben anpasste, sondern auch mit der Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten noch in diesem Jahr.

https://twitter.com/kanyewest/status/1279575273365594112

„Wir müssen nun das Versprechen Amerikas verwirklichen, mit Gottvertrauen, einer einigenden Vision und dem Schaffen einer Zukunft“, schreibt Kanye West auf Twitter zusammen mit der Verkündung seiner Kandidatur. Tesla-Chef Elon Musk sicherte prompt seine Unterstützung zu. Viele Twitter-User, Fans und Medienschaffende bezweifelten in der Folge allerdings, ob er tatsächlich noch in diesem Herbst gegen Amtsinhaber Donald Trump ins Rennen ziehen würde. Es wurden Stimmen laut, dass seine Ankündigung viel eher als Promo-Tool zur Bewerbung seiner neuen Single verstanden werden könnte. Auch Wests öffentliche Unterstützung für Donald Trump möchte nicht so ganz ins Bild passen, besuchte Kanye den 73-Jährigen Präsidenten doch erst im Oktober vergangenen Jahres persönlich und sicherte diesem immer wieder seine Unterstützung zu. Politische Ambitionen hat Kanye West schon häufiger geäußert: 2015 erklärte er im Rahmen der MTV Video Music Awards, bei der US-Wahl im Jahr 2020 antreten zu wollen. Im November vergangenen Jahres verschob er sein Vorhaben allerdings auf 2024. Dass sich Kanyes Meinung schnell ändern kann, ist also mehr als klar. Doch ganz abgesehen von impulsiven Entscheidungen – wäre eine Kandidatur in diesem Jahr überhaupt noch möglich? Schließlich findet die US-Wahl bereits am 3. November statt.

Kann Kanye West 2020 bei der Präsidentschaftswahl antreten?

Da Kanye weder Kandidat der Demokratischen noch der Republikanischen Partei sein könnte, müsste er als unabhängiger Kandidat oder Kandidat einer anderen Partei antreten. Hier besteht bereits ein erstes, ernsthaftes Problem, denn Kanye würde als unabhängiger Kandidat oder Kandidat einer anderen Partei nicht in jedem Bundesstaat einen Platz auf dem Wahlzettel garantiert bekommen. Jeder US-Bundesstaat hat seine eigenen Regeln für die Stimmabgabe, einschließlich der Forderung einer bestimmten Anzahl von Unterschriften für die rechtmäßige Bewerbung. Zusätzlich ist die Deadline für die Einreichung von Kandidaturen für die Präsidentschaft () schon in mehreren, wichtigen Staaten wie Indiana, New Mexico, New York, North Carolina und Texas verstrichen. Die Fristen für Florida, Michigan, Oklahoma und South Carolina sind außerdem nur noch zwei Wochen entfernt. Bedeutet: Kanye West könnte regulär nicht mehr in allen Staaten antreten und müsste innerhalb kürzester Zeit genügend Unterschriften sammeln, um sich in den restlichen Staaten zu bewerben. Ein Schlupfloch gibt es dennoch: Kanye könnte als sogenannter „Write-In-Candidate“ an der Wahl teilnehmen. Wenn sein Name nicht offiziell auf dem Wahlzettel eines Bundesstaates aufgeführt ist, müssten die WählerInnen ausdrücklich seinen Namen aufschreiben, um für ihn zu stimmen.

https://www.instagram.com/p/CCSFKG3M5kb/?igshid=91wymysycbx7

Rechtlich gesehen ist es also möglich, dass Kanye West 2020 an der Präsidentschaftswahl teilnimmt. Genügend finanzielle Reserven sollte er mit der Unterstützung seiner Frau Kim Kardashian sowie Elon Musk auch haben. Als „wiederbekehrter“ Schwarzer Christ könnte er außerdem eine breite Bevölkerungsschicht ansprechen, zumal sein Name in den USA vielen bereits bekannt sein sollte. Zweifelhaft bzw. schädlich könnten aber seine Aussagen im Bezug auf Sklaverei („Slavery was a choice“) oder Abtreibung („Thou Shall Not Kill“) sein. Ob es letztendlich zu einer Kandidatur von Kanye West in diesem Jahr kommen wird, bleibt abzuwarten. Seit dem Wahlsieg von Donald Trump im Jahr 2016 scheint irgendwie alles möglich.

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